15:48 29 März 2020
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    Nach monatelangem Reisen in Zügen und auf See dürfte die junge Klimaaktivistin Greta Thunberg nun in ihrer schwedischen Heimat angekommen sein. Mit einem am Samstagabend veröffentlichten Foto aus einem vermeintlich überfüllten ICE hat sie viel Aufsehen erregt.

    „Ich reise in überfüllten Zügen durch Deutschland. Und ich bin endlich auf dem Weg nach Hause!“, twitterte die Klimaaktivistin.

    Das Foto zeigt, wie die 16-jährige Schwedin mit viel Gepäck auf dem Boden eines ICE sitzt und traurig und müde aus dem Fenster blickt.

    Die Deutsche Bahn reagierte mit einem Tweet am Sonntagmorgen: „Wir wünschen Greta eine gute Heimfahrt. Und arbeiten weiter hart an mehr Zügen, Verbindungen und Sitzplätzen“, hieß es darin.

    ​Am Sonntagnachmittag twitterte die Bahn allerdings erneut – und rechtfertigte sich in zwei Tweets: „Liebe #Greta, danke, dass Du uns Eisenbahner im Kampf gegen den Klimawandel unterstützt! Wir haben uns gefreut, dass Du am Samstag mit uns im ICE 74 unterwegs warst. Und das mit 100 Prozent Ökostrom. Noch schöner wäre es gewesen, wenn Du zusätzlich auch berichtet hättest, wie freundlich und kompetent Du von unserem Team an Deinem Sitzplatz in der Ersten Klasse betreut worden bist.“

    Es gab auch Augenzeugen

    Viele Nutzer auf Twitter reagierten amüsiert auf das Foto Thunbergs – denn Spott über die Bahn, Zugverspätungen und überfüllte Züge gibt es dort zu Hauf. „Stell dich auf Verzögerungen ein”, warnte jemand. Ein anderer kommentierte: „Willkommen in Deutschland, der öffentliche Transport hier ist ein Chaos...”. Und ein weiterer befand: „A true deutsche bahn experience” – eine wahrhaftige DB-Erfahrung also.

    Andere User, darunter auch Fahrgäste, warfen Greta eine Inszenierung vor. So berichtet etwa eine Instagram-Nutzerin, sie habe selbst in dem ICE 74 gesessen. Greta habe mit ihrem Vater in der Ersten Klasse gesessen, mindestens zwischen Frankfurt und Hamburg. Das Foto von Greta auf dem Fußboden im Gang sei kurz vor ihrem Ausstieg entstanden.

    Eine Augenzeugin berichtete gegenüber der WELT: „Die Bahnmitarbeiter im Zug waren alle ganz aufgeregt, dass Greta Thunberg mitfährt.“ Sie hätten sich „ein Bein für sie ausgerissen“ und Greta verwöhnt.“ Sie hätten ihr Schokoladentäfelchen mit der Aufschrift „Lieblingsgast“, gebracht und sie gefragt, ob sie noch Kaffee wolle. 

    Greta Thunberg verteidigt sich nach Bahn-Konter

    Wenig später schilderte auch Greta Thunberg die Situation noch einmal aus ihrer Sicht. Auf ihrer langen Reise habe sie verschiedene Züge genutzt. In Basel sei ein Zug aus dem Verkehr gezogen worden, danach habe sie in zwei Zügen auf dem Boden sitzen müssen. Erst hinter Göttingen habe sie einen Sitzplatz bekommen.

    „Das ist natürlich überhaupt kein Problem und ich habe nie gesagt, dass es eins wäre“, schreibt sie. Im Gegenteil: „Überfüllte Züge sind ein großartiges Zeichen, weil das bedeutet, dass die Nachfrage nach Zugreisen hoch ist!“

    Selbst Regierungspolitiker nehmen Stellung

    Wie unterschiedlich Situationen wahrgenommen werden können, zeigten die Kommentare auf Twitter – teils auch von prominenten Personen. „Wie sagte schon meine Großmutter: ‚Heilige und Scheinheilige liegen oft ganz nah beieinander‘“, schrieb der CDU-Politiker und Wirtschafts-Staatssekretär Thomas Bareiß.

    ​Die Gegenseite erhob weitere Vorwürfe gegen die Bahn – bemängelt wurde unter anderem, dass die DB Daten von Thunbergs Zugfahrt veröffentlichte und damit gegen Datenschutzgrundsätze verstieß. „Werden jetzt alle Kunden veröffentlicht oder nur diese junge Frau“, fragte etwa Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) in einem Tweet. Und: „Warum duzen Sie eigentlich Ihre Passagiere?“

    ​Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel zeigt sich über die große Aufmerksamkeit, die Gretas Fahrt zuteilwurde – während „tausende Fahrgäste in Zügen stehen müssen“ – empört:

    „Drama: #Greta findet keinen Sitzplatz im #ICE! Die #DB entschuldigt sich, die @BILD macht eine Schlagzeile daraus, während in diesem Moment tausende Fahrgäste in Zügen stehen müssen - da regt sich niemand auf. Lächerlich.“, so die Politikerin.

    ​Der frühere Generalsekretär des Bundes-CDU Ruprecht Polenz äußerte seinerseits kein Verständnis für den Medienhype um das Foto:

    „Kann mir jemand erklären, warum Foto und Tweet von @GretaThunberg diese Welle gegen sie auslöst? Sie hat sich nicht beklagt, keinen Sitzplatz bekommen zu haben. Wie unsouverän die Reaktion der DB.”

    ​In den Kommentaren zu seinem Tweet schilderten viele User ihre Version:

     „Das photo zeigt sie hätte im gang gesessen, aber sie logierte erster klasse.“

    „Und immer wieder: Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum - der leider oft nicht wahrgenommen wird. Völlig überzogene Reaktion von DB und so manchem Twitterer. Hab den Eindruck, dass hier ein Ventil gebraucht und eben falsch u. vorschnell interpretiert wurde.“

    „Beide waren nicht ganz ehrlich. Greta, weil sie verschwiegen hat, dass sie den größten Teil der Fahrt in 1. Klasse verbracht hat. DB, weil sie nicht gesagt hat, dass erster Teil chaotisch war. Schlecht für beide.”, folgerte Peter R.Neumann

    sm/ae

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