20:29 14 Dezember 2019
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    Bunker (Symbolbild)

    Bunker-Boom: So wappnen sich Amerikaner gegen Anarchie und Bürgerkrieg

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    In Amerika wächst die Zahl der so genannten Prepper, die im großen Stil Bunker bauen, als wäre die Zeit des Kalten Krieges zurückgekehrt – sie glauben an eine Apokalypse und machen sich auf eine schreckliche Zukunft gefasst.

    Wegen solcher Phobien ist ein neuer Industriezweig entstanden – die Bunker-Produktion boomt. Warum die Betonunterkünfte genauso populär wie in den Jahren der Konfrontation mit der Sowjetunion geworden sind, erklärt Alexej Braschnikow, Autor des Dokumentarfilms „Katastrophe überleben“.

    „Neun Mahlzeiten bis zur Anarchie“

    Ron Hubbard hat zwei Betriebe, in denen Bunker gebaut werden – in Kalifornien und Texas. Millionäre aus dem Silicon Valley investieren schon seit längerer Zeit in Unterkunftsstollen, und gerade deshalb wurde der erste Betrieb in Kalifornien eröffnet. Aber in den letzten Jahren wächst die Nachfrage nach Bunkern auch unter den einfachen Amerikanern, und deshalb musste Hubbard noch eine Fabrik unweit von Dallas bauen – übrigens die größte weltweit.

    Die Bunker werden aus Stahl gebaut. Die Größe und Wandstärke hängen von den Wünschen des Bestellers ab – und von der Geldbörse.

    Der stärkste Stahl wird übrigens nach Ron Hubbards Meinung in Russland hergestellt. Solcher wird meistens bei elitären Projekten verwendet. Besitzer von Bunkern graben sie entweder unweit von ihren Häusern mit einem separaten Eingang oder unmittelbar unter den Häusern ein. Viele bevorzugen eine eben solche Variante, denn ein solcher Bunker kann in Friedenszeiten als Keller genutzt werden.

    Der preisgünstigste „Bunker des Jüngsten Gerichts“ ist zehn mal drei Meter groß, mindestens sechs Meter tief – und etwa 35 000 Dollar teuer.

    „Ich bin 57 Jahre alt und habe noch nie und in keinem anderen Land eine solche Spaltung gesehen, wie jetzt in Amerika. Die Situation ist dermaßen ernst, dass Menschen Bunker kaufen, um ihre Familien vor Ungewissheit zu retten“, sagte Ron Hubbard. „Niemand versteht, in welche Richtung sich das Land bewegt. Niemand weiß, wie Amerika in zehn Jahren ist.“

    Der Unternehmer sieht die sozialen Spannungen von Tag zu Tag zunehmen. Der Konflikt zwischen Demokraten und Konservativen, zwischen Armen und Reichen, zwischen gut ausgebildeten Menschen und solchen Mitbürgern, die keine besonders guten Lebensaussichten haben ist nach seiner Auffassung dermaßen scharf, dass das Land irgendwann unbedingt von Massenunruhen und sogar einem Bürgerkrieg erfasst werden und im Chaos versinken wird.

    Große Bundesstaaten wie Kalifornien oder Texas könnten sich von den Vereinigten Staaten abspalten, weil sie eigenständig seien und im Grunde den größten Teil des Landes unterhielten. Viele Einwohner von Kalifornien und von Texas lassen sich das nicht gefallen. Und dem Zerfall des Staates wird Hubbard zufolge das folgen, wovor man sich eben nur in einem Bunker verstecken könnte.

    „In den USA sagt man: ‚Wir befinden uns neun Mahlzeiten vor Anarchie‘. Das bedeutet: Wenn Sie einen Amerikaner drei Tage lang nicht ernähren, wird er Sie für Essen umbringen“, so Hubbard.

    Nibiru und die Nachbarn

    Roberta Griffin und Fernando Muños sind um die 60 Jahre alt. Sie leben in einem winzigen Dorf irgendwo in New Mexico. Die nächste Großstadt liegt mehr als eine Fahrstunde entfernt. Auf den ersten Blick hat das Paar nichts zu befürchten. Roberta ist allerdings geteilter Meinung.

    „Auf uns fliegt ein Planet zu. Er hat sein eigenes Sonnensystem. Er liegt aktuell hinter der Sonne. Der Planet heißt Nibiru. Er soll zwischen uns und der Sonne fliegen, und stellen Sie sich einmal vor, dass noch ein Planet entsteht, der genauso groß wie die Erde ist. Es werden Tsunamis, Erdbeben und Vulkaneruptionen beginnen. Die Erdachse wird sich verschieben. Darunter werden alle sehr leiden. Und das kann in jedem Moment passieren. Mein Mann glaubt nicht daran, ich aber schon. Er sagt, ich sei verrückt“, erzählte Roberta ganz emotional.

    Früher hat das Paar in Kalifornien gelebt, zog aber vor einigen Jahren nach New Mexico – möglichst weit weg von der Hektik und den hohen Preisen. Billige Mietpreise und ein ruhiges Leben waren die wichtigsten Argumente für Fernando. Seine Frau hatte aber andere Überlegungen – ihr ganzes Waffenarsenal zu Hause war ihr nicht genug, und deshalb hat sie ihre ganzen Ersparnisse in einen kleinen Bunker gesteckt – von Ron Hubbard.

