21:37 15 Dezember 2019
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    Der Mitgründer von Weißhelmen James Le Mesurier (Archivbild)

    Ein Agent im Dienste des Kriegstreiber-Narrativs? Die Verbindungen von Weißhelme-Gründer Le Mesurier

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    Wem war der kürzlich verstorbene Weißhelme-Gründer James Le Mesurier zu Diensten und welcher Natur waren seine Verbindungen zu namhaften Journalisten und Wikipedia?

    Am 11. November starb in Istanbul James Le Mesurier, ehemaliger britischer Offizier und Gründer der Organisation Weißhelme. Während noch immer nicht klar ist, ob der Sturz vom Balkon seiner Wohnung ein Unfall, Selbstmord, oder - wie einige Medien spekulieren – gar Mord war, wird des Verstorbenen auf höchst unterschiedliche Weise gedacht.

    Wer das Narrativ kontrolliert, kontrolliert die Welt

    „Experten, die sich einen Namen mit der Verbreitung des Syrien-Narrativs gemacht haben, drücken Trauer über den Tod von Le Mesurier aus“, schreibt die australische Autorin und Assange-Vertraute Caitlin Johnston in einem Beitrag auf „Consortium News“. Dazu gehörten Journalisten wie Eliot Higgins, Julian Röpcke (Bildzeitung) oder Oz Katerji, der nach eigenen Angaben mit Le Mesurier befreundet war. Auch Janine di Giovanni, die für „Newsweek“ 2016 ein Spezial über Le Mesurier und die Weißhelme machte, schrieb auf Twitter:

    „Furchtbare Neuigkeiten. James war lustig, smart, mutig und seiner Sache verpflichtet. Er bot Angreifern die Stirn. Er stand auf der richtigen Seite der Geschichte. Glaubte an die Weißhelme, ihre Mission, ihren Kampf für das Gute. Ein Verlust für die Menschheit.“

    Dazu zitiert Johnston den Journalisten Jonathan Cook, der in einem Tweet di Giovanni kritisierte:

    „So sieht Verbindungs-Journalismus aus: Preisgekrönte Kriegskorrespondenten wie Janine di Giovanni hängen mit ‚lustigen‘ Typen wie James Le Mesurier rum, die dafür verantwortlich waren, genau die Kriege anzufachen, über die sie berichten. Kriege, die ganze Gesellschaften zerstört haben.“

    Es gebe eine riesige Narrativ-Management-Kampagne, die darauf ausgerichtet sei, Kontrolle darüber zu haben, was die Menschen über den Krieg in Syrien denken, schreibt Johnston. Diese Kampagne diene nicht nur dazu, die langfristige Regime-Change-Agenda des US-zentrierten Imperiums voranzutreiben, sondern auch dem Schutz der Glaubwürdigkeit der kriegstreiberischen Regierung und der Medienhäuser, denen die Öffentlichkeit im Informationszeitalter nach der Irak-Invasion zunehmend misstraut.

    „Wer die Kontrolle über das Narrativ hat, hat die Kontrolle über die Welt. Narrativ-Kontrolle ist oberste Priorität für das Imperium. Sie kommt vor Ressourcen, vor Land, sogar vor dem Krieg selbst. Unsere Regierenden und ihre Gehilfen werden ihre Fähigkeit, die Geschichte zu kontrollieren, mit allen Mitteln verteidigen. Es ist an uns, ihre Lügen zu durchschauen und der Lügen-Fabrik ein Ende zu bereiten.“

    Verbindung zu Philip Cross

    In eine ähnliche Richtung gehen die Überlegungen des ehemaligen britischen Botschafters und Assange-Vertrauten Craig Murray. Bereits letztes Jahr hatte Murray auf den interessanten Umstand hingewiesen, dass James Le Mesurier, genauso wie namhafte Politiker und Journalisten von Medien wie „The Guardian“, „The Times“ und „BBC“ einem gewissen Philip Cross auf Twitter folgen. Wobei Cross insgesamt nur etwa 200 Follower hatte.

