02:39 10 Juli 2020
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    Nach dem Absturz eines Germanwings-Flugzeugs im März 2015 sind einige Handys der Passagiere laut einem Experten im Nachhinein manipuliert worden. Die Angehörigen der Opfer stellten laut „Bild am Sonntag“ nämlich fest, dass alle Daten von den Geräten gelöscht wurden.

    Die Ermittler wollten der Zeitung zufolge nicht verraten, wozu dies getan wurde oder wer dafür verantwortlich ist. Nach dem Absturz sollen 60 Handys aufgefunden worden sein, von denen 50 an Familienangehörige geschickt worden seien.

    Mario Krolow, ein renommierter Experte für Elektronische Datenverarbeitung (EDV) aus Berlin, untersuchte für die „Bild am Sonntag“ ein Handy, nachdem die Angehörigen der Opfer sich beklagt hatten, dass die Geräte nicht mehr auslesbar seien. Dabei stellte Krolow fest, dass an dem Mobiltelefon definitiv manipuliert worden sei. So sei beispielsweise der NAND-Speicher, der die Funktion einer Festplatte im Handy erfüllt, entnommen worden.

    „Das kann nicht durch den Aufprall geschehen sein, da die Platine ansonsten keine Schäden aufweist. Auf dem NAND-Speicher befinden sich alle Daten – also SMS-Verläufe, Fotos und Anruflisten“, sagte Krolow gegenüber dem Blatt.

    Dabei merkte er an, dass der Speicher zwar auch an die Angehörigen übergeben, die Daten darauf jedoch im Vorhinein gelöscht worden seien.

    Der ehemalige Boeing-Chef Dennis Muilenburg (Archivbild)
    © REUTERS / Pool / Jim Young
    Die Handys sollen außerdem am Tag nach dem Absturz erreichbar gewesen sein, das heißt, sie wurden bei dem Absturz nicht zerstört.

    Dass die Ermittler die Daten ausgelesen hätten, sei klar und  „normaler Standard in einem Strafverfahren“, so der Vertreter der Nebenklage, Roland Krause. Allerdings seien der Vorbehalt der Daten und die Manipulationen „eine Unterdrückung von Beweismitteln“ und eine „Straftat“.

    Bei der Frage, wer die Daten manipuliert haben könnte, verwies die Lufthansa auf den britischen Dienstleister Kenyon. So soll die Agentur die Handys von den französischen Behörden bekommen und an die Angehörigen weitergegeben haben. Allerdings habe Kenyon angegeben, dass das Unternehmen die Geräte mit einem trockenen Lappen gereinigt und in einer Plastiktüte neu verpackt hätte.

    Der Absturz von „Germanwings“

    Bei dem Germanwings-Absturz in den französischen Alpen waren am 24. März 2015 alle 150 Flugzeuginsassen umgekommen. Die deutschen Justizbehörden gehen von einer absichtlichen Tat und Alleinverschulden von Co-Pilot Andreas Lubitz aus. Nach Angaben der Ermittler war der Flugkapitän kurz vor dem Absturz auf die Toilette gegangen. Als er versuchte, zurück ins Cockpit zu gelangen, war die Tür verschlossen. Der 28-jährige Lubitz hätte sich offenbar geweigert, die Tür zu öffnen, und habe den Sinkflug der Maschine eingeleitet.

    dg/gs

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    Tags:
    Deutschland, Frankreich, Spanien, Airbus A320, A320, Flugzeugabsturz, Germanwings