01:25 28 Februar 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    64436104
    Abonnieren

    Für die West-Alliierten war sie der „Unsichtbare Terror von Ostpreußen“. Für die Truppen von Nazi-Deutschland muss sie der pure Horror gewesen sein. Vor 75 Jahren starb Rosa Schanina, eine der ersten Scharfschützinnen, die mit einem Ehrenorden ausgezeichnet wurden.

    17 Tote aufseiten der Wehrmacht im ersten Dienstmonat, 59 bis 75 (je nach Schätzung) tote Wehrmachtssoldaten und -offiziere in knapp einem Jahr – davon 12 Scharfschützen. Weiter kam Rosa nicht: Noch vor Kriegsende erlag sie einer Splitterverletzung.

    Westliche Zeitungen nannten die junge Frau aus Archangelsk den „Unsichtbaren Terror von Ostpreußen“ (Unseen Terror Of East Prussia). Sowjetische Armeeblätter waren schärfer im Urteil: „Nimm dir ein Beispiel an Rosa Schanina – kein Schuss ohne toten Nazi!“ lautete eine Beschriftung zum Foto der Scharfschützin.

    Die großgewachsene blauäugige Blondine war gerade 19 geworden, als sie sich in Archangelsk freiwillig an die Front meldete. Der Beruf der Erzieherin könne warten, bis wieder Frieden herrsche, dachte sie sich wohl. Ihre drei Brüder waren noch zu Kriegsbeginn an der Front gefallen ...

    Die Sniper-Schule für Frauen, der Rosa zugeteilt worden war, absolvierte sie 1944 –„hervorragend“. Auf die angebotene Ausbilderstelle verzichtete sie und zog in einer Fraueneinheit an die vorderste Kampflinie. Im Verband der 3. Weißrussischen Front war sie beteiligt an der Befreiung von Witebsk, Vilnius, Kaunas – marschierte schließlich in Ostpreußen ein.

    Dort kämpfte sie nicht nur aus dem Hinterhalt:

    „8. August. Bin zufällig hinter meinen Zug zurückgefallen, habe ihn auch gar nicht mehr gesucht. Man hatte mir gesagt, es ist kein Verbrechen, aus dem Hinterland an die Vorderlinie zu kommen. Ich wusste doch auch, dass unser Ausbildungszug nicht in die Offensive geht, sondern sich nur hinterherschleppen wird. Aber ich musste es einfach wissen, wie es an der Front ist, wie es im echten Krieg zugeht. Also folgte ich dem Bataillon und kam noch am selben Tag ins Gefecht. Neben mir fielen Menschen. Ich schoss, und zwar erfolgreich. Dann konnte ich noch drei Kerle gefangen nehmen, drei große Faschisten. Wie glücklich ich doch bin!“

    Das hatte die inzwischen 20-jährige Rosa in ihr Tagebuch geschrieben, das man nach ihrem Tod in ihren Sachen fand. Am 27. Januar 1945 hatte ein Splitter in ihre Brust eingeschlagen, als Rosa gerade einen schwerverletzten Artilleristen deckte. Am Tag darauf erlag die junge Frau dieser Verletzung im Krankenhaus.

    Beigesetzt wurde Rosa Schanina in der Gedenkstätte für sowjetische Soldaten in Snamensk (ehem. Wehlau). Eine Straße in Archangelsk wurde nach ihr benannt. Seit kurzem ziert ein Großporträt von Rosa eine Hauswand im Stadtzentrum von Gwardejsk (Gebiet Kaliningrad): Der Künstler Gleb Michailow hat die junge Frau mit einem Scharfschützengewehr, zwei Ehrenorden und einer Tapferkeitsmedaille abgebildet.

    Das Porträt ist eines der sieben Graffitis, die in den Städten und Ortschaften im Gebiet Kaliningrad entstanden sind, im Rahmen des Street-Art-Projekts „Die ganze Welt kennt ihr Gesicht“.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Idlib: Türkische Militärs unter Beschuss geraten – neun Tote
    Syrische Luftverteidigung wehrt türkische Angriffsdrohne in Idlib ab
    Nach Tötung Soleimanis: Abgeordnete der Linksfraktion stellen Strafanzeige gegen Merkel
    Tags:
    Scharfschützin, Königsberg, UdSSR, Sowjetunion, Zweiter Weltkrieg