17:41 10 Dezember 2019
SNA Radio
    Bug der Chicago nach dem Torpedotreffer

    Stolz ist die falsche Strategie: Die schwersten Desaster der US Navy

    © Foto : U.S. Navy / Wikimedia Commons /Public Domain
    Panorama
    Zum Kurzlink
    51146
    Abonnieren

    Siege verführen zu Übermut, Fehlschläge führen auf den Boden der Tatsachen zurück. Das Portal „The National Interest“ zeigt die schlimmsten Niederlagen der US Navy (ohne Pearl Harbor).

    Schließlich haben Misserfolge auch etwas Gutes – wenn man daraus lernt.

    Ironbottom Sound

    Die Schlacht vor Savo Island (9. August 1942) war „vermutlich die schlimmste Niederlage“, die die US Navy „je in einem fairen Kampf“ erlitten hat. So hat laut dem Portal der Militärhistoriker Samuel Eliot Morison das Seegefecht beschrieben, das für die amerikanische Marine zum Fiasko wurde.

    Am Anfang war ein Spezialeinsatz. Die US Marines waren auf den Inseln Guadalcanal und Tulagi (auf den Solomonen) gelandet, um die japanischen Streitkräfte zu vertreiben, die dort gerade einen Flugplatz errichteten. Der Stützpunkt hätte auch dazu genutzt werden können, die Luft- und Seewege zwischen Nordamerika und Australien zu kappen.

    Admiral Mikawa Gnuchi führte in der Nacht des 8. August einen Verband aus der Marinebasis Rabaul runter an das Ende der Solomonen-Kette. Die US-Einheiten zu zerschlagen, die auf Guadalcanal anlandeten, war sein Auftrag.

    HMAS Canberra im Hafen Brisbane (Archivbild)
    HMAS Canberra im Hafen Brisbane (Archivbild)

    Die Befehlshaber der Navy unterschätzten die Gefahr: Sie hatten ihre Kreuzer und Zerstörer in vier Gruppen aufgeteilt mit dem Zweck, die Einfahrt in den Ironbottom Sound zu versperren (die Passage zwischen Guadalcanal, den Savo und den Florida Islands). Geballt wären die Einheiten stärker gewesen, doch zu einer Wachpostenkette aufgegliedert, waren die Schiffe jederzeit angreifbar. Außerdem war die Kaiserliche Japanische Marine im Unterschied zur US Navy von 1942 hervorragend auf Nachteinsätze vorbereitet, schreibt „The National Interest“.

    Der nächtliche Einschlag des stark konzentrierten Geschwaders von Mikawa in die dünne Kette der gegnerischen Flotte glich einem Amoklauf, so das Portal: Vier (der sechs entsandten) Kreuzer lagen auf dem Meeresgrund, zwei Zerstörer waren beschädigt, 1077 Seeleute tot. Wahrlich ein „Ironbottom Sound“ („Eisengrund Sund“).

    Für die US Navy bedeutete die Katastrophe einen Sinneswandel: Die amerikanischen Befehlshaber lernten, ihre Gegner ernst zu nehmen, besonders bei Kämpfen in der Nacht. Die Kommunikation und die Luftaufklärung wurden verbessert, um bei künftigen Schlachten rechtzeitig vorbereitet zu sein. Sogar der Brandschutz der Schiffe wurde überarbeitet, um Schäden während des Gefechts in Grenzen zu halten.

    Der Unabhängigkeitskrieg

    Dass ein Kombattant eine selbstständige Flotte braucht, um einen Gegner mit starker Marine zu schlagen, zeigt eindrücklich der Kampf um die Unabhängigkeit, so das Portal. Der Unabhängigkeitskrieg zeigt auch, dass eine Armee einfacher und schneller aufzubauen ist als eine Marine.

    Sicher, die Kolonialisten hatten auch unter Seeleuten Lichtgestalten, schreibt „The National Interest“. Aber persönliches Heldentum ersetzt keine Flotte: die mussten die Kolonialisten sich von Frankreich borgen, um in der Endschlacht bei Yorkshire schließlich die Unabhängigkeit zu erlangen. Kein Geringerer als George Washington sprach von der Wichtigkeit einer klaren Überlegenheit zur See im Kampf gegen eine See- und Landmacht wie Großbritannien.

    Washingtons geschickte Allianz-Diplomatie verhalf den Kolonialisten zum Sieg, doch die Lehre aus dem Unabhängigkeitskrieg blieb: Will ein Land eine unabhängige Außenpolitik betreiben, braucht es eine seinen nationalen Zielen angemessene Flotte. Auf geliehene Seestreitkräfte und seltsame Allianzen ist nicht immer verlass, so das Portal. Autarkie ist weise.

    Schmach auf See

    Wie weise, zeigt die nächste Episode: Ein wahrlich unfaires Seegefecht, das hätte fairer sein können, schreibt „The National Interest“. Der Kongress verachtete die weise Mahnung Washingtons und verweigerte der amerikanischen Marine eine Finanzierung, die deren Zweck angemessen wäre – nämlich: die Küsten Amerikas zu schützen, Seeblockaden abzuwehren und den US-Diplomaten als schlagkräftiges Argument zu dienen, so das Portal.

    Die brennende Quincy im Scheinwerferlicht der japanischen Kreuzer
    Die brennende Quincy im Scheinwerferlicht der japanischen Kreuzer

    Auf die falsche Entscheidung der Kongressabgeordneten folgte eine taktische Niederlage von größter Erniedrigung: 1807, an der Küste von Norfolk (Virginia) ergab sich die amerikanische Fregatte USS „Chesapeake“ an das britische Schlachtschiff HMS „Leopard“, nachdem sie nur einmal (sprich: mit nur einem Schuss) beschossen worden war!

    Eine Kriegsflotte von etwa 20 Schiffen je 74 Geschützen hätte doch gereicht, um die Küstengewässer Amerikas zu beherrschen. Diese Flotte nicht zu bauen, war einer der schwersten Fehler der frühen amerikanischen Republik, so das Portal.

    Zwar wäre diese Flotte der Royal Navy insgesamt unterlegen gewesen, hätte aber völlig ausgereicht, um die Verbindung zwischen den Britischen Inseln und der Südsee abzuschneiden. Global unterlegen, lokal überlegen.

    Zumindest hätte eine US Navy von dieser Stäke die britische Seeblockade verhindern können, die den amerikanischen Seehandel 1814 zum Erliegen brachte. Anstelle dessen musste Amerika auf erniedrigende Weise lernen, wie man besser nicht verfährt im Bereich maritimer Strategie.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Warum wurde der in Berlin ermordete Georgier trotz Moskaus Gesuchen nicht ausgeliefert? – Interview
    Angriff auf Normandie-Befriedung und eigenes LNG: Deutsche Wirtschaft rechnet mit US-Sanktionen ab
    „Ist das fair? Es ist Willkür!“ – Deutscher Sportrechtler zum Ausschluss Russlands
    Tags:
    Australien, Zweiter Weltkrieg, Japan, US-Kongress, U.S. Navy, USA