13:37 16 Dezember 2019
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    ARD-Hauptstudio in Berlin (Archivbild)

    „Trau dich – steig aus!“: AfD sagt Mainstream-Medien den Kampf an

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    AfD-Abgeordnete haben am Donnerstag ein Melde-Portal für Mainstream-Journalisten präsentiert, die laut den Initiatoren „von Fake News, Manipulation und einseitiger Berichterstattung genug haben“. Vorbild sollen ähnliche Portale in den USA und in Großbritannien sein.

    Auf der Website unter www.mainstream-aussteiger.de heißt es wörtlich: „Sind Sie Journalist geworden, weil ihnen die Wahrheit und die unabhängige Information der Bürger am Herzen liegen? Haben Sie die Nase voll von befristeten Verträgen und Stellenstreichungen? Wollen Sie wieder in den Spiegel schauen können, ohne dabei Georg Restle und Anja Reschke zu sehen? Dokumentieren Sie mit uns die schlimmsten Lügen und Manipulationen der Haltungsredaktionen.”

    Verantwortlich für die Website sind die AfD-Bundestagsabgeordneten Petr Bystron, Nicole Höchst, Udo Hemmelgarn und Uwe Schulz. Unterstützt werde die Initiative von den AfD-Politikern Martin Renner (Medienpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion), Udo Stein (MdL Baden-Württemberg), Thomas Erhorn (MdB), Markus Frohnmeier (MdB) und Joachim Paul (MdL Rheinland-Pfalz).

    Der „Deutschland.Kurier“ hat den Aufruf des Teams von Petr Bystron veröffentlicht, in dem es heißt, dass das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wankt:

    „Programmatische Armut und politische Meinungseinfalt führten in den letzten Jahren dazu, dass immer weniger Bürger das Programm der öffentlich-rechtlichen Anstalten sehen und finanzieren wollen“.

    Dem Artikel nach fand auch  ein Studie des Reuters Institute for the Study of Journalism der Oxford University kürzlich heraus, dass die öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland von allen öffentlichen Anstalten in Europa (bis auf Griechenland) das am weitesten links ausgerichtete Publikum bedienen. Konservative Zuschauer werden von ARD und ZDF praktisch gar nicht mehr bedient.

    Der journalistische Qualitätsgrundsatz, aus neutraler Sicht sachlich zu berichten, wird in rund der Hälfte der Berichterstattungen nicht durchgehalten. Insbesondere die Art und Weise, wie über die Positionierung eines Politikers berichtet wird, ist oftmals wertend und beurteilend, bei Vertretern der Opposition mitunter auch „von oben herab“, heißt es weiter.

    Verrat am Zuschauer

    Viel schlimmer wiege aber der Verrat am Zuschauer. „Denn wer bewusst die Hälfte des Publikums vor den Kopf stößt, muss sich nicht wundern, wenn – wie das Reuters Insitute ebenfalls festgestellt hat – die öffentlichen Medien ‚Schwierigkeiten haben, ihr Publikum zu erreichen‘ und gerade die junge Generation, die mittlerweile wie bei der Thüringen-Wahl oft konservativer und regierungskritischer sind als die Alt-68er dies wahrhaben wollen – zu Netflix und zu jungen YouTubern wie Bestseller-Autor ‚NeverForgetNiki‘ abwandern.“

    Die AfD habe diesen Weg der Auseinandersetzung nicht gewollt, heißt es weiter vonseiten der Initiatoren. Eine sachliche und faire Berichterstattung wäre ihnen viel lieber gewesen. „Die meisten der ARD/ZDF-Mitarbeiter sind vermutlich ehrliche, anständige Menschen, die diesen Beruf gewählt haben, weil sie ordentlichen Journalismus, gutes Fernsehen und Radio für die Bürger machen wollten – nicht für Correctiv, Ralf Stegner und Anetta Kahane. Viele sind enttäuscht und frustriert über die Wendung, die der öffentlich-rechtliche Apparat genommen hat, und machen sich ernsthafte Sorgen um ihre Zukunft“, so die AfD-Abgeordneten.

    „Die AfD ist nicht Ihr Feind. Wir würden gerne zu einem ehrlichen, respektvollen Umgang miteinander zurückfinden, und einen für alle akzeptablen Weg finden, die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu sichern. Gleichzeitig interessieren wir uns für die Vorgänge und Stimmungen innerhalb der Sender, die diese fatale Entwicklung erst möglich gemacht haben“, so die Initiatoren weiter.

    Kritik an der Initiative

    Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) übt Kritik an der neuen AfD-Aktion. Er wertet das „Aussteiger-Programm“ als „Provokation gegen den kritischen Journalismus“.

    „Der Versuch, Journalistinnen und Journalisten lächerlich zu machen, passt zum Kurs der Partei, kritische Berichterstatter zu beleidigen und zu diffamieren, wo es nur geht“, sagt der DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall. „Die Missachtung von Journalisten und permanente Verstöße gegen die Pressefreiheit gehören zur DNA dieser Partei“, so Überall weiter.

    Der  Web-Hoster Jimdo, auf dessen Servern die AfD-Seite “für Mainstream-Aussteiger” offenbar gehostet war, hat diese Seite nach eigenen Angaben gelöscht, da die Seite gegen “Richtlinien und Werte” des Unternehmens verstoße und zu antidemokratischem Handeln aufrufe. Die Seite war dann zwischenzeitlich aber weiter über den Dienst Archive.Today, der Backups von Websites bereitstellt, aufrufbar. Mittlerweile wird die Seite offenbar bei einem anderen Dienstleister gehostet.

    sm/gs

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    Tags:
    AfD, Fake-News, Mainstream