    Philip Cross ist durch seine Aktivitäten auf Wikipedia bekannt geworden. Innerhalb der letzten fünfzehn Jahre hat Cross Artikel in der englischsprachigen Version von Wikipedia editiert – und das jeden einzelnen Tag inklusive der Feiertage. Insgesamt kam er so auf 159.607 Bearbeitungen. Das sind 30 Einträge täglich. Ziel seiner Aktivitäten schien es zu sein, kritische Journalisten und linksgerichtete Politiker anzugreifen, die sich gegen Interventionskriege aussprechen. Besonders gründlich bearbeitete der Wikipedia-Vielschreiber offenbar die Einträge zu Personen wie dem schottischen Politiker Alex Salmond, dem britischen Journalisten Peter Oborne, dem Journalisten und Filmemacher John Pilger, dem Labour-Parteichef Jeremy Corbyn, dem ehemaligen britischen Botschafter in Usbekistan Craig Murray und dem prominenten britischen Politiker George Galloway, der fast 30 Jahre dem britischen Parlament angehört hat. Der Wikipedia-Eintrag zu Galloway ist dabei mit insgesamt rund 2000 Bearbeitungen Spitzenreiter.

    Mysteriöser Wikipedia-Editor enttarnt

    Im Mai 2018 hatte der ehemalige Labour-Politiker und Moderator George Galloway verkündet, er kenne nun die Identität von Philip Cross. Zuvor hatte Galloway eine Belohnung von 1000 Pfund ausgesetzt für denjenigen, der ihm den Klarnamen und die Adresse von Cross nennen würde. In seiner Radiosendung auf Talk Radio sagte er damals:

    „Ich habe Philip Cross endlich identifiziert. Er IST Philip Cross. Ich habe seine Adresse, seine Telefonnummer. Durch eine dritte Partei habe ich mit jemandem gesprochen, der ihn gut kennt. Er ist ein verletzliches Individuum. Und er wird schonungslos ausgebeutet von einem sehr einflussreichen Individuum. Einem einflussreichen Individuum, das diese Dinge möglicherweise selbst schreibt – oder auch nicht – und diese Anstrengungen unternimmt, Wikipedia zu manipulieren. In einer negativen Weise für die, die dieses einflussreiche Individuum hasst, und sehr positiv für die, die dieses einflussreiche Individuum mag.“

    Zeitgleich mit Galloway hatten auch die deutschen Filmemacher Markus Fiedler und Dirk Pohlmann sich auf die Spur von Philip Cross begeben.

    „Wir wissen, dass Philipp Cross als Autist in psychiatrischer Behandlung war. Cross ist 1963 geboren und heißt offenbar Philip Andrew Cross“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme von Pohlmann, die er Sputnik Deutschland Ende Mai 2018 exklusiv zugeschickt hatte. Wenn Galloway recht habe und der reale Philip Cross von außen gesteuert werde, dann sei man damit „im finsteren Bereich von MK Ultra, oder einfach im Missbrauch eines Kranken“. Es sei auch möglich, dass Cross geheimdienstlich benutzt werde, so Pohlmann damals. Er verwies darauf, dass immer wieder von verschiedenen Geheimdiensten berichtet wird, die Menschen mit Autismus einsetzen. Die Autisten würden oft über Inselbegabungen verfügen, wie beispielsweise ein fotografisches Gedächtnis, eine bemerkenswerte Auffassungsgabe oder die Fähigkeit, lange und konzentriert an einer Sache zu arbeiten, erklärten Pohlmann und Fiedler in ihrem Youtube-Blog in der Ausgabe vom 30. Mai 2018.

    Geld spielt keine Rolle, sagt Vater von Philip Cross

    In einem Gastbeitrag für Sputnik International beschrieb der britische Journalist Neil Clark am 13. Oktober dieses Jahres, wie seine Frau und er, die selbst regelmäßigen Online-Attacken durch Philip Cross ausgesetzt waren, sich auf die Suche begeben haben, um mehr über den mysteriösen Wikipedia-Editor rauszufinden. Ihre Recherchen führten sie nach Chesterfield, wo sie den Vater von Philip Cross ausfindig machen konnten. Der 81-Jährige erklärte sich bereit, mit dem Ehepaar über seinen Sohn zu sprechen.

