13:49 05 Dezember 2020
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    Für die Vorsitzende der Partei „Die Linke“, Katja Kipping, ist die Klimapolitik in Deutschland nicht konsequent genug. Gerade hier sollte der Zugverkehr eine wichtige Rolle spielen. Nun hat sie eine Idee geäußert, die Änderungen des Tarifsystems der Deutschen Bahn vorsieht und allen Bürgern zugutekommen soll.

    „Anstatt den Umstieg aufs E-Auto zu subventionieren, was sich ohnehin nur Menschen leisten können, die mehr als 30.000 Euro für ein Auto übrig haben, sollte es lieber die Bahncard 50 kostenfrei für alle geben. Das wäre ein richtiger Beitrag zum Klimaschutz", sagte Kipping der Düsseldorfer "Rheinischen Post".

    Ferner müsste es ausreichend Platz für Fahrräder sowie Abteile mit Arbeitsplätzen für Berufspendler geben, die während der Zugfahrt arbeiten würden – „und ansonsten die 1. Klasse für alle“. Das würde das Bahnfahren attraktiver machen. „Niemandem wird sein Auto weggenommen, aber die Tausenden stillgelegten Schienen-Kilometer im Land müssen reaktiviert werden.“

    Die Deutsche Bahn will in den kommenden Jahren mehr als zwölf Milliarden Euro für neue Züge ausgeben. Dies sei „eine Rekordsumme in der Geschichte der DB“, erklärte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber am Montag in Berlin. Allein im Fernverkehr will der Konzern bis zum Jahr 2026 insgesamt 8,5 Milliarden Euro in neue Züge stecken.

    Bahncard 50

    Mit der Bahncard 50 werden 50 Prozent Rabatt auf den Normalpreis sowie 25 Prozent auf die Super Sparpreise der Deutschen Bahn innerhalb Deutschlands für ein Jahr gewährt. Für die zweite Klasse kostet die Bahncard jährlich 255 Euro, wer erster Klasse reisen möchte, muss einen Betrag von 515 Euro zahlen.

    Der ermäßigte Preis der Bahncard 50 beträgt 127 Euro (1. Klasse: 252 Euro) und gilt für Senioren ab 60 Jahre, Ehepartner und Partner (selber Haushalt) sowie Schwerbehinderte. Für Personen bis einschließlich 26 Jahren nennt sich das Angebot My Bahncard und kostet 69 Euro (1. Klasse: 252 Euro).

    Der Bahncard-Tarif sah zu seiner Einführung 2003 vor, dass Kinder unter 15 Jahren gratis mitgenommen werden konnten – außerdem musste jeder weitere Mitfahrer (auch ohne Bahncard) nur die Hälfte des Normalpreises bezahlen. Diese Regelung wurde später abgeschafft. 

    Reaktionen im Netz

    Wenn Politiker die Rechnung ohne den Wirt machen – in diesem Fall die Bahn –, kann dabei schon mal etwas schwer Umsetzbares herauskommen. Wie haben Facebook-Nutzer Katja Kippings Vorschlag aufgenommen? Hier einige Pro und Contras aus den Kommentaren.

    Einige zeigten sich von dem Vorschlag begeistert: „Gerne, dann würde ich häufiger die Familie besuchen.“ Ein anderer Internetnutzer konnte sich mit der Idee ebenfalls schnell anfreunden und „würde sein Auto sofort stehen lassen“. Es fanden sich auch Stimmen, die die Idee gut finden, allerdings meinen,  die Bahn wäre „mit deutlich mehr Passagieren mächtig überfordert“.

    Weitaus logischer sei, hieß in einem anderen Kommentar, „die Fahrpreise zu halbieren, statt jedem ein Stück Plastik in die Hand zu drücken“. Diesen Gedanken äußerten auch andere: „Warum denn so kompliziert? Die Bahn könnte auch einfach ihre Preise halbieren.“ Und mit Spott: „Das ist doch sofort umsetzbar. Jeder bekommt 50% Rabatt und vorher werden die Preise verdoppelt.“

    Wesentliche Kritik äußerten die Facebook-Nutzer an der Infrastruktur der Bahn, das gilt besonders für den ländlichen Raum. „Gute Idee und wann bekommen wir ein Gleis in unser Dorf?“, hieß es in einem Kommentar. Oder: „Was soll ich mit der Bahncard? Ich komme ohne PKW nirgendwo hin. Selbst der Bahnhof ist ohne Auto nicht erreichbar.“

    „Ach kommt schon. Wenn schon, dann das 365€ Ticket. Einmal zahlen und 1 Jahr lang fahren so oft und wie weit man will. Und bitte: Who cares, dass das gesamte Netz der Deutschen Bahn noch immer auf dem Stand der 70er ist“, bemerkte jemand anders.

    Greta und die Deutsche Bahn

    Vor Kurzem ist die junge Umweltaktivistin Greta Thunberg mit dem ICE durch Deutschland gereist. Sie stellte ein Foto ins Netz, auf dem man sie in einem vermeintlich überfüllten Zug auf dem Boden sitzen sieht. Sie schrieb darunter: „Ich reise in überfüllten Zügen durch Deutschland. Und ich bin endlich auf dem Weg nach Hause!“

    Die Deutsche Bahn reagierte mit einem Tweet, in dem sie der Schwedin eine gute Heimfahrt wünschte und versprach, „weiter hart an mehr Zügen, Verbindungen und Sitzplätzen zu arbeiten“.

    Am selben Tag veröffentlichte das Unternehmen einen weiteren Tweet, der leicht gekränkt wirkte: „Liebe #Greta, danke, dass Du uns Eisenbahner im Kampf gegen den Klimawandel unterstützt! Wir haben uns gefreut, dass Du am Samstag mit uns im ICE 74 unterwegs warst. Und das mit 100 Prozent Ökostrom. Noch schöner wäre es gewesen, wenn Du zusätzlich auch berichtet hättest, wie freundlich und kompetent Du von unserem Team an Deinem Sitzplatz in der Ersten Klasse betreut worden bist.“

    Daraufhin schrieb Greta, das sei überhaupt kein Problem, sie habe nie gesagt, dass es eins wäre. Im Gegenteil: „Überfüllte Züge sind ein großartiges Zeichen, weil das bedeutet, dass die Nachfrage nach Zugreisen hoch ist!“

    mka/gs

     

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    Tags:
    Katja Kipping, Zugverkehr, Deutsche Bahn