19:05 18 Januar 2020
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    Der britische Premierminister Boris Johnson hat sich enttäuscht zu der Möglichkeit geäußert, die Beziehungen zu Russland neu zu starten. Darüber schrieb Johnson in der Zeitung „The Spectator“ vom Montag.

    „Ich dachte wirklich, und ich denke, dass viele Außen- und Premierminister vor mir dachten, dass wir mit Russland von vorne anfangen können. Dass dies ein tolles Land ist, mit dem wir gegen den Faschismus gekämpft haben. Ich war sehr, sehr enttäuscht, als ich begriff, dass ich mich geirrt hatte“, so Johnson.

    Am 21. Dezember sprach Johnson bei einem Besuch in Estland zu demselben Thema. Er sagte, dass die britischen Behörden die Beziehungen zu Russland verbessern wollten, aber „schreckliche Probleme“ dies verhindern würden.  Dazu gehöre unter anderem der angebliche Giftangriff  auf den ehemaligen Offizier der russischen Militäraufklärung  GRU Sergej Skripal und seine Tochter Julia im britischen Salisbury.

    Keine Beweise für Russlands Einmischung

    Im November hatte Johnson in einem BBC-Interview erklärt, dass es keine Hinweise auf eine russische Einmischung in die britische Politik gebe. Man könne nicht Menschen verleumden, bloß weil diese aus Russland stammten. Diese Behauptung steht im direkten Widerspruch zur Einschätzung seiner Vorgängerin Theresa May, die Moskau den Versuch vorgeworfen hat, die britische Politik zu beeinflussen.

    Für die verzögerte Freigabe des Berichts machte Johnson Sicherheitsgründe geltend. Im Gespräch mit der BBC betonte er zudem, er wisse nicht, wie viele russische Staatsangehörige große Geldbeträge an die konservative Partei spenden würden, bestand jedoch darauf, dass solche Geschenke ordnungsgemäß geprüft und veröffentlicht würden.

    Giftanschlag auf die Skripals

    Der frühere russisch-britische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia wurden am 4. März 2018 in Salisbury in einem Park bewusstlos aufgefunden. Sie waren nach Darstellung der britischen Regierung mit dem tödlichen Giftstoff A234, im Westen unter dem russischen Namen Nowitschok bekannt, vergiftet worden. Ihre damalige schnelle Genesung halten Experten jedoch für überraschend.

    Die britische Regierung machte umgehend Russland für das mutmaßliche Attentat verantwortlich. Moskau wies diesen Vorwurf von sich und forderte eine unabhängige Aufklärung. Die damalige britische Premierministerin Theresa May ließ als Reaktion auf den Nervengift-Anschlag 23 russische Diplomaten ausweisen. Aus „Solidarität“ mit London wiesen auch die USA, Deutschland und viele weitere EU-Staaten Dutzenden russischen Diplomaten die Tür.

    Die Internetplattform Bellingcat, die sich als investigativ beschreibt, will die wahren Namen der beiden in dem Fall verdächtigten Russen herausgefunden haben. So hießen Boschirow und Petrow in Wirklichkeit Anatoli Tschepiga und Alexander Mischkin, behauptet Bellingcat.

    sm/gs

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    Tags:
    Fall Skripal, Russland, Boris Johnson