    Sein 56 Jahre alter Sohn leide am Asperger-Syndrom, sei stark übergewichtig und könne nicht laufen. „Es geht ihm nicht gut. Er arbeitet nicht. Er verbringt seine komplette Zeit damit, auf Wikipedia Einträge zu editieren“, so Cross Senior. Warum sein Sohn das tue, könne er nicht verstehen. Dass sein Sohn dafür von Dritten Geld erhält, schließt der Vater aus. Wenn trotzdem jemand inhaltlichen Einfluss auf das Tun von Philip Cross üben sollte, so könne das nur durch das Internet geschehen, denn sein Sohn verlasse niemals das Haus.

    Die Motivation für die Wikipedia-Aktivitäten seines Sohnes kann Cross Senior nicht wirklich erklären. Sein Sohn sei intelligent und keinesfalls bösartig, er könne niemandem etwas zuleide tun. „So seltsam es klingt – er realisiert nicht, dass er es tut. Er tut es, aber er ist sich dessen nicht bewusst.“

    Cross editiert Le Mesurier

    Nachdem bekannt wurde, dass James Le Mesurier gestorben ist, ist Philip Cross aktiv geworden und hat insgesamt 48 Änderungen an dessen Wikipedia-Eintrag vorgenommen. Jede dieser Änderungen habe dazu gedient, jedwede Kritik an den Weißhelmen abzuschmettern und die Kritiker als verrückte Verschwörungstheoretiker zu denunzieren, konstatiert Craig Murray in einem aktuellen Eintrag auf seinem Blog.

    „Die Weißhelm-Operation, die von Le Mesurier für den MI6 durchgeführt wurde, war sowohl ein Kanal des logistischen Supports für die vom Westen unterstützten Dschihadisten, als auch eine Propaganda-Operation, um für die Kriege in Syrien, dem Irak und Libyen zu werben. Kriege, die für die Waffenindustrie, die Energiewirtschaft und das Sicherheitsestablishment natürlich sehr profitabel waren. Es sollte niemanden überraschen, dass Le Mesuriers Weg und die Propaganda-Operation von Philip Cross sich überschneiden, mit freundlicher Unterstützung von Jimmy Wales (Eigner von Wikipedia, Anm. d. Red.), der Wikipedia seit Jahren für die Unterstützung derselben kriegstreiberischen Ziele nutzt, wie sie von den Weißhelmen propagiert werden“, so Murray.

    In einem anderen Artikel anlässlich des Todes von Le Mesurier attestiert Murray den Weißhelmen, Hand in Hand mit den Dschihadisten in Syrien zusammengearbeitet zu haben. Von einem nützlichen Handlanger für westliche Sicherheitskräfte, Israel und deren Verbündete sei Le Mesurier nach dem türkischen Einmarsch in Syrien zur Bürde geworden.

    „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Türkei an Zeugenaussagen und Beweise kommen könnte, die die Beziehung zwischen Weißhelmen, Dschihadisten und westlichen Geheimdiensten und deren Verbündeten belegen, hat sich substanziell erhöht. Das machte ihn zu einer potentiellen Bedrohung für seine ehemaligen Arbeitgeber und endete mit seinem Tod. Ob er umgebracht wurde oder wegen des daraus resultierenden Drucks sich selbst das Leben nahm, kann ich nicht sagen“, resümiert Murray.

    Bei den Medien, die dem Establishment-Narrativ dienen, scheine man hingegen schon zu wissen, wer Le Mesurier auf dem Gewissen hat, schreibt hierzu Caitlin Johnston. So habe beispielsweise „The Washington Examiner“ einen Artikel veröffentlicht unter der Überschrift „Hat Russland Weißhelme-Gründer James le Mesurier getötet?“.  Auch BBC-Journalist Mark Urban habe in einem später gelöschten Tweet eine Anspielung auf eine „schwarze Propagandakampagne durch Russlands und Assads Medien“ gegen Le Mesurier gemacht.

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    Tags:
    James Le Mesurier, Großbritannien, Syrien, Britischer Geheimdienst MI6, Philip Cross, Craig Murray, Weißhelme, Wikipedia