13:53 16 Dezember 2019
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    OPCW-Hauptstandort in den Haag (Archiv)

    Mutmaßlicher Giftgasangriff in Syrien: WikiLeaks spricht von Lücken im OPCW-Bericht

    © AP Photo / Peter Dejong
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    Nach dem angeblichen C-Waffen-Angriff auf die syrische Stadt Duma im April 2018 hatten OPCW-Ermittler in einem im März 2019 veröffentlichten Bericht den Einsatz von Chlorgas dokumentiert. Die Enthüllungsplattform WikiLeaks stellt die Untersuchungsergebnisse in Frage und beruft sich dabei auf eine Mail eines beteiligten Ermittlers.

    In der überarbeiteten vorläufigen Fassung des Berichts seien die vor Ort nachgewiesenen Fakten verfälscht worden, schreibt die Organisation. Die Darstellung basiert laut dem zitierten OPCW-Whistleblower auf einem selektiven Auslassen gewisser Einzelheiten. Diese Verdrehung der Tatsachen unterminiere die Glaubwürdigkeit des Berichts. Auch die entscheidenden Fakten, die in der überarbeiteten Version erhalten geblieben sind, „(...) haben sich in etwas ganz Anderes verwandelt als ursprünglich entworfen”.

    Der mutmaßliche Angriff wurde weitgehend der syrischen Armee zugeschrieben. Die Annahme stützte sich auf Berichte von Rebellen, die sich zu dieser Zeit in Duma aufhielten. Die Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs stellten sich hinter die Behauptung und reagierten mit Luftangriffen gegen syrische Ziele am 14. April 2018.

    Die Fahnder stellten fest, dass ein Großteil der physischen Beweise, einschließlich der menschlichen Körper, zum Zeitpunkt ihrer Ankunft nicht mehr verfügbar war.

    Man behauptete, 49 Menschen seien gestorben. Bis zu 650 weitere seien mit einem Gas vergiftet worden. Die Rebellen berichteten laut Medien offenbar in Anspielung auf die Überlegenheit der syrischen Armee in der Luft, dass die Gas-Zylinder aus Flugzeugen abgeworfen worden seien.

    „Abweichung vom Originalbericht”

    Diese Annahme wurde im überarbeiteten OPCW-Bericht anscheinend unterstützt. Der Insider hält einige Aspekte für „besonders besorgniserregend”.

    In dem OPCW-Bericht wurden jegliche Nachweise für das Vorhandensein von „Chlor oder einer anderen reaktiven chlorhaltigen Chemikalie“ aufgeführt. Im ursprünglichen Text soll betont worden sein, dass es nicht genügend Beweise gab, um dies zu bestätigen. Dies sei „eine große Abweichung vom Originalbericht”, so der Ermittler.

    Videoaufnahmen der Opfer

    Als Beweis für den mutmaßlichen Giftgasanschlag in Duma wurde ein Video veröffentlicht, das die Opfer in einem Krankenhaus zeigen soll. Die Symptome stimmten jedoch nicht mit dem überein, was Augenzeugen gemeldet hatten. Eine ausführliche Erörterung wurde in der überarbeiteten Version des OPCW-Berichts unterlassen.

    In der E-Mail heißt es dazu:

    „Das Weglassen dieses Abschnitts des Berichts (einschließlich der Epidemiologie, die vollständig entfernt wurde) belastet den Bericht schwer, da dieser Abschnitt in untrennbarer Verbindung zu dem identifizierten chemischen Stoff steht (…). In diesem Fall ist das Vertrauen in die Identifizierung von Chlor oder irgendeinem anderen Erstickungsmittel genau wegen der fehlenden Übereinstimmung mit den Berichteten und beobachteten Symptomen fragwürdig. Der Widerspruch wurde nicht nur vom Ermittlungsmissionsteam festgestellt, sondern auch nachdrücklich von drei Toxikologen mit Expertenerfahrung in Bezug auf Belastung durch chemische Kampfstoffe unterstützt.“

    OPCW-Bericht und Hintergründe

    Am 1. März hatte die OPCW den Abschlussbericht zu dem Vorfall in der Stadt Duma in Ostghouta veröffentlicht, in dem sie behauptet, dass bei dem Angriff eine „toxische chemische Substanz (…), offenbar Chlor“ eingesetzt worden sei.

    Im April 2018 hatten Medien einen Giftgasangriff in Duma gemeldet. Westliche Staaten machten daraufhin die syrische Regierung dafür verantwortlich. Als Beweis zeigte die Organisation „Weißhelme“ Aufnahmen, die angeblich Duma-Bewohner zeigen, darunter auch Kinder, die von Ärzten nach der Giftgas-Attacke versorgt werden.

    jeg/sb

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    Tags:
    WikiLeaks, Bericht, OPCW, Syrien, Duma