16:47 18 Februar 2020
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    In einer Rundmail hat Christoph Dichand, Chef der größten österreichischen Zeitung „Krone“, seine Belegschaft auf Widerstand eingeschworen, angesichts der drohenden Übernahme durch Immobilien-Tycoon René Benko.

    Wer die „Kronen Zeitung“ hat, hat die Macht in Österreich. So viel ist spätestens seit dem Ibiza-Skandal klar. Kein Wunder also, dass die mit Abstand auflagenstärkste Zeitung der Alpenrepublik Begehrlichkeiten weckt und seit Jahrzehnten Gegenstand erbitterter Rechtsstreitigkeiten zwischen den Anteilseignern ist. Zum besseren Verständnis ist ein kurzer Blick in die Geschichte hilfreich.

    Der Kampf um die „Krone“ – Die Vorgeschichte

    Die „Kronenzeitung“ erschien 1900 zum ersten Mal, änderte immer mal wieder ihren Namen und wurde unter den Nazis mit anderen Blättern fusioniert. 1959 kaufte Hans Dichand die Namensrechte und gründete die „Krone“ quasi neu. 1987 kaufte sich die WAZ-Gruppe mit 50 Prozent ein und zwar über ihre „WAZ Ausland Holding GmbH“. Einer der zwei WAZ-Gründer war Jakob Funke. Seit 2013 ist der WAZ-Konzern nach ihm benannt. Allerdings haben bestimmte Tochtergesellschaften ihre WAZ-Namen behalten. So auch die schon erwähnte „WAZ Ausland Holding GmbH“. 2018 kaufte der Immobilien-Unternehmer René Benko 49 Prozent dieser Gesellschaft und ist seither auch mit 24,5 Prozent Minderheitseigner bei „Krone“. Dieser kleine Ausflug in die Geschichte ist notwendig, weil in österreichischen Medien im Zusammenhang mit dem Krone-Übernahmekampf unverändert von der WAZ die Rede, obwohl sich dahinter die Funke-Gruppe verbirgt.

    Der Kampf um die „Krone“ – René Benko greift an

    Nun also greift offenbar der Tiroler Immobilienmilliardär René Benko zusammen mit der Funke-Mediengruppe nach der Macht bei der „Krone“ und damit auch nach der Macht im Kampf um die öffentliche Meinung in Österreich. Benko, der zum engsten Zirkel um Kanzler Sebastian Kurz gehört, könnte die Anteile von Funke komplett übernehmen. Für „Krone“-Chef Christoph Dichand, Sohn des schon erwähnten Hans Dichand, würden in diesem Fall schwere Zeiten anbrechen. Schon mehrfach hatten Benko und der Funke-Verlag versucht, Dichand abzusetzen. Zudem sollen, wenn es nach Benko geht, die großzügigen Vorrechte der Familie Dichand fallen. Wie 1987 vertraglich mit der WAZ geregelt, hat die Familie Dichand in der Redaktion sowohl bei Inhalten als auch bei Posten das alleinige Sagen. Auch finanziell ist die „Krone“ für die Familie ein lohnendes Geschäft: Unabhängig davon, ob die Zeitung Gewinn abwirft, bekommen sie jährlich einen Millionenbetrag zugesprochen. 

    Viel zu verlieren also für die Dichands. Und verständlich die Angst vor der feindlichen Übernahme, die sich jetzt bei ihnen ausbreitet. Denn die Funke-Gruppe hat Anfang des Jahres bei der österreichischen Wettbewerbsbehörde angemeldet, die alleinige Kontrolle bei der „Krone“ zu übernehmen. Ihr Argument: Die Anteile der vier Dichand-Erben betragen jeweils 12,5 Prozent. Macht eigentlich summa summarum 50 Prozent. Weil aber nach Ansicht der Funke-Anwälte halbe Prozentpunkte nicht zählen, kämen die Dichand-Erben zusammen auf nur 48 statt 50 Prozent. Dadurch wäre ihr Anteil geringer als der von Funke und Benko. Die Familie Dichand und ihre Anwälte sind verständlicher Weise anderer Ansicht, und in einer Rundmail an die Mitarbeiter gibt sich Christoph Dichand kämpferisch:

    „Natürlich, wie so oft bei solchen Winkelzügen, wird juristisches Neuland beschritten und ist eine solche kaltblütige Enteignung wohl nicht durchsetzen", so Dichand. "Ich und meine Familie sind jedenfalls vorbereitet und werden sämtliche Abwehrmaßnahmen ergreifen."

    Im Oktober 2018 hatte das noch ganz anders ausgesehen. Damals hatte Christoph Dichand den Sieg fast in der Hand: Er stand kurz davor, die vollen 100 Prozent an der „Krone“ zu erwerben. Der Plan, die Funke-Anteile zurück in die Familie zu holen, schien fast in trockenen Tüchern, doch man wurde sich über den Preis nicht einig. Für 50 Prozent der Krone-Anteile war Dichand bereit, 50 Millionen Euro zu zahlen. Der Funke-Gruppe war das zu wenig – sie wollte 120 Millionen.

    Der Kampf um die „Krone“ – René Benko könnte sich verrechnet haben

    Nachdem der geplante Deal kurzerhand von der Funke-Gruppe abgeblasen wurde, brachte sich Benko ins Spiel. Mit kolportierten 80 Millionen Euro kaufte er, wie bereits erwähnt, der Funke-Gruppe 49 Prozent ihrer Anteile ab.  Doch das sei ein rechtlich nicht zulässiger Deal, wie ein Dichand-Anwalt Anfang November 2018 betonte:

    „Der Kauf von 49 Prozent der WAZ-Anteile an Benko ist rechtlich nicht zulässig. Wenn Dichand klagt, und das wird er wohl tun, wird der Kauf der 49 Prozent durch Benko rückabgewickelt werden müssen oder die WAZ verliert ihre gesamten Anteile an ­Dichand. Dann wäre er der ­große Sieger.“

    Die WAZ Ausland Holding wiederum erklärte, der Deal sei aus ihrer Sicht zulässig und es bestehe für Dichand kein Anlass zur Klage.

    Schon als Benko als kleiner Miteigentümer bei der „Krone“ eingestiegen war, gaben sich Insider überzeugt: Da kommt noch mehr. „oe24.at“ zitierte Mitte November 2018 einen solchen Insider mit den Worten:

    „Jeder, der René Benko kennt, weiß, dass Minderheitsbeteiligungen für ihn kein Ziel sind. Benko will langfristig ­sicher die Mehrheit der Krone erobern – wenn geht 100 %.“

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    Tags:
    Funke-Mediengruppe, Sebastian Kurz, Kronen Zeitung, Österreich