19:03 25 Januar 2020
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    Nach dem „Umweltsau“-Lied des WDR wird es nun für die nächste Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt unangenehm. Der bekannte Moderator und Reporter Richard Gutjahr hat sich in einem offenen Brief vom Bayerischen Rundfunk (BR) verabschiedet und schwere Vorwürfe gegen den BR-Intendanten, Ulrich Wilhelm, erhoben.

    „Nach 22 Jahren ist heute mein letzter Tag als sogenannter 'fester freier' Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk“, schrieb Gutjahr in einem Blogeintrag vom 31. Dezember 2019.

    „Exakt vor drei Jahren hatte ich Ihnen einen Brief geschrieben. Ich hatte Sie persönlich um Hilfe gebeten im Kampf gegen meine Angreifer aus dem Netz“, so Gutjahr weiter. „Gegen Verschwörungstheoretiker, Neonazis und Reichsbürger, die meine Familie und mich bis zum heutigen Tag terrorisieren.“

    Den Kampf gegen rechtsextreme Hetze und gegen die anhaltenden Morddrohungen hätten Gutjahr und seine Familie alleine, ohne jegliche Hilfe des BR führen müssen. Als ihm auch noch die Rechtsschutzversicherung gekündigt habe, seien ihm die Kosten über den Kopf gewachsen. Lediglich eine Einmalzahlung von weniger als einem Monatsgehalt habe Gutjahr vom BR als finanzielle Beihilfe erhalten.

    „Verbunden mit der unmissverständlichen Ansage, dass dies eine Ausnahme sei und ich mich in Zukunft mit meinen Problemen an den Deutschen Journalistenverband wenden soll. Die begleitenden Worte Ihres Juristischen Direktors werde ich nie vergessen: Man könne ja nicht jedem freien Mitarbeiter gleich einen Anwalt stellen, nur weil man mal im Netz ‚angepöbelt‘ werde“, schrieb der 46-Jährige weiter und wandte sich direkt an den BR-Intendanten.

    Gutjahr bezog sich auf seine Tätigkeit als Reporter im Juli 2016 – in dieser Zeit war er zufällig kurz hintereinander an zwei Terror-Orten, nämlich in Nizza und wenige Tage später am Olympia-Einkaufszentrum in München. Von beiden Anschlagsorten hat er berichtet. Damit zog er die Aufmerksamkeit vieler Rechtsradikaler und Antisemiten auf sich, die damals begonnen haben sollen, ihn und seine Familie zu „terrorisieren“. Der Journalist ging juristisch dagegen vor.

    Vorwurf gegen den BR-Intendanten

    Seine Bitte um Unterstützung bei der Bekämpfung dieser rechtsextremen Kräfte sei ungehört geblieben, so Gutjahr. Stattdessen sei er von BR-Intendant, Ulrich Wilhelm, und seiner juristischen Direktion darauf verwiesen worden, „dass der BR freien Mitarbeitern keine Rechtsberatung geben dürfe“.

    Unter anderem soll Wilhelm das Kontrollgremium des BR wiederholt belogen und „in die Irre geführt haben“. Das sei ihm jedenfalls zugetragen worden.

    So soll behauptet worden sein, man habe Gutjahrs „Prozesskosten beglichen“ und sich „mehrfach entschuldigt“. Beide Behauptungen entsprächen nicht der Wahrheit, so der Journalist. Das in Zusammenhang mit öffentlichen Äußerungen „über die Verantwortung des BR in Zeiten von Fake News und Hate Speech“ sei für Gutjahr nur mehr schwer zu ertragen gewesen. Nun scheide er „auf eigenen Wunsch“ aus dem BR aus. Da andere Kommunikationswege ausgeschöpft seien, wende er sich nun an die Öffentlichkeit.

    BR weist Anschuldigungen zurück

    Der Bayerische Rundfunk hat Gutjahrs Vorwürfe bereits am Mittwoch entschieden zurückgewiesen. „Die wiederkehrende öffentliche Kritik von Richard Gutjahr enthält keine neuen Aspekte und ist im Kern nicht zutreffend", teilte der BR mit.

    Ferner hieß es: „Der BR weist insbesondere den Vorwurf der Lüge und Täuschung durch den Intendanten strikt zurück.“ Die Geschäftsleitung und der Vorsitzende des Rundfunkrats hätten sich in den vergangenen drei Jahren "mehrfach und intensiv mit allen Facetten des Falles" beschäftigt. „Herr Gutjahr erhielt finanzielle Unterstützung auch im Hinblick auf ihm entstandene Prozesskosten“, so weiter.

    Hinsichtlich der Anfeindungen, denen Gutjahr die letzten Jahre ausgesetzt gewesen sei, zeigte sich der Bayerische Rundfunk betroffen:  „Der Hass, der Richard Gutjahr seit drei Jahren im Netz entgegenschlägt, ist beschämend“, heißt es dazu vom BR. „Die Verschwörungstheorien sind absurd, die Drohungen Herrn Gutjahr gegenüber erschütternd.“

    mka/gs

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    öffentlich-rechtliche Sender, Hetze, Journalist, Bayerischer Runkdfunk