18:36 18 Januar 2020
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    Die Sputnik- und RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan hat sich nach den Drohungen gegen Sputnik-Mitarbeiter an die estnische Präsidentin Kersti Kaljulaid gewandt.

    „Sehr geehrte Frau Präsidentin Kersti Kaljulaid. Ich weiß nicht, ob Sie über das Vorgehen der Sicherheitskräfte Ihres Landes informiert sind, die Journalisten und Bürgern mit strafrechtlicher Verfolgung dafür drohen, dass sie ihre Arbeit machen. Ihnen wurde ein beispielloses Ultimatum gestellt – bis zum 1. Januar ihren Job für Sputnik zu kündigen oder auf eine Haftstrafe zu warten”, schrieb Simonjan in ihrem Telegrammkanal.

    Kündigung oder Strafverfahren

    Die estnische Polizei und der Grenzschutz sollen zuvor die Mitarbeiter von Sputnik Estonia unter Druck gesetzt haben, ihre Arbeitsbeziehungen mit der Mediengruppe „Rossiya Segodnya” vor Jahresbeginn 2020 zu beenden. Ansonsten müssten sie mit Strafverfahren rechnen. Die Behörden sehen ihre Drohungen in den im März 2014 eingeführten EU-Sanktionen hinsichtlich der damaligen Ereignisse in der Ukraine gerechtfertigt.

    Simonjan kritisierte indes:

    „Ich kann mir ehrlich gesagt nur schwer vorstellen, dass man in Estland 30 Journalisten unter Verletzung aller erdenklichen Rechte und Freiheiten ins Gefängnis schicken würde. Das Leben veranlasst mich als Chefredakteurin von ‚Rossiya Segodnya‘ dazu, diese Drohung leider ernstzunehmen – unser Kollege Kirill Wyschinski hat während seines Berufslebens vierhundert Tage hinter Gittern in der Ukraine verbracht“.

    Man setze Hoffnung darauf, dass Kaljulaid keine Strafverfolgung in dem Fall zulassen werde.

    „Ich weiß, dass die Beziehungen zwischen unseren Ländern es verdienen, besser zu werden. Ihre Bereitschaft zu einem ruhigen Dialog ist uns bewusst, und wir schätzen Sie dafür sehr. Sowohl wir als auch Sie wollen wirklich nicht, dass man sich für Estland schämen sollte. Gemeinsam sollten wir das nicht zulassen“, betonte die Chefredakteurin.

    Appell an internationale Organisationen

    Der Pressedienst von „Rossiya Segodnya” teilte am Mittwoch mit, dass das Unternehmen an internationale Organisationen, unter anderem die Vereinten Nationen und die OSZE, für eine Bewertung des Vorgehens gegen die Journalisten appellieren wolle.

    Ein nicht namentlich genannter EU-Beamter erklärte daraufhin auf Anfrage, die Drohungen gegen Sputnik Estonia und ihr angeblicher Zusammenhang mit den europäischen Sanktionen müssten geklärt werden.

    jeg/sb/sna

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    Tags:
    Kersti Kaljulaid, Drohungen, Estland, Margarita Simonjan, Sputnik