07:37 11 Dezember 2019
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    Klimaaktivistin Greta Thunberg

    Thunberg „wie Hitler“? Zeitung manipuliert Dieter Nuhrs Greta-Kritik und muss sich entschuldigen

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    Nach dem heftigen Shitstorm gegen den Kabarettisten Dieter Nuhr hat sich der Chefredakteur der „Kieler Nachrichten“, Christian Longardt, nun für ein Missverständnis entschuldigt. Nuhr hatte Thunberg zwar hart kritisiert, soll sie aber nicht „mit den Diktatoren Hitler und Stalin“ verglichen haben. Nuhr bemängelt weiter „Reichweiten“-Journalismus.

    Es habe missverständliche Formulierungen in der Rezension gegeben, schreiben die „Kieler Nachrichten“ („KN“) am Dienstagabend und zitieren ihren Chefredakteur Christian Longardt: „Wir bedauern dies sehr und entschuldigen uns an dieser Stelle bei Nieter Nuhr.“ Man habe sich daher entschieden, die Rezension zu löschen. Die Äußerungen Nuhrs über den Klimawandel seien „unglücklich wiedergegeben“ worden. 

    ​„Es gab keine ‘missverständlichen Formulierungen’. Es gab falsche Behauptungen“, kontert darauf der Nutzer Thomas Eschenbach und bringt den Kern der Diskussion. Wegen der Rezension der „KN“ unter dem Titel „Nuhr schießt erneut gegen Greta Thunberg“ wurde in den letzten Tagen heiß diskutiert, ob der ARD-Moderator in seinem Programm „Kein Scherz!“ die schwedische Klimaaktivistin tatsächlich mit Diktatoren verglichen hatte.

    Das Redaktionsnetzwerk Deutschland schrieb in einem Artikel über den Auftritt Nuhrs in Kiel, der sich auf den von den „Kieler Nachrichten“ bereits gelöschten Text bezieht, wie folgt: „An dem Abend soll er sie ‘mit Hitler und Stalin verglichen’ haben“. Auch die Überschrift des bereits vollkommen umgeschriebenen Artikels hieß zuvor: „Comedian: Dieter Nuhr vergleicht Greta Thunberg mit Hitler und Stalin“. Nuhr soll dagegen nur gefragt haben: „Aber was sind schon Menschenleben, wenn es um die große Sache geht?“ Hitler oder Stalin erwähnte er dabei offenbar nicht.

    Im Internet jedoch wurde der Vergleich sofort als Fakt wahrgenommen.

    „Und das nächste Mal vergleicht Herr Nuhr das Pariser Abkommen mit dem Hitler-Stalin-Pakt. Passend dazu trägt er einen dekorativen Aluhut“, schrieb etwa der Nutzer Peter Nagel auf Twitter.

     Manche fragten den Sender etwa, wann man „diesen unglaublich dümmlichen Kasper endlich aus dem Programm schmeißt“.

    ​Nachdem das Missverständnis bekannt wurde, nahmen einige Nuhr in Schutz. „Der #Nuhr Shitstorm ist ein schönes Beispiel dafür, was man alles mit #FakeNews auslösen kann. Erfundene Nachrichten zielen auf eine latente Empörungsbereitschaft. Die Mechanik funktioniert bei Rechten wie bei Linken“, kommentierte unter anderem der Nutzer Armin Sieber. 

    ​In einem längeren Facebook-Post hatte Nuhr zuvor den „Kieler Nachrichten“ vorgeworfen, „gezielte Falschinformationen“ zu verbreiten. Anders als von KN-Online und dem RND berichtet, habe er Greta „nicht mit der Ideologie Hitlers oder Stalins in Verbindung gebracht“. Andere Zeitungen würden laut die Falschinformationen kritiklos abscheiben, so Nuhr. „Auch Ihnen ist offensichtlich die Reichweite im Netz wichtiger als verantwortungsvoller Journalismus. Es ist kein Wunder, dass solche Medien in der Bevölkerung dramatisch an Vertrauen verlieren.“

    Der ARD-Moderator gilt dabei längst als ein umstrittener Kritiker der Klimarettungsbewegung Fridays For Future. Bei einem Auftritt in Erfurt hatte er kürzlich dafür plädiert, dass „reale Lösungen für den Klimawandel“ gefunden werden sollten. Denn Gretas „Radikalität“ würde mehr Menschen in Gefahr bringen als sie retten könne, so der Komiker. Ende September scherzte er, im Kinderzimmer seiner Tochter nicht mehr heizen zu wollen, sollte sie auch zu den Freitagsdemonstrationen gehen – und erntete einen Shitstorm.

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    Tags:
    Dieter Nuhr, Kabarettist, ZDF, ARD, Greta Thunberg