06:41 22 Januar 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Von
    5555
    Abonnieren

    Die Ergebnisse des Jahres 2019 haben deutlich gezeigt, dass die CO2-Emission weiter angestiegen ist und die Klimaschutzbemühungen weltweit nicht zu einer Reduktion geführt haben. Die Situation muss laut Kohler dringend geändert werden.

    „Auf der Klimakonferenz in Madrid zeichnet sich nicht ab, dass die Länder Vorschläge machen, die vereinbarten Reduktionsziele zu erreichen. Wir sind also auf keinem guten Weg zur CO2-Reduktion, was wir dringend ändern müssen“, betonte der namhafte Energieexperte im Gespräch mit Sputnik.

    Laut dem Bericht der Europäischen Umwelt-Agentur (EEA) sind die Treibhausgas-Emissionen im Laufe der letzten vier Jahre wieder gestiegen. Indes gibt es auch einen Fortschritt: Der Anteil der erneuerbaren Energien hat sich seit 2005 etwa verdoppelt.

    „Der Bericht macht deutlich, dass der Zubau der erneuerbaren Energien nur den Zuwachs an Energieverbrauch weltweit abdecken kann, und dass wir immer noch bis  zum Jahr 2060 einen Sockel von fossilen Energieträgern haben. Erdgas wird deswegen ein dominanter Energieträger sein. Also das Ergebnis aller Bemühungen führt dazu, dass wir durch steigende Weltbevölkerung, durch den Anstieg der Wirtschaftsleistung auch mehr Energie brauchen werden. Dieser Zuwachs wird durch erneuerbare Energien abgedeckt, wird aber nicht den heutigen Sockel ersetzen können“, so Kohler.

    Die Äußerung  des UNO-Generalsekretärs Antonio Guterres auf der Weltklimakonferenz in Madrid, dass „immer mehr fossile Brennstoffe dort bleiben sollen, wo sie hingehören, im Boden“, bezeichnete Kohler als eine „theoretische Aussage und ein schönes Ziel“. Die Wirklichkeit sei aber, dass man weltweit noch über Jahrzehnte fossile Energieträger werde nutzen müssen. Deshalb plädiert er dafür, fossile Energieträger CO2-frei zu nutzen.

     „Wir diskutieren derzeit intensiv mit GAZPROM (dem russischen Gaskonzern), ob aus Erdgas blauer Wasserstoff erzeugt werden kann, damit bei seiner weiteren Nutzung keine CO2-Emission entsteht. Die Technologien werden heute entwickelt, und das ist die richtige Strategie“, unterstrich Kohler.  Er wies darauf hin, dass in Norwegen das erste Pilotprojekt schon realisiert werde. Auch in Deutschland und in Russland seien entsprechende Studien durchgeführt worden, so dass in ein paar Jahren auch größere Pilotprojekte realisiert werden könnten.

    Das Jahr 2019 war in Bezug auf den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 aus Russland nach Deutschland  schwierig. Die Genehmigung von Dänemark für das Projekt sei ein großer Erfolg, betont Kohler: „Die  Schiffe verlegen wieder die Röhren in der Ostsee und es geht voran.“ Eine Gefahr bestehe aber in der USA-Sanktionsgesetzgebung. 

     „Die Gesetzte sind soweit vorbereitet, dass sie diese oder nächste Woche beschlossen werden können. Dann kommt es darauf an, wie schnell der US-Präsident Trump sie unterschreibt. Das ist ein gewisses Risiko, das den Bau nicht verhindern, aber verzögern kann. Aber wir hoffen eigentlich, dass die Arbeiten so schnell gehen, dass die Sanktionen nicht wirksam werden können“, so Kohler.

    Nach dem heutigen Stand sieht die bisherige Planung vor, dass Nord Stream 2 im Juni-Juli 2020 in Betrieb gehen kann. Kohler hält das für eine realistische Perspektive. 

    Durch die Gasfernleitung Sila Sibiri (Kraft Sibiriens) wird Erdgas künftig von Russland auch nach China strömen. Der Energieexperte denkt aber nicht, dass China ein unmittelbarer Konkurrent für Europa sein wird:

    „Russland hat so viel Erdgas, aber auch Erdöl zur Verfügung, dass es beide Märkte gut bedienen kann. China ist ein neuer Marktteilnehmer, aber es führt nicht dazu – entweder China oder Europa. Ich denke, für Russland sind beide Märkte hochinteressant. Es ist eine ganz vernünftige Entwicklung, dass Russland nicht so stark wie bisher von Europa abhängig ist und andere Märkte sucht, um ein Gleichgewicht zu erreichen.“

    2015 gründete Stephan Kohler die Energy Efficiency Invest Eurasia GmbH gemeinsam mit dem früheren russischen Energieminister und dem heutigen Beauftragten von Präsident Putin für internationale Energiekooperationen, Dr. Sergej Schmatko, mit Sitz in Moskau und dem EUREF-Campus Berlin. Das Jahr 2019 war für das Unternehmen erfolgreich. In der weißrussischen Hauptstadt Minsk wird ein Werk für Verbundwerkstoffe für den Automobil- und Flugverkehr entstehen. Die Investitionssumme beträgt 120 Mio. Euro. Energy Efficiency Invest  Eurasia ist schwerpunktmäßig in Deutschland, Europa, Russland, China und Zentralasien aktiv.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    US-Jäger nahe Iran kurz vor Abschuss ukrainischer Boeing gesichtet – Moskau
    Infos zu C-Waffen-Einsatz in Syrien gefälscht? Russland präsentiert der Uno Beweise
    Handelsabkommen zwischen USA und China trifft Deutschland hart – Studie
    Tags:
    US-Sanktionen, Kraft Sibiriens, Stephan Kohler, CO2-Emissionen, erneuerbare Energien, Nord Stream 2, Klimaschutz