    Ihre neue Unterkunft für den „Fall der Fälle“ hat sich das Paar 120 000 Dollar kosten lassen – das ist fast genauso viel wie ihr Haus samt dem Grundstück kostet. Weiter 7000 Dollar gab Roberta für Lebensmittelvorräte aus, die ihr und ihrem Gatten für mehrere Jahre reichen sollten. Jetzt fühlt sie sich viel ruhiger und steigt ziemlich oft in den Bunker hinunter – um einfach ganz allein zu bleiben und sich zu entspannen.

    „Das ist meine Höhle. Hier herrscht das ganze Jahr dieselbe Temperatur – es ist hier weder kalt noch heiß. Und es ist hier ganz still – ich höre nicht einmal Mücken oder Fliegen. Eine solche Stille gibt es nirgendwo sonst“, so Roberta Griffin.

    Allerdings fürchtet sie nicht nur den Planeten Nibiru, sondern auch viele andere Dinge: die immer strengere Staatskontrolle oder auch Trainingslager von islamistischen Terroristen. Aber am meisten hat die Frau vor ihren Nachbarn Angst. Denn sie haben keinen eigenen Bunker, und sie weiß nach ihren Worten nicht, was sie von ihnen im Falle einer Katastrophe zu erwarten hat.

    Unterirdischer Palast in Kansas

    Larry Hall hat sich auf dem Bunkermarkt auf den Luxussektor spezialisiert. Er war einer der ersten, die an den Bunkerbau als aussichtsreiche Geschäftsidee glaubten. 2008 kaufte er ein ehemaliges Militärobjekt im Bundesstaat Kansas – einen riesigen Schacht für eine nukleare Interkontinentalrakete des Typs Atlas-F.

    Dieser Silo war in den 1960er-Jahren gebaut worden. Larry Hall steckte etwa 20 Millionen Dollar in seinen Umbau, aber jetzt ist das wohl der schickste und sicherste Bunker in der ganzen Welt. Der unterirdische Komplex zählt insgesamt 15 Stockwerke. Dabei glaubt der Hausherr, an jede Kleinigkeit gedacht zu haben.

    Neben riesigen Lebensmittelvorräten sowie modernsten Luft- und Wasserfiltern gibt es dort eine Klinik, eine Sporthalle, ein Schwimmbecken, eine Bibliothek, ein Filmtheater, einen Schießstand und sogar eine Gemüsefarm. Zwar kostet die billigste Wohnung etwa anderthalb Millionen Dollar, aber die Nachfrage nach solchen Objekten wird immer größer. Aktuell baut Larry noch ein ähnliches Objekt, das aber dreimal größer ist. Dort wird es noch einen Golf- und einen Bowlingklub geben.

    „Ich bin der Auffassung, dass man sich nur auf sich selbst und nicht auf die Regierung verlassen kann, wenn es um Sicherheit geht. Andernfalls könnte Ihre Familie sterben. Sie glauben, die Regierung würde sich um Sie kümmern. Aber wenn Sie sich selbst darauf gefasst machen, wird die Hilfe des Staates Ihr Plan B sein“, glaubt Larry Hall.

    Immer mehr Amerikaner verstehen das, findet er. Deshalb wollen sie möglichst unabhängig vom Staat werden, selbst wenn sie kein Geld für einen eigenen Bunker haben. Menschen lernen, Obst und Gemüse anzubauen, sparen Strom, interessieren sich für Überlebenskunst in Notsituationen. Dieser Trend nehme zu, so Larry Hall.

    Die größte Überlebensgemeinschaft

    Milton Torres stammt aus Puerto Rico, war US-Soldat, Beamter in Chicago, wurde jedoch enttäuscht von diesem Leben. Am Ende hat er hingeschmissen und ist in einen 200 Quadratmeter großen Stahlbetonbunker in South Dakota gezogen.

    Hier gibt es insgesamt 575 solche Bunker, die noch während des Zweiten Weltkriegs als Bombendepot gebaut worden waren. Nach dem Krieg wurden in einigen von ihnen Kuhställe eingerichtet, und inzwischen gehören sie alle einem „Bunker-Mogul“. Hier können eventuell bis zu 10 000 Menschen untergebracht werden. Jeder Bunker kostet 35 000 Dollar, ohne Wasser- und Stromanschluss und jegliche Innenraumausstattung.

    Milton Torres hat sein ganzes Geld dafür ausgegeben, ist in einen solchen absolut leeren Bunker gezogen und bemüht sich jetzt um seine Innenausstattung. Er lebt als Veteran von seiner Pension und bekommt zudem Hilfe von seiner Freundin aus Chicago. Milton hofft, dass die neue Unterkunft für seine Frau und die 13-jährige Tochter bald fertig ist. Das ist aus seiner Sicht sinnvoller als die Arbeit für die Regierung, Hypothekarkredit und Großstadthektik, besonders wenn man bedenkt, dass Großstädte gefährlich werden könnten, „wenn alles beginnt“. Milton Torres ist überzeugt: Der Regierung kann man nicht vertrauen, und zwar nicht nur wenn es um seine persönliche Sicherheit geht.

    „Man lügt uns unser ganzes Leben lang an. Unsere Eltern und Großeltern – naja, es geht einfach immer weiter. Ich gebe mir Mühe, den Menschen die Augen zu öffnen, indem ich ihnen sage: Die Regierung wird euch nicht beschützen. Ich glaube nicht, dass ein Atomkrieg auf uns zukommt. Das wird man nicht zulassen, aber es wird unbedingt irgendein anderes großes Ereignis passieren, ein neuer ‚Neustart‘. Es kommt ein Übergang, ein Chaos vor einem wunderschönen neuen Kapitel unserer Evolution.“

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    Tags:
    Bau, Bombenbunker, Bunker, Weltuntergang, USA