08:39 10 Dezember 2019
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    Polnische Polizisten (Archivbild)

    Anti-Islam-Anschläge vorbereitet: Mutmaßliche Terroristen in Polen festgenommen

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    Der polnische Inlandsgeheimdienst ABW hat zwei Männer in Warschau und Stettin wegen des Verdachts der Vorbereitung von Sprengstoffanschlägen festgenommen.

    Die Festnahmen seien am Sonntag im Rahmen von Ermittlungen gegen eine extremistische Gruppe erfolgt, die Anschläge gegen Muslime geplant habe, sagte ein Sprecher des zuständigen Ministeriums am Mittwoch laut der Nachrichtenagentur PAP. Ihnen werde auch illegaler Waffenbesitz sowie Aufruf zur Tötung von ethnischen und religiösen Gruppen vorgeworfen.

    „Außer Schikanen und Verfolgungen plante die Gruppe auch radikalere Aktionen mit Schusswaffen und Sprengstoff“, sagte der Sprecher.

    Bei der Durchsuchung eines Einfamilienhauses in Warschau stellten die Einsatzkräfte den Angaben zufolge Chemikalien zur Herstellung einer großen Menge von Sprengstoff, Schusswaffen und Gläser mit hochgiftigen Substanzen sowie Drogen sicher.

    Breivik und Anschläge in Neuseeland als Vorbilder

    Das sichergestellte Material zeige, dass sich die Gruppe den norwegischen rechtsterroristischen Massenmörder Anders Behring Breivik und den mutmaßlichen Attentäter von Christchurch, Brenton Tarrant, zum Vorbild genommen habe.

    Die Festgenommenen seien den Geheimdiensten im Rahmen der Ermittlungen zu dem geplanten Anschlag auf das polnische Parlament vom Jahr 2012 bekannt, hieß es. 2015 war der Chemieingenieur und Forscher von der Landwirtschaftlichen Universität Krakau Brunon Kwiecień wegen dieser Tat zu einer 19-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden, die später auf 13 Jahre reduziert wurde. Brunon Kwiecień soll geplant haben, eine Autobombe vor dem Parlament zu zünden, nachdem der polnische Präsident und der Premier Polens das Gebäude betreten haben.

    Anschläge auf Moscheen in Neuseeland

    Im neuseeländischen Christchurch war es am 15. März zu bewaffneten Angriffen auf zwei Moscheen gekommen, bei denen 51 Menschen getötet und etwa 50 weitere verletzt worden waren. Die Premierministerin von Neuseeland, Jacinda Ardern, stufte die Überfälle als Terroranschläge ein. Der 28-jährige Brenton Tarrant, der wegen mehrfachen Totschlages angeklagt wurde, hatte die Tat mit einer Helm-Kamera live ins Internet übertragen.

    Massenmörder von Oslo und Utøya

    Der norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik verübte am 22. Juli 2011 Terroranschläge im Regierungsviertel von Oslo und auf der Insel Utøya, bei denen er 77 Menschen töte, überwiegend Teilnehmer eines Zeltlagers der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF. Der Attentäter wurde zu 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Gleich nach seiner Festnahme gestand Breivik die begangenen Verbrechen, behauptete jedoch, er hätte angeblich die Anschläge verübt, um den Niedergang der norwegischen Kultur zu stoppen.

    2017 erklärte Breivik zum ersten Mal, er bereue angeblich seine Tat. Ein Gerichspsychiater, der mit dem Massenmörder gesprochen hatte, stellte jedoch seine Reue in Frage und bezeichnete Breiviks Äußerung als Manipulationsversuch.

    Polens Bevölkerung weist nur einen geringen Anteil an Muslimen auf. Die größte Gruppe stellen mit rund 5000 Menschen die im Nordosten des Landes seit vielen Jahrhunderten ansässigen Tataren. Nur sehr zögerlich nimmt das Land Flüchtlinge auf. Nach Angaben des UN-Flüchtlingswerks UNHCR wurden im vergangenen Jahr 4132 Asylbewerber registriert, davon stammen die meisten aus Russland, der Ukraine und Tadschikistan. Als schutzwürdig anerkannt wurden demnach 349 Personen.

    asch/ae/dpa/sna

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    Tags:
    Giftstoffe, giftig, Sprengstoff, Waffen, Festnahme, Muslime, Anschläge, Polen