04:24 24 Februar 2020
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    Eine Bombenentschärfung der besonderen Art: Nur wenige Anwohner müssen am Dienstag in Köln ihre Wohnungen verlassen – aber 10.000 Beschäftigte räumen ihre Büros. Auch in Berlin wird eine Weltkriegsbombe gefunden.

    Für die Entschärfung einer Weltkriegsbombe sind in Köln Bürokomplexe evakuiert, Züge gestoppt und Fernsehsendungen von der Straße aus moderiert worden. Rund 10.000 Beschäftigte mussten am Dienstag deswegen ihre Arbeitsplätze verlassen, oder sie blieben gleich im Homeoffice. Die am Montag bei Bauarbeiten entdeckte Bombe lag am rechten Rheinufer in einer Gegend mit vielen Firmenzentralen – eine davon war das Sendezentrum von RTL.

    Am Mittag wurde die Bombe von Sprengstoffexperten binnen 25 Minuten unschädlich gemacht. Die Entschärfung sei „nicht einfach” gewesen, sagte Stefan Höreth vom Kampfmittelbeseitigungsräumdienst in einem RTL-Interview.

    „Die Bombe fällt aus mehreren 1000 Metern runter, und wenn da das Gewinde des Zünders ein wenig gestaucht ist, dann haben wir schon Probleme, den zu entfernen.”

    Die Bombe habe senkrecht im Boden gestanden. Alte Uferbefestigungen und Basaltsteine hätten die Ausgrabung erschwert.

    Im Sperrkreis von 500 Metern lagen Wirtschaftsunternehmen, die Oper Köln und der Landschaftsverband Rheinland. Es waren aber nur 15 Anwohner betroffen. Der RTL-Nachrichtensender n-tv sendete als Folge der Evakuierung „open air” vom Rheinufer. Auch bei RTL selbst wurde der Sende- und Produktionsbetrieb aufrechterhalten. Katja Burkard (54) musste für die Moderation ihres Mittagsjournals „Punkt 12” kurzerhand nach Berlin umziehen.

    „Alles ganz anders als in Köln”, berichtete sie in einem kurzen Video auf Twitter.

    Auch der Bahnverkehr war beeinträchtigt. Am für den Fern- und Nahverkehr wichtigen Bahnhof Köln Messe/Deutz hielten seit 9.00 Uhr keine Züge mehr. Für die Dauer der Entschärfung musste auch die nahe Hohenzollernbrücke – ein Nadelöhr im Bahnverkehr – gesperrt werden. Insgesamt seien 23 Züge ganz oder teilweise ausgefallen, sagte ein Bahnsprecher.

    Blindgänger von Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs werden die Kampfmittelräumdienste in Nordrhein-Westfalen noch jahrzehntelang beschäftigen. Etwa die Hälfte der Luftattacken gegen Nazi-Deutschland konzentrierte sich auf das heutige NRW – wegen der damals überragenden industriellen Bedeutung des Ruhrgebiets, aber auch wegen der geografische Nähe westdeutscher Städte zu England. Experten für Kampfmittelräumung gehen davon aus, dass sie bislang nur etwa ein Fünftel bis ein Sechstel dieser Blindgänger entfernt haben.

    Auch in der Nähe des Roten Rathauses in Berlin wurde eine Weltkriegsbombe entdeckt. Experten des Kampfmittelräumdienstes rückten am Dienstag an, Polizisten sperrten den Bereich um den Fundort auf einer Baustelle ab. Wie ein Polizeisprecher sagte, sollte die 250-Kilo-Bombe noch im Lauf des Tages entschärft werden. Im Sperrkreis von 500 Metern um den Fundort befänden sich unter anderem das Rote Rathaus, der Fernsehturm und Teile des historischen Nikolaiviertels.

    Bombenentschärfung in Berlin gegen 23.30 Uhr beendet

    Die Entschärfung der Weltkriegsbombe nahe dem Alexanderplatz in Berlin-Mitte soll gegen 23.30 Uhr am Dienstagabend beendet sein. Die Polizei twitterte, die Entschärfer vom Landeskriminalamt könnten gegen 23.00 Uhr mit ihrer Arbeit beginnen. Zuvor hieß es, die eigentliche Entschärfung der 250-Kilo-Bombe werde etwa 30 Minuten dauern.

    „Mit ein wenig Glück können Sie also noch vor Mitternacht in Ihre Wohnungen zurückkehren”, so die Polizei.

    Eine Notunterkunft im Rathaus des Bezirks Mitte war am Abend komplett voll.

    „Um mehr Menschen während der Evakuierung unterzubringen, werden jetzt der BVV-Saal und weitere Sitzungsräume freigeräumt”, twitterte die Polizei.

    1900 Menschen sollten ihre Wohnungen in elf großen Mietshäusern nahe dem Alexanderplatz verlassen. Die 250-Kilo-Bombe war am Vormittag bei Bauarbeiten beim Alten Stadthaus gefunden worden.

    ng/dpa

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