19:21 14 Dezember 2019
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    Autofriedhof vor dem Yugo-Werk in Belgrad (Archivbild)

    Schadstoff-Autos: Serbien verwandelt sich in Dreckschleuder-Friedhof

    © AP Photo / DARKO VOJINOVIC
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    Nach Serbien gelangen ungehindert Autos mit den Schadstoffklassen Euro 3 und Euro 4, während in den Nachbarländern die Einfuhr solcher Fahrzeuge seit langem verboten ist.

    Während die Behörden nach Lösungen suchen, liegt die Zahl der Autos, die älter als zehn Jahre sind, bei mehr als 80 Prozent von der Gesamtzahl der registrierten Autos. Serbien verwandelt sich in eine Deponie alter Fahrzeuge.

    In Bosnien und Herzegowina wurde die Einfuhr von Gebrauchtwagen mit der Schadstoffklasse Euro 3 bereits 2016 verboten. Seit dem 1. Juni sind auch Fahrzeuge mit Euro 4 sowie Neuwagen mit Euro 5 verboten. Montenegro verbot Ende des vergangenen Jahres die Einfuhr von Wagen mit Euro 3. Nordmazedonien führte das Verbot für die Einfuhr von Wagen ein, die dem Umweltstandard Euro 5 nicht entsprechen sowie die älter als zehn Jahre sind.

    Laut Umweltminister Goran Trivan wird in Serbien das Gesetz mit einem Verbot für die Einfuhr von Fahrzeugen mit Euro 3 erst 2021 in Kraft treten. Alte Fahrzeuge sind weniger sicher, das Ministerium sollte sich auch Gedanken über ein Verbot für die Einfuhr von Gebrauchtwagen der Norm Euro 4 machen, doch zuvor ist ein gesellschaftlicher Konsens dazu erforderlich.

    Damit hat Serbien alle Chancen, weiterhin ein Sterbeort für alte Autos zu bleiben. Im Oktober bzw. November erwies sich Serbien auf der Liste der Länder mit der schmutzigsten Luft in der Welt. Am 27. Oktober lag die serbische Hauptstadt bei der Luftverschmutzung nach Angaben des Internetportals AirVisual auf Platz zwei in der Welt nach Neu Delhi.

    Laut der Expertin für Klimawandel Danijela Bozanic ist die Rekordverschmutzung der Luft in den letzten Wochen eine Folge der Verkehrsabgase, obwohl das nicht der einzige Grund ist – dafür sorgen auch Heizkraftwerke, der Brand in der Mülldeponie in Vinca, zu warmes Wetter.

    „Der Verkehrsbereich ist tatsächlich ein Problem. Das Problem besteht mit alten Autos, zu hohem Kraftstoffverbrauch, je älter der Motor ist, desto niedriger ist seine Umweltklasse und so höher sind Abgase. Das ist ein großes Problem, eines der wichtigsten“, sagte die Expertin.

    Der Expertin zufolge sollte man nicht die Tatsache vergessen, dass alte Autos ein unsicherer Typ von Abfällen sind, deren Lagerung und Verarbeitung in den westlichen Ländern unerwünscht ist. Vielleicht deshalb belegen die westeuropäischen Länder die Ausfuhr von Gebrauchtwagen mit minimalen Zollgebühren.

    „Wir haben ständig mit Prinzipien der Kreislaufwirtschaft zu tun. Die Einfuhr alter Autos kostet uns im Ergebnis deutlich mehr, als die Einfuhr von Neuwagen. So enden sie entweder in einem Fluss oder werden als Abfall ausgeführt, was auch Geld kostet. Damit wäre ein Verbot für die Einfuhr alter Autos sehr nützlich“, so die Expertin.

    Serbische Medien berichten unter Berufung auf das Innenministerium, dass fast 1,7 Mio. der etwa zwei Mio. registrierten Autos in Serbien älter als zehn Jahre sind. Das sind 83 Prozent.

    „Uns mangelt es an Verantwortungsgefühl. Wir sagen ständig – die Umwelt ist zwar gut, doch sie würde uns zu teuer kommen, diese Geschichte ist für reiche Länder. Dabei nehmen wir keine Rücksicht darauf, was wir im Austausch bekommen werden“, so die Expertin.

    Anfang 2018 trat in Serbien das Protokoll über die technische Inspektion der Autos in Kraft, womit den Besitzern von alten Autos drei Jahre gegeben wurden, um ihre Fahrzeuge mit den neuen Umweltstandards in Übereinstimmung zu bringen. Also ab 2021 können die Fahrzeuge, die der aktuellen Schadstoffklasse nicht entsprechen, nicht mehr die technische Inspektion durchlaufen und nicht mehr registriert werden. Nach inoffiziellen Angaben betrifft das 1,2 Mio. Autos in Serbien.

    „Es muss irgendeinen Weg geben, die Einfuhr von Autos mit weniger Abgasen zu stimulieren. Das müssen nicht unbedingt Subventionen sein, vielleicht Steuersenkungen. Das muss nicht blitzschnell erfolgen. Alles, was den Umweltschutz betrifft, ist ein Prozess, der Zeit erfordert. Die Frage ist nur, wann der Zeitpunkt kommt, an dem wir damit beginnen, uns mit diesen Fragen ernsthaft zu befassen“, sagte Bozanic.

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    Tags:
    Autos, Schadstoffemissionen, Schadstoffe, Balkan, Serbien