16:08 24 November 2020
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    In einem „Welt“-Artikel über Königsberger Marzipan spricht der Autor Sönke Krüger dem Kaliningrader Hersteller „Pomatti“ das Recht auf den Namen ab. Die falsche Rezeptur soll der Grund sein, der Hersteller will sich dies aber nicht gefallen lassen. Dem „Welt“-Verlag wirft er unlauteren Wettbewerb und falsche Werbung vor.

    In seinem Artikel vergleicht Krüger die Erzeugnisse mehrerer deutscher Hersteller sowie die der Kaliningrader Firma Pomatti unter der Marke „Königsberger Marzipan“ und kommt zu dem Schluss, dass das russische Produkt sich nur „mit fremden Federn schmückt“. Denn unter dem Namen produziere ein Jungunternehmer erst seit 2015. „Gibt es also ein Revival des Königsberger Marzipans am historischen Ort?“, fragt der Autor des Artikels. „Leider nein, denn die Rezeptur hat mit dem Original wenig zu tun: Zucker und Sirup überwiegen, nur 44 Prozent Mandelanteil, kein Rosenwasser, dafür das Feuchthaltemittel Sorbit.“

    „Wo Königsberg draufsteht, ist nicht automatisch Königsberg drin“, heißt das Urteil. Dabei plädiert der Journalist für drei historische Firmen, die „das Königsberg-Versprechen uneingeschränkt halten“ und ihre Produkte offenbar mit einem höheren Anteil an Mandeln, mit Rosenwasser und dabei geröstet und ohne Schokolade produzieren. „Aus Top-Zutaten, mit Erfahrung und Herzblut.“ Die anderen Hersteller würden die Marke „Königsberger Marzipan“ nur fälschen, so Krüger. Am Ende des Artikels gibt der Journalist noch die Kontaktdaten der „guten“ Geschäfte. 

    Das unbequeme Urteil reicht aus, damit der Kaliningrader Hersteller Pomatti sich zur Wehr setzt. In einer Stellungnahme für das Kaliningrader Portal „Russki Sapad“ („Der russische Westen“) schreibt der Direktor der Unternehmensgruppe „Pomatti“, Michail Popow, dass Krügers Artikel ein bezahlter Beitrag sei und mit dem Begriff „Anzeige“ hätte gekennzeichnet werden müssen. Eine solche Verfehlung sollte sich ein angesehener Verlag nicht erlauben, meint Popow. Der Name seines Unternehmens bezieht sich übrigens auf den Schweizer Wilhelm Pomatti, der 1809 die erste Marzipanfabrik in Königsberg eröffnete. Das Originalrezept von Pomatti wird heute in den Produkten der Fabrik Ewald Liedtkes in Hamburg verkörpert.

    „Kein einzig mögliches Rezept“

    „In Wirklichkeit gab es nie das einzig richtige Referenzrezept für die Herstellung von Königsberger Marzipan“, behauptet Popow weiter in seiner Antwort auf den Artikel. „Ungefähr genauso, wie es keinen Hinweis und kein einzig mögliches Rezept zum Beispiel für Schweizer Schokolade, ukrainischen Borschtsch, ungarisches Gulasch oder Mozartkugeln gibt.“ Jeder Hersteller gestalte das Rezept mit Blick auf den Wettbewerb, und die entstehenden Unterschiede würden sich nicht nur auf die Zutaten, sondern auch auf die Technologie der Herstellung beziehen.

    Fluss Pregel und Kathedrale in Kaliningrad
    © Sputnik / Igor Zarembo
    Da alle von Krüger erwähnten Firmen eben Produkte nach der Königsberg-Technologie, also mit Backen bzw. Rösten, herstellen würden, hätten sie das Recht, ihre Produktion mit dem Wort „Königsberg“ zu markieren. Jedoch gebe der Autor des Artikels nur denjenigen Herstellern das Recht darauf, die am Ende des veröffentlichten Materials verlinkt stehen, verweist Popow weiter. Der Autor habe weder die Informationen zu den zwei weiteren deutschen Fabriken sowie zu Pomatti überprüft noch die Hersteller deswegen kontaktiert. 

    Zu Sorbit unter den Zutaten schreibt Popow, dass dies ein Zuckerersatz natürlichen Ursprungs sei, der in Beeren und Früchten enthalten sei und in der Lebensmittelindustrie häufig als Wasserrückhaltemittel und zur Senkung des glykämischen Index von Produkten eingesetzt werde. Produkte, die nicht mit Schokolade überzogen seien, würden dadurch nicht so schnell austrocknen. Außerdem vergesse Krüger, wenn er meine, Sorbit sei unzulässig, darauf hinzuweisen, dass die offiziellen Websites der von Krüger umworbenen Hersteller auf der Verpackung mancher Produkte ebenfalls Sorbit angeben.

    „Inakzeptable Praktiken“

    „Wir glauben, dass solche Materialien mit vollständig fehlender Faktenprüfung, verzerrter positiver Auswahl einiger Hersteller und Demütigung anderer, ohne dass versucht wird, zuverlässige Daten zu erhalten, inakzeptable Praktiken sind, die äußerst unprofessionell sind, gegen allgemein anerkannte journalistische Standards verstoßen sowie unlauteren Wettbewerb und falsche Werbung manifestieren.“ Der Direktor der russischen Firma verweist darauf, dass man sich derzeit mit den Anwälten berate. „Die Welt“ fordere man auf, eine Antwort auf Krügers Artikel zu veröffentlichen. In einem Sputnik-Gespräch schloss ein Jurist der Firma nicht aus, vor Gericht vorzugehen.

    Der Reise-Autor der „Welt“, Sönke Krüger, greift ziemlich oft zu Kaliningrad-bezogenen Themen. Im Juli warf er der Stadt vor, „die deutsche Karte zu spielen“. Im September verspottete er den Hauptbahnhof in Königsberg als „Europas absurdesten Bahnhof“.

    lk/sb

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    Tags:
    Die Welt, Marzipan, Russland, Deutschland, Königsberg, Kaliningrad