09:37 18 Januar 2020
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    Die Schulpflicht gilt bekanntlich von Montag bis Freitag. Seit Fridays for Future sieht das in Deutschland aber nicht jeder Schüler so und demonstriert freitags lieber für den Klimaschutz. Die AfD-Fraktion in der Bezirksverordneten-Versammlung Charlottenburg-Wilmersdorf hat nun in einem Antrag das Nachholen von verpasstem Schulunterricht gefordert.

    „Das Bezirksamt wird gebeten, sich beim Berliner Senat dafür einzusetzen, dass die Schüler und Lehrer, die an Fridays für Future Demos teilnehmen, die Möglichkeit erhalten den ausgefallenen Unterrichtsstoff nachzuholen“, hieß es in dem Antrag, mit dem sich nun der Schulausschuss des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf befassen soll.

    Diese kompensierende Maßnahme begründete die Fraktion wie folgt: „Zu bedenken ist dabei besonders, dass Berlin beim Pisa-Bildungsvergleich nur auf Platz 16 aller Bundesländer liegt. Wir regen an, dass der ausgefallene Unterrichtsstoff sonnabends nachgeholt wird, vorzugsweise von jenen Lehrkräften, welche die Schüler freitags begleitet haben.“

    Laut dem AfD-Fraktionsvorsitzenden Dr. Michael Seyfert ist der Antrag bewusst provokativ formuliert.

    „Dieser Antrag ist bewusst ein wenig provokativ gestellt. Es ist uns schon klar, dass da dann allerhand zu regeln wäre, wenn Schulen an den Sonnabenden geöffnet oder Lehrer dafür abgestellt werden müssten“, räumte der Politiker ein.

    Grundsätzlich wolle die AfD aber schon einen ernsthaften Denkanstoß geben, dass sich die Schulverwaltung mit dem Thema Unterrichtsausfall, zum Teil auch Schulschwänzen, im Zusammenhang mit den Klimademonstrationen auseinandersetze und nicht tatenlos dabei zusehe.

    Dabei zeigte Seyfert für das Engagement der Jugendlichen auch Verständnis: „Ich bin ja selber ein Alt-68er. Wir haben ja auch gegen und für alles Mögliche gestreikt. Protest gegen Vietnam-Krieg war wichtiger als Walther von der Vogelweide.“ Den Schulausfall sieht er allerdings kritisch: „Mit Bestreiken von Unterricht haben wir uns letztlich eher selber geschadet.“

    Samstagsunterricht

    In den alten Bundesländern war bis 1972 jeder zweite Sonnabend schulfrei. Dies wurde im Jahr 1973 geändert. Es gab jedoch Schulen, die dieses System bis zur Wende beibehielten. In der DDR war die Schule am Samstag Pflicht. Dafür gab es insgesamt mehr Ferientage.

    Sowohl in der ehemaligen DDR als auch in den alten Bundesländern gab es an den Sonnabenden verkürzten Unterricht. Dauerte ein normaler Schultag in den oberen Klassen sechs bis acht Stunden, waren es am Sonnabend nur drei bis fünf Stunden.

    Im Jahr 1990 wurde der schulfreie Samstag mit der Wiedervereinigung in allen Bundesländern eingeführt. In den Folgejahren kam die Frage nach einer Wiedereinführung des Samstagsunterrichts immer wieder auf. Einige Lehrer beklagten mitunter, den vorgegebenen Schulstoff in der ihnen zu Verfügung stehenden Zeit nicht vollständig vermitteln zu können.

    Da das Schulsystem den Bestimmungen der einzelnen Länder unterliegt, wurde es einzelnen Schulen frei überlassen, den Unterricht am Samstag wieder einzuführen. Konkrete Pläne diesbezüglich hat es aber bislang nicht gegeben.

    mka/gs

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