13:59 16 Dezember 2019
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    Eine Originalausgabe von Mein Kampf mit Autogramm von Adolf Hitler

    130.000 Euro für „Mein Kampf“ und 50.000 Euro für Hitlers Zylinder: Nazi-Besitz unterm Hammer

    © AFP 2019 / FABRICE COFFRINI
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    Eva Brauns Cocktailkleider, Hitlers Zylinder, seine silberne Zigarren-Box sowie eine luxuriöse Buchausgabe aus dem Besitz von Hermann Göring sind in der Versteigerung: In München gehen am Mittwoch Nazi-Devotionalien an Meistbietende. Ein jüdischer Verband übte Kritik, Michael Wolfssohn sprach von „perverser Geschmacklosigkeit“.

    Im Münchner Auktionshaus „Hermann Historica“ kommen am Mittwoch etliche Nazi-Devotionalien unter den Hammer. Bei der Online-Auktion werden 842 Gegenstände versteigert, darunter viele persönliche Besitztümer ehemaliger Nazi-Größen: der Zylinder von Adolf Hitler aus seiner Privatwohnung am Prinzregentenplatz etwa ging bereits für 50.000 Euro an einen Bieter, ein Aschenbecher aus des Führers persönlichem Besitz brachte 6.400 Euro, ein Cocktail-Kleid von Eva Braun aus schwarzer Seide bekam für 4.600 Euro den Zuschlag und eine Luxusausgabe von „Mein Kampf“ aus dem Besitz von Hermann Göring ging für schlappe 130.000 Euro weg.

    Forderung nach Absage und eine Rechtfertigung

    Die Versteigerung sorgte bereits im Vorfeld für scharfe Kritik, mehrere Medien berichteten darüber. „Mit einigen Dingen sollte man einfach keinen Handel treiben“, schrieb Rabbi Menachem Margolin von der European Jewish Association (eja) in Brüssel in einem Brief an das Auktionshaus. Der Verband der Juden Europas forderte darin die Absage der Versteigerung.

    Der Geschäftsführer von Hermann Historica, Bernhard Pacher, wähnt sich zu Unrecht in der Kritik: „Der mit Abstand größte Teil der Kunden, der bei uns einkauft, sind Museen, staatliche Sammlungen und private Sammler, die sich wirklich akribisch mit dem Thema auseinandersetzen.“ Seit der Berichterstattung über den Brief der eja habe er mit zahlreichen E-Mails zu kämpfen, in denen er wüst beschimpft werde.

    Kontrollen und kommerzielle NS-Sensationsgier

    Es liege, sagt Pacher, nicht an seinem Auktionshaus, zu beurteilen, was Käufer mit Relikten aus der Nazi-Zeit machen. Doch: „Es liegt an uns, zu verhindern, dass es die falschen Leute kriegen.“ Strenge Kontrollen würden dies verhindern. Doch „dass der ein oder andere mit falscher Ideologie sich darunter mischt, ist praktisch nicht verhinderbar“, räumte er ein.

    Historiker und Publizist Michael Wolffsohn sprach im Deutschlandfunk von einer „perversen Geschmacklosigkeit“. Die Zusicherung des Auktionshauses, die Käufer genau zu überprüfen, reiche ihm nicht.

    Nazi-Devotionalien  - ein gutes Geschäft

    Das Münchner Auktionshaus war bereits in der Vergangenheit wegen seiner Versteigerungen von Nazi-Devotionalien in die Kritik geraten. 2016 etwa ging eine Uniformjacke von Adolf Hitler für 275 000 Euro an den Höchstbietenden, eine Unterhose Hermann Görings im Set kam für 3000 Euro unter den Hammer. Seinerzeit hatte auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter an das Unternehmen appeliert, die Auktion abzusagen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland bezeichnete die Auktion vor 3 Jahren als "widerlich" und die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hatte im Vorfeld sogar eine rechtliche Prüfung gefordert, inwieweit sich solche „kommerzielle Sensationsgier, das Geschäft mit dem Führer- und Nazikult“, juristisch verhindern lasse.

    Die Herkunft des Nazi-Versteigerungsgutes

    Zur Provenienz, also der Herunft der Gegenstände, gibt der Versteigerungskatalog des Münchener Auktionshauses teilweise recht detaillierte Auskunft: Der Zylinder Hitlers etwa stamme vom „Commanding Intelligence Officer of the District Greater Salzburg L. Frankenfield", der im Mai 1945 in der Nähe von Salzburg mehr als 40 Koffer mit persönlichen Gegenständen von Eva Braun, ihrer Schwester Gretl Braun-Fegelein und Hermann Fegelein beschlagnahmt hatte. In einem der Koffer mit Objekten von Eva Braun befand sich auch dieser Zylinder aus Hitlers Privatwohnung am Prinzregentenplatz, heißt es. Und der Luxusbuchband mit einem Verschluss mit dem handgearbeiteten Wappen Hermann Görings weist als Herkunft „´Befreit` durch Leutnant Layton Jones von der A Kompanie des 1269. Pionier-Bataillons" aus. Dazu gibt es einen handschriftlichen Bericht von Jones, in dem er beschreibt, wie seine Einheit die „Aladdin Höhle" entdeckte, das unterirdische Versteck, in dem Hermann Göring seine „Kriegsbeute" und sein persönliches Eigentum vor der US-Armee versteckte. Außerdem Dokumente, die zeigten, dass Leutnant Jones der rechtmäßige Eigentümer seiner „Soveniers" sei, welche vom US Zoll konfisziert und nach längerem Briefwechsel an ihn ausgehändigt wurden. Dazu eine Kopie des Zeitungsartikels darüber, wie Leutnant Jones "die Höhle" entdeckte und den Marschallstab Hermann Görings seinem Kommandeur übergibt.  

    Bieter auf NS-Besitz

    Zur aktuellen Versteigerung unter dem Titel „Deutsche Zeitgeschichte - Orden und Militaria ab 1919“ am Mittwoch würde nur hineingelassen, wer sich zuvor angemeldet habe. Während der Präsenzauktion können allerdings auch Gebote per Internet oder telefonisch abgegeben werden. So ging etwa „Gertraud "Traudl" Junges Continental-Schreibmaschine mit 4 mm Antiqua-Typen für Adolf Hitler" für 28.000 Euro an einen Bieter im Internet. Über die Identitäten der Bieter ist bislang nichts bekannt. Bei der letzten großen Auktion des Hauses hatte ein einziger Bieter 56 Stücke für rund 600.000 Euro gekauft - angeblich für ein Museum in Argentinien.      

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    Tags:
    Auktionen, Auktion, Versteigerung, München, Nazis, Hermann Göring, Hitler