02:38 07 Juni 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Von
    17301
    Abonnieren

    Mit der Umdichtung des Volksliedes „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ hat sich der WDR einen veritablen Shitstorm eingehandelt.

    In dem Lied, das von einem Kinderchor vorgetragen und als Video vom WDR verbreitet wurde, heißt es statt der Zeile, die Oma sei eine „ganz patente Frau“ im neuen Text „Oma ist ne alte Umweltsau“. Anlässlich der Klimabewegung um Greta Thunberg & Co. mag diese künstlerische Freiheit inhaltlich vielleicht nachvollziehbar sein. Die Formulierung jedoch ist Vielen bitter aufgestoßen und als Beleidigung der älteren Generation aufgefasst worden. Über das Wochenende hat „Omagate“, wie der Skandal schnell getauft worden ist, eine erstaunliche Eigendynamik angenommen.  

    Dem WDR dürfte kaum bewusst gewesen sein, wie humorlos die Reaktionen auf das Lied ausfallen würden. Am Sonntag versammelten sich etwa 100 Demonstranten aus dem rechten Spektrum vor dem WDR-Gebäude in Köln, um gegen die Oma-Verunglimpfung zu protestieren.

    Der Macher des Videos, Danny Hollek, der als freier Mitarbeiter für den WDR tätig ist, hat auf Twitter Stellung bezogen. „Mir lag es fern, eine ganze Generation oder gar eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu beleidigen. Falls dieser Eindruck entstanden sein sollte, möchte ich mich bei berechtigten Kritikern entschuldigen“, so Hollek. Seine Absicht sei gewesen, eine sarkastische Bemerkung zum Thema „Umweltsau“ zu machen. „Explizit möchte ich aber ebenso deutlich jene von dieser Entschuldigung ausschließen, die mich seit gestern mit Gewalt- und Todesdrohungen überhäufen“, fügte er hinzu.

    Angesichts der Proteste und des Twitter-Shitstorms, der über den WDR hereingebrochen ist, hat der Sender das Video gelöscht und Intendant Tom Buhrow hat sich dafür entschuldigt. Viele User haben dies als „Einknicken vor den Rechten“ gewertet. Auch das Deutsche Kinderhilfswerk hat die Löschung als „völlig überzogene Reaktion“ bezeichnet. Der Diskussion hat das Entfernen des Videos aber keinen Abbruch getan – die hatte sich längst verselbständigt und ist auch bei den Bundestagsabgeordneten angekommen.

    Nicola Beer, stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, nahm den Skandal zum Anlass, Strukturreformen beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk zu fordern.

    Und Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) konnte es nicht nachvollziehen, weshalb man seine Oma „Umweltsau“ nennen sollte, nur weil diese nicht Bio einkauft.

    Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schaltete sich in die Diskussion ein und gab Chebli und anderen Kritikern Recht, dass auf Worte wie „Umweltsau“ zu verzichten sei.

    Am ausführlichsten und deutlichsten haben jedoch AfD-Politiker ihre Kritik geäußert und dafür jede Menge Gegenwind bekommen.

    Dem AfD-Abgeordneten Tino Chrupalla ging die Online-Diskussion offenbar nicht weit genug. Er nahm „Omagate“ zum Anlass, einen offenen Brief an WDR-Intendant Buhrow zu verfassen. Darin formulierte Chrupalla sechzehn Fragen bezüglich des umstrittenen Videos. Er wollte wissen, mit welcher Intention es erstellt wurde, wer daran beteiligt war, wer es abgenommen und zur Veröffentlichung freigegeben hat. Ferner interessierte den AfD-Politiker, wie es sein könne, dass der „altersrassistische Inhalt“ des Videos und sein „politisch-propagandistischer Grundton“ keinem der Redakteure aufgefallen seien.

    Bei aller Kritik und der viel diskutierten Frage, was Satire darf, haben sich viele Abgeordnete aber auch hinter Danny Hollek gestellt und das Thema Umweltbewusstsein bei der älteren Generation verteidigt.

    Wer sich nun selbst vom Skandalpotential des Liedes überzeugen möchte, kann es sich hier anhören:

    Zum Thema:

    WHO revidiert ihren Standpunkt zum Tragen von Masken in Corona-Krise
    Menschheit per Mikrochips kontrollieren? Bill Gates reagiert auf Vorwürfe
    „Nazi-Goebbels“ oder bester Freund der Juden? Wofür Deutschland Grenell aus US-Sicht danken müsste
    Tags:
    WDR, Skandal, Umwelt, Oma