21:44 15 Dezember 2019
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    Kokain-Fund im Hamburger Hafen (Archivbild)

    Tonnenweise Kokain: Libanesische Netzwerke überschwemmen Deutschland

    © AFP 2019 / Hamburg Customs Investigation Office
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    Im Jahr 2019 sind in Deutschland erstmals mehr als zehn Tonnen Kokain durch Ermittler sichergestellt worden. Das Bundeskriminalamt spricht bereits jetzt von einem Rekordjahr. Die Dunkelziffer des meist aus Südamerika geschmuggelten Kokains dürfte noch deutlich höher liegen. Verantwortlich dafür sind hierzulande zumeist libanesische Netzwerke.

    Es ist ein Kampf gegen Windmühlen: Angebot und Nachfrage für Kokain steigen in Deutschland stetig an, die Sicherheitsbehörden müssen ihre Strategien gegen Kokainschmuggel stetig anpassen. Gegenüber dem NDR bestätigte eine Sprecherin, dass sich das aktuelle Jahr 2019 zu einem besonderen Rekordjahr für die Beschlagnahmung von Kokain entwickelt habe: Waren es 2014 noch rund 1,5 Tonnen sichergestelltes Kokain in Deutschland, waren es im aktuell laufenden Jahr bereits mehr als zehn Tonnen.

    Von Südamerika nach Norddeutschland

    Die Dunkelziffer des im Umlauf befindlichen Kokains dürfte hierzulande noch weitaus höher liegen. Die Fahnder gehen davon aus, dass der Grund für die Steigerung eine hohe Verfügbarkeit in Südamerika ist. In den vergangenen Jahren konnten südamerikanische Kokain-Anbauer die Produktion deutlich steigern. Ihr bevorzugtes Ziel: Der europäische Drogenmarkt.

    Ein weiteres massives Problem sieht das Bundeskriminalamt in der deutlich wachsenden Gewaltbereitschaft auf dem Kokainmarkt. Dies schlage sich laut BKA auch in Tötungsdelikten und Mordanschlägen nieder. Auch gebe es mehr Bandenkriminalität und Revierkämpfe unter Drogendealern.

    Mehr Kriminalität, mehr Agressivität

    Besonders aktiv sind die Kokain-Schmuggler in den großen Überseehäfen in Norddeutschland. Ein großer Anteil der aktuellen Sicherstellungen geht auf die Containerhäfen in Hamburg und Bremerhaven zurück. Allein in Hamburg konnten in diesem Jahr zwei Großlieferungen abgefangen werden, die zusammen zwei Drittel der gesamten beschlagnahmten Menge ausmachten.

    Container mit Exportwaren in Hamburger Hafen
    © AP Photo / Matthias Schrader

    Damit nicht genug: Die Behörden gehen bei einem steigenden Angebot an Kokain auch von einer steigenden Nachfrage aus. Das BKA rechnet deshalb mit zunehmender Kriminalität und einem deutlich aggressiveren Vorgehen. Im Mittelpunkt der Kokain-Szene in Deutschland stehen insbesondere libanesische Netzwerke. Wie die amerikanische Drogenpolizei DEA gegenüber dem NDR mitteilte, würden libanesische Banden und Groß-Clans bis zu 50 Prozent des in Europa anfallenden Kokaingeldes waschen.

    Libanesen steuern Kokainmarkt Europas

    In einem ersten Schritt kaufen die zumeist aus dem Libanon gesteuerten Gruppen unter anderem Luxusuhren, Schmuck und Autos und verkaufen diese wiederum im Ausland. Die anschließenden Gewinne würden dann oftmals über libanesische Wechselstuben an die Kartelle in Südamerika zurücktransferiert. Laut Recherchen des NDR waren auch ein Geschäftsführer des Flughafens in Beirut und ein leitender Mitarbeiter der Flughafensicherheit in die Geldwäsche eingebunden. Beide seien bis heute im Amt. Das libanesische Innenministerium hat sich bisher nicht zu dem Fall geäußert.

    Wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten, arbeitet das BKA aktuell an einer verbesserten Strategie, um den internationalen Kokainhandel effektiver zu bekämpfen. Die Initiative geht demnach auf die Bitte mehrerer norddeutscher Landeskriminalämter zurück, die sich mit den Kokainschmugglern zunehmend konfrontiert sehen. Vom BKA hieß es, man stimme sich derzeit mit dem Zollkriminalamt und den Landeskriminalämtern „zum weiteren Vorgehen" ab.

    mjo

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    Tags:
    Kriminalität, Hamburg, Clans, Bundeskriminalamt (BKA), Südamerika, Libanon, Kokain, Drogen