13:30 09 August 2020
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    Raubzug im Grünen Gewölbe (17)
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    Die israelische Sicherheitsfirma CGI behauptet, ihr seien im sogenannten Darknet zwei der wichtigsten geraubten Schmuckstücke aus dem Dresdner Grünen Gewölbe angeboten worden. CGI will im Auftrag der beraubten Staatlichen Kunstsammlungen handeln. Das weist der Dresdner Museumsverbund zurück.

    Die Sicherheitsfirma CGI wurde 1989 gegründet und wird von Ja’akov Peri, dem ehemaligen Leiter des israelischen Inlandgeheimdienstes Shin Bet, geleitet. In einem Fernsehinterview mit dem öffentlich-rechtlichen Senderverbund ARD behauptet Peri nun, dass seiner Firma in mehreren Emails Teile des Dresdner Raubgutes zum Kauf angeboten wurden. Nach einigem Hin und Her wurden die anonymen Anbieter schließlich konkret und offerierten den Bruststern des Polnischen Weißen Adler-Ordens und die Epaulette mit dem Sächsischen Weißen aus der Brillantgarnitur.

    Alleine der fast 50 Karat schwere, als „Sächsischer Weißer“ bekannte Edelstein ist von unschätzbarem Wert, aber der eigentliche, der kunsthistorische Wert der Schmuckstücke ist in Geld gar nicht auszudrücken. Peri erklärte in dem ARD-Interview, als Preis für das Kaufangebot waren 9 Millionen Euro gefordert worden, zahlbar in der Kryptowährung Bitcoin. Die Echtheit und Plausibilität des Email-Verkehrs konnte die Firma CGI bislang nicht verifizieren. Den kompletten Vorgang habe seine Firma der Dresdner Staatsanwaltschaft übergeben. Überdies bekräftigte Peri in dem Interview:

    „Wir wurden von einer Anwaltskanzlei beauftragt, die den Verwaltungsrat des Museums vertritt.“

    Staatliche Kunstsammlungen und Staatsanwaltschaft dementieren Beauftragung der Firma CGI

    Zuvor hatte er angegeben, im direkten Auftrag des Museums gehandelt zu haben, was die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Marion Ackermann, auf Nachfrage des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) dementierte:

    „Wir haben als SKD keinen Auftrag erteilt an die israelische Sicherheitsfirma, weder ich noch der Vorstand. [...] Der MSU, so heißt der übergreifende Freundeskreis der SKD, kann auch dementieren, dass ein Auftrag ergangen ist. Es kann im Prinzip sein, dass irgendein Freundeskreis, ein Unterstützerkreis eines anderen Museums weltweit, dass irgendeine Privatperson aktiv geworden ist. Das weiß ich nicht und dazu kann ich nichts sagen.“

    Dementis kamen auch von der Staatsanwaltschaft Dresden. Es könne sein, dass „die Firma möglicherweise von einer dritten Person oder Firma beauftragt worden ist, das wissen wir nicht. Ich kann nur sagen, dass wir es nicht waren“, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Lorenz Haase. CGI-Chef Ja’akov Peri hatte unter anderem auch behauptet, ein Mitarbeiter der Kunstsammlungen mit den Räubern gemeinsame Sache gemacht habe, wollte Haase weder bestätigen noch dementieren, sondern zog sich auf Ermittlungstaktik zurück: „Wir ermitteln weiterhin in alle Richtungen. Welche konkreten Ermittlungen wir führen, kann ich leider nicht mitteilen.“

    Betrüger oder Trittbrettfahrer am Werk?

    Haase äußerte überdies Zweifel an der Wahrheitsliebe von CGI, die widersprüchliche Aussagen gemacht habe. Dass Firmenchef Ja’akov Peri ein übles Spiel mit den Dresdner Museen spielen oder in besonders naiver Weise Betrügern aufgesessen sein könnte, ist nicht auszuschließen, selbst Peri schließt in seinem ARD-Interview die Möglichkeit eines Betruges nicht aus, um an die ausgelobte Belohnung für die Wiederbeschaffung der Schmuckstücke heranzukommen. Allerdings ist Ja’akov Peri kein Amateur, sondern das Gegenteil. Von 1988 bis 1995 leitete er den als sehr effizient und professionell geltenden israelischen Inlandsgeheimdienst Shin Bet.

    Internationale Berühmtheit erlangte Peri 2012 durch seine Mitarbeit am Dokumentarfilm „Töte zuerst“, der 2013 auch im deutschsprachigen Fernsehen ausgestrahlt und für einen Oscar nominiert wurde. Die aufsehenerregende Dokumentation besticht durch die Aussagen von sechs ehemaligen Shin Bet-Direktoren, die sich zu ethischen Fragen der israelischen Okkupation der Palästinensergebiete, der Anwendung von Folter und der von israelischen Regierungen in Auftrag gegebenen Ermordungen von Staatsfeinden und den dabei getöteten oder verletzten von Unbeteiligten äußern.

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