20:00 18 Januar 2020
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    Von den insgesamt 5 Kernkraftreaktoren, die in der Schweiz für Energiegewinnung gebraucht werden, wird jetzt Mühlenberg vom Netz geschaltet. Es gilt als das erste kommerzielle Schweizer Atomkraftwerk, welches stillgelegt wird. Mit dem Abschalten findet jedoch nur der erste Schritt eines langen Prozesses statt.

    Das Kernkraftwerk Mühleberg befindet sich seit November 1972 im Betrieb. Nie war die Geschichte des Kernkraftwerkes einfach gewesen, erläutert das öffentlich-rechtliche „Schweizer Radio und Fernsehen“ (SRF) in einer Rückschau über Mühlenberg. Viele Protestaktionen begleiteten es seit den 70er Jahren, bis 2013 – an diesem Datum gab das Energieunternehmen BKW die Stilllegung Mühlebergs bekannt.

    Schon seit Monaten beschäftigt sich der Leiter dieses Projekts, Stefan Klute, mit der Abschaltung. Die letzten Kontrollen wurden an diesem Freitagmorgen durchgeführt, bevor das Atomkraftwerk um 12:30 Uhr schließlich aus dem Netz geschaltet wurde, so das SRF. Der Rückbau werde am 6. Januar beginnen und in einem 15-jährigen Prozess im Jahr 2034 enden. Mit dem Abschalten von Mühleberg befinden sich noch 4 aktive Kernreaktoren in der Schweiz. 

    Was sind die nächsten Schritte?

    Bevor man die radioaktiven Materialien ins Zwischenlager bringen kann, müssen sie zunächst mit Sandstrahlern von der oberflächlichen, Radioaktivität tragenden Schicht befreit werden. Um die verstrahlten Materialien ins Freie bringen zu können, wurde eine Fläche mit dicker Asphaltschicht angefertigt. Der Bauleiter des Projekts, Irvin Elsasser, erklärt dem SRF, dass alle Materialien, die dort verbaut wurden, auch zurückgebaut werden. Rohre, Stahlträger und Dämmmaterialien dürfen sogar, nach Beseitigung der Strahlung, in Recyclinganlagen transportiert werden.

    Um den benötigten Strom für die Maschinen gewährleisten zu können, wird die Energie vom benachbarten Wasserkraftwerk der BKW zum Kernreaktor gebracht.

    Wenn alles nach Zeitplan verläuft, so sollten bis 2024 alle Brennstäbe nach Würlingen ins Zwischenlager abtransportiert sein. Bis 2030 werden voraussichtlich alle weiteren radioaktiven Materialien abgebaut, so dass das Areal im Jahr 2034 wieder industriell oder naturnah genutzt werden könnte.

    Wehmut oder Erleichterung?

    Die Reaktionen auf die Abschaltungen sind zwiespältig. Viele Mitarbeiter äußerten sich kurz vor der Abschaltung in einer Direktübertragung des SRF. Auch Wehmut klang in den Aussagen der Beteiligten mit. Doch die lange Vorbereitungszeit und die Informationen der BKW haben der Verarbeitung des ersten Schocks im Jahr 2013 geholfen. Auch wenn einige Befürworter das Kraftwerk gerne länger am Netz gesehen hätten. Einige Mitarbeiter dürften ihre Stellen behalten, so heißt es in der SRF-Direktübertragung. Andere durften innerhalb der BKW in einen neuen Betrieb wechseln.

    Der fehlende Strom ­– 5 Prozent des Schweizer Strombedarfs – müsste erstmal aus dem Ausland bezogen werden, so die Konzernchefin der BKW. Doch sie sehe diesen Prozess als eine große Änderung und beschreibt den heutigen Tag als ein „Symbol für die Transformation des Unternehmens“.

    lm

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    Tags:
    Atomkraftwerk, AKW, Schweiz