03:16 10 Juli 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    650
    Abonnieren

    Die französische Finanzaufsicht AMF hat die Nachrichtenagentur Bloomberg zu einer Strafe von fünf Millionen Euro verurteilt. Das Medienunternehmen soll Falschnachrichten verbreitet haben, die den Absturz der Vinci-Aktien auslösten. Das berichtet die AFP.

    Nach Angaben der Finanzaufsicht hat die Agentur 2016 in einem Bericht über den französischen Baukonzern „Vinci“ Informationen aufgegriffen, die sie "als falsch hätte erkennen müssen". Bloomberg habe sich damals nicht an die journalistischen Grundsätze gehalten, da keine Überprüfung der Information vor der Veröffentlichung erfolgt sei.

    Bloomberg und andere Medien hätten den Inhalt einer gefälschten Pressemitteilung übernommen, heißt es weiter, wonach der Konzern wegen „sehr schwerer“ Unregelmäßigkeiten in Milliardenhöhe eine Rechnungsprüfung veranlasst habe. Zudem sei der Finanzvorstand entlassen worden. In der Folge seien die Kurse von Vinci im November 2016 um rund 18 Prozent abgestürzt.

    Die gefälschte Pressemitteilung sei in ihrer Aufmachung zwar von offiziellen Papieren des Bauunternehmens kaum zu unterscheiden gewesen – allerdings sei sie auf einer gefälschten Webseite mit falscher URL veröffentlicht worden. Zudem soll die Handynummer des Konzernsprechers falsch gewesen sein.

    Bloomberg kündigte an, gegen die Entscheidung der Finanzaufsicht in Berufung zu gehen und bezeichnete sich selbst als eines der "Opfer einer raffinierten Falschmeldung". Anstatt die Hintermänner aufzuspüren, bestrafe die AMF nun Medienunternehmen.

    Befangenheitsvorwürfe

    Die Agentur Bloomberg News gehört zum globalen Medienunternehmen Bloomberg LP, das 1981 von Michael Bloomberg in New York gegründet wurde. Der inzwischen 77-Jährige hat vor Kurzem angekündigt, in das Präsidentschaftsrennen seiner Partei einzusteigen und Trump bei der Wahl 2020 herausfordern zu wollen.

    Der Chefredakteur der Nachrichtenagentur Bloomberg News, John Micklethwait, gab daraufhin bekannt, die Agentur werde ihre Tradition fortsetzen, Michael Bloomberg (sowie seine Familie und Stiftung) nicht zu untersuchen, und die gleiche Politik auf seine Rivalen bei den Vorwahlen der Demokraten ausdehnen. Allerdings werde die wirtschaftsorientierte Nachrichtenorganisation weiterhin "die jeweilige Regierung, aktuell die Trump-Administration, zum Gegenstand von Berichterstattung machen".

    Später verbreitete der Fernsehsender CNN eine Stellungnahme von Micklethwait, in der er Befangenheitsvorwürfe zurückwies. Bloomberg News habe stets fair und unparteiisch über Trump berichtet und werde das auch weiterhin tun – trotz der vom Trump-Lager angekündigten Restriktionen, versicherte der Chefredakteur.

    mka/gs

    Zum Thema:

    Läster-Attacke: „Mahlzeit, Frau Bundeskanzlerin“ – Spottrede von EU-Abgeordnetem Sonneborn
    Nicht konkurrenzfähig: Europa und Asien verzichten auf Flüssiggas aus Amerika
    Sowjettechnik: Die S-75-Rakete war der Sargnagel für den Superbomber der USAF
    Tags:
    Geldstrafe, Berichterstattung, Bloomberg