05:22 19 Januar 2020
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    Am Montag ist das „Unwort des Jahres 2019“ gekürt worden. Diesjähriger Gewinner des Negativpreises ist der Ausdruck „Klimahysterie“, der laut Begründung der Jury das Engagement für die Umwelt als eine Art kollektiver Psychose pathologisiere.

    Wie kaum ein anderes Phänomen hat die Klimadebatte das vergangene Jahr geprägt. Greta Thunberg und die Proteste von „Fridays for Future“ und „Extinction Rebellion“ haben das Thema auf die Straßen und in die Köpfe gebracht, die viel zu milden Wintertemperaturen in Europa einerseits und die verheerenden Buschbrände in Australien andererseits am eigenen Leib erlebbar gemacht. Auch in unserer Sprache hat die Klimadebatte, positiv wie negativ, Einzug gehalten.

    „Klimahysterie“ ist das „Unwort des Jahres 2019“, wie am Montag bekanntgegeben wurde. Zur Begründung heißt es, mit diesem Ausdruck würden Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung diffamiert und wichtige Debatten zum Klimaschutz diskreditiert werden. Der Ausdruck pathologisiere pauschal das zunehmende Engagement für den Klimaschutz als eine Art kollektiver Psychose. „Vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Klimawandel ist das Wort zudem irreführend und stützt in unverantwortlicher Weise wissenschaftsfeindliche Tendenzen“, heißt es in der Pressemitteilung zum „Unwort des Jahres 2019“.

    Als „Unwörter im Jahr 2019“ kritisiert die Jury zudem gesondert die Ausdrücke „Umvolkung“ und „Ethikmauer“. Der neue AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla habe in einem ZDF-Interview von „Umvolkung“ gesprochen. Die Jury betont, dies sei ein „Schlüsselbegriff einer rechtsextremen Verschwörungstheorie“, die behaupte, es gebe einen geheimen Plan der Eliten, die weiße Bevölkerungsmehrheit in Europa, Australien, Neuseeland und den USA durch nicht-weiße Einwanderer auszutauschen. Diese Theorie sei nicht nur fester Bestandteil der Ideologie der AfD, sondern habe auch dem Massenmörder von Christchurch als Legitimationsgrundlage für seine Verbrechen gedient. „Ethikmauer“ wiederum gehe auf einen Kommentar in der Zeitung „Die Welt“ zurück und beziehe sich auf moralische Bedenken bei der Genforschung. In der Diskussion um die japanische Forschung zur Züchtung menschlicher Organe in Tieren zu therapeutischen Zwecken könne man sich nicht hinter einer Ethikmauer verstecken, so der Autor damals. Die Einsenderin des Unwortes kritisierte, mit dieser Wortwahl werde „jede ernsthafte Auseinandersetzung mit ethischen Grundsatzfragen als Fortschrittsverweigerung diskreditiert“.

    Die Häufigkeit der Einsendungen bedeutet nicht automatisch, dass ein Wort in die engere Wahl zum „Unwort des Jahres“ kommt. Laut der offiziellen Pressemitteilung zum „Unwort des Jahres“ 2019 erreichten die Jury insgesamt 671 Einsendungen mit 397 verschiedenen Ausdrücken, wovon lediglich knappe 50 den Kriterien der Jury entsprachen. „Klimahysterie“ fand sich dabei nicht bei den am häufigsten vorgeschlagenen Wörtern. Mit 22 Einsendungen führte der Ausdruck „Verschissmus“ die Rangliste an. Dahinter rangierten „Deals“ (16), „Umweltsau“ (16), „Alte weiße Männer“ (13), „Verschmutzungsrechte“ (11), „Klimaleugner“ (10), „LKW-Vorfall“ (10) und „Flugscham“ (10). Demgegenüber kam der Gewinner „Klimahysterie“ auf gerade einmal neun Einsendungen.

    Die Aktion „Unwort des Jahres“ ist institutionell unabhängig und ehrenamtlich. Der Jury besteht aus den Sprachwissenschaftlern Prof. Dr. Nina Janich (TU Darmstadt), Prof. Dr. Sven Roth (Universität Magdeburg), Prof. Dr. Jürgen Schiewe (Universität Greifswald) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Universität Trier) sowie dem Autor und freien Journalisten Stephan Hebel. Als jährlich wechselndes Mitglied war in diesem Jahr zudem der Kabarettist Urban Priol dabei. Jeder Bürger kann Unwortvorschläge unter Angabe der Quelle einsenden. Mit der Aktion soll ein sprachkritischer Blick auf Formulierungen in der öffentlichen Debatte gerichtet werden, die „gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen“. Zu den Unwörtern der letzten Jahre gehörten „Anti-Abschiebe-Industrie“ (2018), „Alternative Fakten“ (2017), „Volksverräter“ (2016), „Gutmensch“ (2015) und „Lügenpresse“ (2014). Zum „Unwort des 20. Jahrhunderts“ wurde „Menschenmaterial“ gekürt.

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    Tags:
    Unwort, Klimaschutz, Klimawandel, Greta Thunberg