07:04 11 Dezember 2019
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    Polizei vor dem Residenzschloss in Dresden am 27. November 2019

    Das Schicksal der Juwelen: Kunsthistoriker vermutet das Schlimmste für Dresdner Diebesgut

    © AFP 2019 / DPA / ROBERT MICHAEL
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    Viele Spekulationen über das Schicksal der gestohlenen Schmuckstücke des Grünen Gewölbes in Dresden wurden bisher in den Raum gestellt. Wenn auch eine kleine Hoffnung auf eine heile Wiederkehr der Objekte besteht, sieht der Kunsthistoriker Bruno Klein das pessimistisch. In einem Exklusivinterview hat Sputnik mit ihm über das Diebesgut geredet.

    Seit dem Diebstahl am Montag im Dresdner Grünen Gewölbe ist noch nichts Eindeutiges über die Verbrecher bekannt. Die Dresdner Polizei hat am Donnerstag eine Belohnung von 500.000 Euro für Hinweise zur Tat ausgeschrieben. Je länger die Objekte spurlos verschollen bleiben, desto mehr Spekulationen über ihr Schicksal gehen damit einher.

    Der Kunsthistoriker und Professor an der Technischen Universität Dresden, Bruno Klein, hebt die Wichtigkeit der verlorenen Stücke hervor. Es sei nicht nur der künstlerische Wert, sondern ein Teil der sächsischen Identität, der gestohlen worden sei. „Man fühlt sich persönlich beraubt und ignoriert“, gibt Klein zu. Außerdem wäre nun ein Teil eines zusammengehörenden Inventars verschwunden:

    „Das sind Garnituren, die der Kurfürst und die Kurfürstin trugen (...). Diese Stücke wirken in ihrer Gesamtheit. Jetzt ist aus dieser Gesamtheit etwas herausgerissen worden. (...) Man spürt immer diese Leerstelle.“

    Was passiert mit den Objekten?

    Nach allen bisherigen Informationen; die über den Raub bekannt seien, scheine ein Auftragsdiebstahl eher unwahrscheinlich, so Klein. Er begründet dies damit, dass der Sammler den Dieben spezifische Objekte genannt hätte, die sie stehlen sollten. Da mit so einer Brutalität vorgegangen sei und die Verbrecher alles genommen hätten, was ihnen in die Hände gefallen sei, erscheine dies jedoch nicht plausibel. „Hier ist der Wert der Stücke überhaupt nicht geachtet worden“, erklärt Klein.

    Ein aus dem Grünen Gewölbe gestohlenen Kunstobjekt
    © REUTERS / Polizeidirektion Dresden / Handout
    Der wohl wahrscheinlichste Grund für den Diebstahl sei der rein materielle Wert der Diamanten. Dirk Syndram, Direktor des Museums, betont in einem Interview mit dem Mitteldeutschen Rundfunk Sachsen den speziellen Schliff der Diamanten. Dieser könnte zur Identifikation der Schmuckstücke dienen. Der Kunsthistoriker Bruno Klein sieht das jedoch mit Skepsis. So könnten die Täter, je nach Größe dieses kriminellen Netzwerkes, die Steine einfach „umschleifen“.

    Ob es eine Hoffnung auf das Wiedersehen dieser Steine gebe, sehe Klein als „reine Spekulation“. Durch die Brutalität der Tat, besteht laut Klein aber eine klare Tendenz: "Die Erfahrung der letzten Jahre ist die, dass Stücke oft nach Jahrzehnten wieder zurückkommen. Hier in diesem Fall bin ich leider sehr pessimistisch, weil es einfach darum ging, dass rein materiell Diamanten geklaut werden sollten."

    Die Rolle der Medien

    In den letzten Tagen waren sämtliche Medien voll mit Mitteilungen über den Kunstdiebstahl im Grünen Gewölbe. Dies scheint auch seine Richtigkeit zu haben. Klein zufolge haben die Medien zentrale Aufgaben, mit denen sie den Verkauf an unwissende Dritte stoppen könnten:

    „Den Medien kommt zumindest die Aufgabe zu, über den Raub zu berichten und die Bilder der geraubten Stücke bekannt zu machen, damit niemand so etwas aus Versehen kaufen kann.“

    Klein betont jedoch auch, dass diese Stücke so exzeptionell seien, dass dies sogar einem Laien auffallen würde.

    Das Interview mit Bruno Klein zum Nachhören:

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