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    Kein „Klartext“ mit Merkel: ZDF lädt Hinterbliebene von Weihnachtsmarkt-Anschlag aus

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    Eine Hinterbliebene des Anschlags vom Breitscheidplatz hat zur ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel“ kommen sollen, ist aber kurz zuvor wieder ausgeladen worden. Als Grund gab die ZDF-Redaktion an, die Frau gegen einen zu großen medialen Druck und Attacken schützen zu wollen. Sie selbst glaubt allerdings nicht an diese Erklärung.

    Am 24. Juli erhielt Astrid  Passin, eine Hinterbliebene des Anschlags vom Breitscheidplatz, eine E-Mail vom ZDF, mit der Frage, ob sie in der Sendung als Sprecherin der Hinterbliebenen auftreten wolle. Man habe sie in einer Reportage von Spiegel TV gesehen und ihr Auftritt habe diese Kombination aus Trauer, Enttäuschung und Wut zumindest sehr eindrücklich vermittelt und nachhaltig Eindruck hinterlassen. Passin besprach sich mit anderen Hinterbliebenen und sagte zu.

    Es gab noch weitere Gespräche mit dem ZDF. Dabei wurde auch gefragt, welche Frage sie stellen wolle. Nach eigenen Worten wollte sich die Frau darauf aber nicht einlassen: „Ich wollte mir das vorbehalten, spontan zu agieren, so wäre es ja auch authentischer.“ Das habe sich aber nicht zu einem Problem entwickelt, und sie erhielt vom ZDF sogar einen Vertrag.

    Am Donnerstag kam dann die Absage des ZDF. Es habe nach der zwei Tage zuvor ausgestrahlten TV-Sendung „Klartext, Herr Schulz!“ Probleme gegeben. Bürger, die Fragen stellten, seien von Medien und in sozialen Netzwerken attackiert worden. Das wolle man ihr ersparen, so die Erklärung.

    Die Erklärung des ZDF

    Das ZDF bestätigte, dass sich die Redaktion „unmittelbar vor der Sendung noch einmal mit den möglichen Gästen befasst“ habe. Nach der „Klartext“-Sendung mit Schulz wurde „kritisch geprüft, wem der Druck der Live-Situation und die mediale Nachwirkung eines Auftritts vor einem Millionenpublikum zuzumuten ist.“ Das ZDF sei mit Frau Passin jedoch weiter im engen Kontakt. Geplant sei eine Dokumentation über die Opfer des Anschlags und ihre Angehörigen.

    Für Passin sei die Erklärung aber nicht überzeugend gewesen. Sie habe dem Fernsehsender erklärt, als Sprecherin der Hinterbliebenen medialen Druck gewohnt zu sein. Darüber hinaus habe sie es schade und traurig gefunden, Frau Merkel ihre Frage nicht stellen zu dürfen. Sie habe gespürt, „die wollen nicht, dass ich komme“.

    Bereits am 28. März hatte ihr Anwalt Andreas Schulz einen Brief an die Bundeskanzlerin geschrieben und um ein Treffen mit den Hinterbliebenen gebeten. Es folgte eine Absage. Schon damals sei das enttäuschend gewesen, so Passin. Sie würde schon gerne wissen, warum sich die Bundeskanzlerin noch nicht die Zeit genommen habe, die Hinterbliebenen kennenzulernen, und warum von ihr nicht wenigstens ein persönliches Kondolenzschreiben gekommen sei.

    mka/gs

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    Terroranschlag, Angela Merkel, ZDF