06:58 22 Januar 2020
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    Ein Beitrag in der ARD hat am Sonntag berichtet, wie 1937 „Kemal Atatürk Aleviten ermorden ließ“, unter Einsatz von Giftgas aus Deutschland. Stimmen in der Türkei meinen, dass mit dem Bericht Atatürk mit Adolf Hitler verglichen wird. Die kemalistische Partei CHP hat zu Protesten vor dem ARD-Studio in Berlin und vor dem WDR in Köln aufgerufen.

    Besonders gut kommt Mustafa Kemal Atatürk bei „Das vergessene Massaker“ nicht weg. Der sechsminütige Beitrag lief am 1. Dezember in der ARD-Sendung „ttt - Titel, Thesen, Temperamente“. Darin hieß es, dass der „Schöpfer der modernen Republik Türkei“ Atatürk „buchstäblich über Leichen ging“ und Giftgas „aus Nazi-Deutschland“ gegen die Aleviten in Dersim eingesetzt habe.

    Der Beitrag geizt nicht mit schrecklichen Schilderungen aus der Zeit und gipfelt in der Forderung, dass „endlich über Atatürks Rolle beim Völkermord gesprochen wird – und über das Giftgas, dass Atatürk in Deutschland bestellte. Was auch Fragen an die Bundesrepublik Deutschland stellt. Sie ist Hitler-Deutschlands Rechtsnachfolger.“

    Das sind durchaus berechtigte Forderungen, die der Sozialpädagoge Yasar Kaya und die Nachkommen der Opfer von Dersim da erheben. Andererseits wird Mustafa Kemal Atatürk als der „Gründer der modernen Türkei“ angesehen und von vielen Türken kultisch verehrt. Er wird als Symbolfigur türkischen Selbstbehauptungswillens und Nationalbewusstseins gesehen. Mit der Abschaffung von Sultanat und Kalifat sowie mit weitreichenden gesellschaftlichen Reformen hat er einen in dieser Form einmaligen Staatstypus in der Türkei geschaffen.

    Türkische Medien schreiben nun, dass die ARD in ihrem Beitrag „Das vergessene Massaker – Wie Kemal Atatürk Aleviten ermorden ließ“ den „Vater der Türken“ Kemal Atatürk mit dem Nazi-Diktator Adolf Hitler verglichen hätte. Deswegen hat die kemalistische Partei „Cumhuriyet Halk Partisi“ (CHP; türkisch für „Republikanische Volkspartei“) zu Demonstrationen in Köln und Berlin aufgerufen. Sputnik war am Freitag in Berlin beim ARD-Hauptstadtstudio: Niemand ist dem Aufruf in Berlin gefolgt.

    ARD-Hauptstudio in Berlin am 6. Dezember 2019
    © Sputnik / Stringer
    ARD-Hauptstudio in Berlin am 6. Dezember 2019

    Die ARD hat mittlerweile zu den Vorwürfen Stellung genommen: „Wir haben Kemal Atatürk nicht mit Adolf Hitler verglichen oder gleichgesetzt. Fakt ist, im Türkischen Staatsarchiv liegt ein Dokument, dass vom 7. August 1937 datiert ist. Es trägt die Unterschrift von Atatürk und ist ein Auftrag für eine Bestellung von Giftgas und einer automatischen Befüllungsanlage im damaligen Deutschland. Die deutsche Übersetzung des Dokumentes hat ein vereidigtes Übersetzungsbüro erstellt.“

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    Tags:
    ARD, Deutschland, Türkei, Adolf Hitler, Mustafa Kemal Atatürk, Hurriyet