19:30 14 Dezember 2019
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    Container mit Atommüll aus der Schweiz im französischen Hafen Cherbourg-Octeville (Archivbild)

    Wie die Schweiz tausende Tonnen Atommüll im Meer entsorgte

    © AFP 2019 / CHARLY TRIBALLEAU
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    Die Schweiz war nicht immer so rücksichtsvoll mit der Natur, wie sie es heutzutage ist. Bis zum Jahr 1982 hatte sie nämlich insgesamt 5321 Tonnen radioaktiver Atomabfälle ins Meer geworfen. Der Zustand der Behälter bleibt unbekannt. Die „Neue Zürcher Zeitung“ veröffentlicht Informationen zu dieser Entsorgung und wie man heute damit umgeht.

    Die Schweiz gehörte zu den größten Lieferanten von Atommüll – den sie im Meer entsorgen. Innerhalb von zwölf Jahren haben die Schweizer ganze 23 Sendungen geschickt. Mit einem Güterzug von Siggenthal (Aargau) war schwacher und mittelstarker Atommüll in Metallfässern – in Beton oder Bitumen eingegossen – transportiert worden. An der niederländischen Küste wurden die Fässer auf Frachtschiffe geladen und im Nordatlantik versenkt. Dies berichtet die Schweizer Zeitschrift „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) in einem Artikel am Montag.

    Diese Art der Entsorgung von radioaktivem Müll war in den Jahren 1966 bis 1982 die günstigste und Lösung. Damit war die Schweiz auch nicht alleine: Es war eine gängige Lösung vieler Staaten mit Atommüll so umzugehen. Der weltweite Spitzenreiter ist Russland (bzw. damals die Sowjetunion), welches für insgesamt 44,8 Prozent der Strahlung in Meeren verantwortlich ist. Knapp gefolgt von Großbritannien mit 41,4 Prozent. Die Schweiz selbst steht auf dem dritten Platz und macht 5,2 Prozent der Strahlung in den Weltmeeren und ganze 9,8 Prozent der im Nordatlantik aus.

    Über 5000 Tonnen Atommüll auf dem Meeresboden

    Der Müll liege nach Angaben der NZZ auf etwa 3600 bis 4750 Meter Tiefe. 7420 Fässer wurden laut Dokumenten auf diese Weise entsorgt und somit hat die Schweiz ganze 5321 Tonnen an Atommüll versenkt. Dies betrage eine Radioaktivität von 4419,3 Terabecquel. Die Fässer beinhalteten kein hochaktives Material, sondern schwache bis mittelstarke Beta-Gamma-strahlende und tritiumhaltige Abfälle. Der Müll stamme hauptsächlich aus dem Eidgenössischen Institut für Reaktorforschung und dem AKW-Betrieb. Der restliche Prozentsatz kommt aus der Medizin, der Forschung, der Industrie und Abfällen der Produktion von Leuchtfarben und Ionisationsmeldern.

    In den 1980er Jahren begannen die ersten Protestaktionen gegen diese Umgangsweise mit radioaktivem Material. Von der Organisation Greenpeace veranstaltet, stellten sich Aktivisten auf Schlauchboten unter die Kräne der Frachtschiffe und verhinderten somit den Müllabwurf. Diese Protestaktion verhalf schließlich auch dazu, dass es zu einem Abbruch dieser Entsorgungsstrategie im Jahr 1983 kam.

    Was passiert heute mit den Fässern?

    Der Film „Versenkt und Vergessen – Atommüll vor Europas Küsten“ von 2013 führte erneut zu einem Skandal, bei welchem Unterwasseraufnahmen die große Anzahl solcher Fässern zeigten. Dabei sind nicht nur Schweizer Behälter, sondern auch die 61.550 Fässer der Briten, die sie in den Jahren 1950-1963 im Meer versenkt hatten. Es entstand also eine Debatte über das Schicksal dieser radioaktiven Behälter. Der Zustand dieser sei laut der NZZ unbekannt, da Behörden kein Interesse daran zeigten, intakte Behälter zu bergen.

    Trotz der Bitten von Greenpeace Schweiz, die Lagerstätten zu überwachen, sieht das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) den Fall für abgeschlossen. Da die Halbwertszeiten der entsorgten Materialien sowieso nur zwischen 70 Tagen und 30 Jahren bestehe, sei das meiste bis zum heutigen Zeitpunkt zerfallen. Laut der NZZ sei deswegen nur ein Achtel bis Sechzehntel der Tritiumbelastung vorhanden. Aufgrund der tiefen Belastung, so sagte das Ensi der NZZ, stelle sich keine Frage nach der Rückholung der Fässer.

    lm

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    Tags:
    Radioaktivität, Umwelt, Greenpeace, Atommüll, Großbritannien, Schweiz