SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    2973423
    Abonnieren

    „Sir, wir haben Anzeichen für Aktivitäten russischer Kampfjets.“ Mit dieser Meldung vom Lagezentrum CIS an die Brücke brach auf dem Flugzeugträger „Kitty Hawk“ das Chaos aus. Russische Jagdbomber waren im Anflug.

    „Es war wie bei Top Gun! 40 Minuten nach der Warnung krachten russische Su-24 und Su-27 in nur 60 Metern Höhe mit über 900 km/h an unserem Flugdeck vorbei.“ Das sagt ein Offizier, der am Morgen des 17. Oktober 2000 Dienst hatte auf der Brücke der USS „Kitty Hawk“ und aus direkter Nähe erlebte, wie russische Marineflieger die US Navy vorführten.

    40 Minuten waren zwischen den „Anzeichen für Aktivitäten“ und dem Tiefflug der Russen über dem amerikanischen Flugzeugträger vergangen. Natürlich hatte der Captain sogleich den Einsatz von Abfangjägern befohlen, aber das CIS meldete: „Bereitschaft 30“. Heißt: Abfangjäger können erst 30 Minuten nach der Warnung starten.

    „Bringt alles in die Luft, was wir haben!“ soll der Captain laut dem Augenzeugen geschrien haben.

    Am Anfang war ein Pannenflieger

    Die Suchoi Su-24 hatte keinen leichten Start ins Dienstleben. Vor ziemlich genau 50 Jahren hob der erste Jagdbomber dieses Typs zum Erstflug ab. Vorangegangen waren Tests mit Pannen und Unfällen. Selbst danach, bei der Übergabe einer der der ersten Serienmaschinen, kam es zur Tragödie: Das Flugzeug fing Feuer und brannte innerhalb weniger Sekunden aus. Der Systemoffizier starb.

    US-Flugzeugträger USS „Kitty Hawk“ (Archivbild)
    US-Flugzeugträger USS „Kitty Hawk“ (Archivbild)

    Es hatte gedauert, bis die Unglücksursache gefunden war. Wegen eines Konstruktionsfehlers traten dort Reibungen auf, wo keine auftreten durften: Die Titanschaufeln des Triebwerks entzündeten sich und setzten in Sekundenschnelle alles um sich herum in Brand. Titan verbrennt bei 3.000 Grad.

    Als Mission war für die Su-24 ursprünglich vorgesehen, ein Einzelziel der NATO mit einer einzigen taktischen Atombombe zu bekämpfen. Ein starkes Flugabwehrradar zum Beispiel oder einen Startplatz für ballistische Raketen. Die NATO war in den Siebzigerjahren eifrig dabei, solche Objekte überall in Europa zu stationieren.

    Das Einsatzprofil wurde später erweitert: Ausgerüstet mit einem Geländefolgeradar, konnte die Su-24 Ziele mit Überschalltempo im Tiefflug bombardieren. Die geringe Flughöhe schützte vor dem Radar. Beachtlich war auch der Einsatzradius des Jagdbombers: Von einem Flugplatz im Baltikum oder in der DDR aus wäre ganz Europa zu erreichen gewesen, einschließlich Englands.

    Diese Fähigkeiten – Tempo im Tiefflug – setzte die Su-24 auch an jenem 17. Oktober ein, über der „Kitty Hawk“. Der Flugzeugträger war auf der Überfahrt zwischen Japan und Korea. Ein Versorger betankte den Flugzeugträger gerade, als die russischen Kampfjets tief darüber rasten. Bei einem Kampfeinsatz hätte dies den sicheren Untergang des Flugzeugträgers bedeutet...

    „Die Russen hatten noch zwei Runden im Tiefflug gedreht, bevor wir das erste Flugzeug starten konnten. Eine Prowler! Ja, eine EA-6B Prowler – ein unbewaffnetes Flugzeug, einer gegen einen mit einer Su-27!“, erinnert sich der Offizier von der Brücke. „Die Suchoi hatte sich an die Prowler drangehangen, als endlich eine F-18 starten konnte. Im Einsatzfall wäre es längst zu spät gewesen.“

    Den Einsatz über der „Kitty Hawk“ flogen Seeaufklärer vom Typ Su-24MR in Begleitung von Kampfjets Su-27. Gestartet waren die Maschinen auf dem Fliegerhorst Warfolomejewka nahe Wladiwostok, Heimbasis des 799. Sonderaufklärungsregiments.

    Auf den Luftaufnahmen, die die Aufklärer damals machten, ist zu sehen, wie die Mannschaft des Flugzeugträgers versucht, das Flugdeck und die Flugzeuge startklar zu machen. Das Treiben wirkt, als wären die Männer in Panik. Vier Tage nach dem Einsatz erhielt der Captain der „Kitty Hawk“ die Bilder per Mail, von einem unbekannten Absender.

    Der US-Flugzeugträger „Kitty Hawk“ von Bord der Su-24MR fotografiert:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Wiener Polizistin sorgt mit ihren Parkkünsten für Lacher im Netz – Video
    Sachsen kündigt Wende bei Corona-Einschränkungen an
    US-Kriegsschiff holt Drohne mit Laser-Kanone vom Himmel – Video
    Zum Schutz vor Diversanten: Russische und syrische Militärs absolvieren Manöver im Hafen von Tartus
    Tags:
    Flugzeugträger, Tiefflug, USA, Su-24