05:35 29 Februar 2020
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    Am Tag nach dem Vorfall erklärte Russlands damaliger Präsident Boris Jelzin vor der Presse, er habe den „kleinen schwarzen Aktenkoffer mit dem Knopf“ aktiviert, während die Armeeführung den Flug der „Rakete aus Norwegen“ überwacht habe. In den letzten Januartagen 1995 wurden russische Raketentruppen in volle Gefechtsbereitschaft versetzt.

    Die Black Brant XII sollte Ausrüstung in den Erdorbit bringen, um das Polarlicht zu untersuchen. Eine Forschergruppe war auf der Insel Andøya im Norden Norwegens rund einen Monat vor dem Vorfall damit beschäftigt, die Trägerrakete auf den Start vorzubereiten. Von der Größe, der Form und vom Flugverhalten her war der Flugkörper fast genauso wie eine ballistische Rakete Trident II, die die US-Amerikaner auf ihren U-Booten führten.

    Das norwegische Verteidigungsministerium war angewiesen, die Nachbarländer über den geplanten Start der Rakete zu benachrichtigen: Zwischen 15. Januar und 10. Februar 1995 sei mit dem Raketenflug zu rechnen, hieß es. Aber wann genau? – das sollte das Verteidigungsministerium nicht verraten.

    Die Rakete startete wie geplant, um 7 Uhr morgens GMT. In Moskau war es 10 Uhr. Alles verlief planmäßig: die Black Brant XII erreichte bald nach dem Start die vorgegebene Flugroute in 1.500 Kilometern Höhe.

    Bei einem Angriff gegen Russland würden ballistische Raketen die gleiche Flughöhe nutzen – so viel hatte die russische Militärführung errechnet. Auch gingen die Russen davon aus, dass zunächst ein Flugkörper kommen würde, der mittels elektromagnetischer Strahlung die russischen Frühwarnanlagen stören und einen Gegenschlag verhindern würde.

    Der diensthabende Offizier auf russischer Seite meldete an die Führung, in Norwegen sei ein Raketenstart erfolgt. War der Flugkörper zivil oder militärisch? Das ist nicht zu unterscheiden, besonders im Erststadium des Flugs. Zeit nachzudenken, stand dem Militär in Russland nicht zur Verfügung. Die Offiziere trafen die in dieser Lage einzig richtige Entscheidung: Handeln nach festgelegtem Ablaufplan, wie zigfach trainiert.

    Sofort erging eine Meldung nach Moskau, Minuten später waren drei Steuerpults für das Leitsystem der strategischen Raketentruppen aktiviert: die sog. Atomkoffer des Verteidigungsministers, des Generalstabschefs und des Oberbefehlshabers der russischen Armee  - des Präsidenten Boris Jelzin.

    Was genau danach geschah, bleibt bis heute ungeklärt. Aber nach wenigen Minuten erhielt Jelzin exaktere Angaben von den Raketentruppen. Die Atomkoffer wurden deaktiviert. Der Vorfall war das einzige Mal, dass die russische Führung die Atomkoffer freischaltete. Nie zuvor war die Welt näher am Atomkrieg gewesen als im Januar 1995.

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    Tags:
    Boris Jelzin, Atomkrieg, Russland, Norwegen