04:45 11 Dezember 2019
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    Ausstellung von Markus Lüpertz in Berlin (Archivbild)

    Kunst-Krimi: Hunderte deutsche Kunstwerke in China verschwunden

    © AFP 2019 / JOHN MACDOUGALL
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    Kunstwerke deutscher Star-Künstler im Wert von etwa 300 Millionen sind in China verschwunden - ein großer Kunstskandal. Als verschollen gelten Werke von Markus Lüpertz, Anselm Kiefer und Renate Graf. Ein Geschäftsmann, der mit den Kunstwerken Ausstellungen organisierte, soll sie „entführt“ haben. Eine Sammlerin aus Bremen steht nun im Rampenlicht.

    Lüpertz, Kiefer, Graf – deutsche Stars in der internationalen Kunstarena. Vor rund drei Jahren hatten Lüpertz wie Kiefer populäre Ausstellungen in staatlichen Museen der Metropolen Chinas. Nun sind die Künstler Protagonisten in einem der größten Kunstskandale unserer Zeit: Allein von Lüpertz sollen 152 Werke seit Monaten spurlos verschwunden sein, weitere 90 Arbeiten von Kiefer und 103 Werke der Fotografin Graf, meldet die Zeitschrift Monopol: Ein „Kriminalplot voller dubioser Figuren“ in China. Die vermisste Kunst habe einen Wert von rund 300 Millionen Euro.

    Kunstwerke als Geiseln

    „Die Kunstwerke werden als Geiselnahme hier gehalten" so der 78-jährige Malerfürst Lüpertz auf einer Pressekonferenz.

    Er sei beunruhigt, weil er nicht wüßte, wo die Arbeiten sind und wo sie gelagert würden, so der Bericht. Es soll sich um Exponate aus seinem Frühwerk handeln - teils über 40 Jahre alt. Sie seien wasserempfindlich und sollten trocken gelagert werden. Wäre dies nicht der Fall, hätte dies „katastrophale“ Folgen für die Stücke.

    Die taiwanesische Millionärin aus Bremen

    Die vermissten Werke stünden alle im Eigentum der in Taiwan geborenen, seit ihrem zehnten Jahr in Bremen lebenden Millionärin und Sammlerin Maria Chen-Tu, so der Bericht. Chen-Tu habe eine der größten Kunstsammlungen der Gegenwart zusammengetragen, sei jedoch zugleich auf dem Kunstmarkt nahezu unbekannt. Würde man sie googeln, fände man lediglich einen „Linked-In Account“, ein soziales Netzwerk, in dem sich jedermann und jede Frau tummeln kann – inklusive passender Selbstdarstellung zu Status und beruflichem Werdegang. Taiwanesischen Quellen zufolge würde Chen-Tu sogar mit Waffenhandel in Verbindung gebracht. Die Geschäftsfrau bestreite dies, sei nun nur ob ihrer „verzweifelten“ Lage an die Öffentlichkeit gegangen:

    Ein chinesischer Geschäftsmann

    Ein Chinese namens Ma Yue, der eine mittlerweile nicht mehr existente Galerie in Hamburg geführt habe, hätte sich an Chen-Tu gewandt. Dieser habe der Kunstsammlerin in Aussicht gestellt, mit der Kunstsammlung von Lüpertz und Kiefer „weitere bedeutende Ausstellungen in China an Land zu ziehen“. Bei Ma handele es sich um einen Geschäftsmann und mutmaßlichem Hochstapler, der mit verschiedenen Unternehmungen vom Rohstoffhandel bis zu Fußmassage-Salons in Deutschland zu Geld kommen wollte, so der Bericht.

    Da es auf dem chinesischen noch relativ jungen Kunstmarkt eine extrem wohlhabende Käuferschicht gäbe, hätte er seine Aktivitäten auch auf die Kunstwelt ausgeweitet. Ma habe beim Zoll die Papiere für die Kunstwerke geändert und die Ladungen als eigenen Besitz angegeben. Chen-Tu habe die Werke zurück nach Deutschland eingefordert, da sie bei einer Lüpertz-Schau in München gezeigt werden sollten. Ma habe ihre Aufforderungen ignoriert. 

    Chat-Protokolle statt schriftlicher Verträge

    Pikant wie absurd: Chen-Tu habe mit dem Chinesen Ma nie auch nur einen schriftlichen Vertrag abgeschlossen. Die Kommunikation sei über die chinesischen Smartphone-App "Wechat" gelaufen, lediglich die Chat-Protokolle seinen Beleg für die Absprachen. Eine Strafanzeige bei den zuständigen Behörden in China sei fruchtlos gewesen. Es läge laut chinesischem Recht keine Straftat vor, solange die Werke nicht verkauft wurden. Die Geschäftsfrau wisse nicht, wie sie an die unterschlagenen Werke komme, noch wo diese sich befänden. Ma soll bereits auf mehreren Wegen versucht haben, die Kunstwerke zu versilbern – etwa in Taiwan.

    Lüpertz und Kiefer in einem Boot

    Anselm Kiefer sähe nun sogar Teile seines Lebenswerks in Gefahr: „Das ist Kindermist. Dass er die Kunstwerke einfach versteckt hält und damit so lange durchkommt, ohne in die Pflicht genommen zu werden, finde ich beunruhigend.“ Kiefer hätte ohnehin seit einer Ausstellung seiner Werke durch die Hamburger Bell Art Galerie in China vor einigen Jahren keinen guten Kontakt zu seiner Sammlerin Chen-Tu gehabt: Seinerzeit sei eine große Retrospektive seines Schaffens in Peking durchgeführt worden, ohne dass ihm Mitspracherecht gewährt worden sei - mit den nun verschwundenen Werken aus der Sammlung Chen-Tu.

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    Tags:
    Maler, Skandal, China, Kunst