13:45 16 Dezember 2019
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    Ungarn verzichtet auf Teilnahme: Eurovision „zu schwul“? Regierungssprecher sagt „Fake News!“

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    Ungarn hat seine Teilnahme am Eurovision Song Contest (ESC) abgesagt. Die staatliche ungarische Medienholding MTVA begründete diesen Schritt mit einer fachlichen Entscheidung. Außerdem sprach sie sich gegen jegliche Form von Diskriminierung aus und wies damit den Homophobie-Vorwurf gegen Ungarn zurück.

    MTVA begründete die Nichtteilnahme am ESC damit, dass man „stattdessen die Talente der ungarischen leichten Musik und die von diesen hervorgebrachten wertschaffenden Produktionen fördern“ wolle.

    Zuvor hatte die ungarische Website index.hu mit Verweis auf mehrere westeuropäische Medien spekuliert, ein Grund für die Nichtteilnahme am ESC könne sein, dass die ungarische Regierung Eurovision als „zu schwul“ einstufe.

    Der Sprecher des ungarischen Premieministers, Zoltán Kovács, bezeichnete diese Spekulationen als „Fake News“, gab allerdings keinen anderen Grund für die Absage an.

    Die ungarische Medienholding wehrte sich ebenfalls gegen den Vorwurf.

    „Diese auf sexuelle Orientierungen verweisenden Medienmeinungen verletzen die Menschenwürde, die presseethischen Normen und den Rechtsstaat“, schrieb MTVA nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur MTI. „Allerdings kommt die Frage auf, warum die darüber berichtenden Medien dies tun.“

    „Wir wollen feststellen, dass wir im Zusammenhang mit keinerlei Produktion, Ereignis oder Veranstaltung auf irgendjemandes sexuelle Orientierung achten“, schrieb die staatliche Medienholding weiter.

    Homophobie-Vorwurf

    Ausschlaggebend für die Homophobie-Vorwürfe war eine Äußerung des regierungsnahen Journalisten Andras Bencsik über den ESC. Dieser sei eine „homosexuelle Flottendemonstration“, sagte er Ende Oktober in einer Talkshow des regierungsnahen Privatsenders HirTV.

    Ungarn dürfe „aus mentalhygienischen Gründen“ nicht daran teilnehmen. „Kreischende Transvestiten und bärtige Frauen“ hätten beim ESC „den Geschmack des Publikums verwüstet“, sagte Bencsik weiter. „Vergessen wir doch dieses mit Conchita Wursts belastete, geschmacklose, forcierte, propagandistische Festival des Andersseins.“

    Der ungarische Premierminister Victor Orbán hat sich zu dem Vorwurf bislang nicht geäußert. Es ist aber weitreichend bekannt, dass er ein Befürworter der traditionellen Ehe ist.

    mka/gs/dpa

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    Tags:
    Homophobie, Eurovision Song Contest, Ungarn