20:25 25 Februar 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    1210
    Abonnieren

    Unbekannte haben in einem Treppenschacht der Berliner U-Bahnlinie U9 ein vollständiges Büro eingerichtet. Die Aktion soll vermutlich auf das Ausziehen der CDU aus ihrer Landeszentrale anspielen. Die BVG tritt dieser Aktion nicht sonderlich freundlich entgegen – Eine Anzeige gegen die unbekannten Künstler wurde schon am Dienstag erstattet.

    Am Dienstag soll die BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) eine Kunstaktion in einem U-Bahn-Schacht der Linie U9 entdeckt haben. Ein ganzes Büro wurde eingerichtet in diesem Schacht – samt Eckschreibtisch, zwei Computern, Druckern, Büchern und gar einer angeschalteten Schreibtischlampe. Dies berichtet die „Berliner Zeitung“. Besonders auffällig sei ein Plakat, welches über dem Schreibtisch neben einer Karte Berlins hängte. Darauf abgebildet war der CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak mit dem Slogan: „Gegen Mietendeckel klagen“. Allerdings sei das „gegen“ rot durchgestrichen, schreibt die lokale Berliner Zeitung „Der Tagesspiegel“.

    Посмотреть эту публикацию в Instagram

    Публикация от Rocco and his brothers (@rocco_and_his_brothers)

    Das Plakat sei zwar eine Fälschung, doch der Slogan existiere und wurde für eine Social-Media-Kampagne von Luczak verwendet. Es findet sich somit ein klarer Verweis auf die Wohnungsnot der Hauptstadt und die Diskussionen um den Mietendeckel. Die Berliner Medien gehen davon aus, dass diese Kunstaktion eine Anspielung auf den geplanten Umzug der CDU-Landeszentrale sei. Die Abgeordneten der CDU müssen aufgrund der hohen Mieten ihr Gebäude verlassen, da diese sich in den letzten zehn Jahre verdreifacht hätte, so der „Tagesspiegel“.

    Strafanzeige gegen Hausfriedensbruch

    Vermutet wird, dass das Büro von Sonntag- auf Montagnacht eingerichtet wurde. Dies sagt die BVG-Sprecherin Petra Nelken dem „Tagesspiegel“. Zu diesem Entschluss kam man vor allen Dingen, weil man das Büro sauber und abgestaubt vorfand – was nicht der Fall wäre, wenn man es schon vor längerer Zeit dort aufgebaut hätte. Die BVG hätte ebenfalls bestätigt, dass eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt werden würde. Die Videoaufnahmen des Schachtes würden derzeit ausgewertet werden.

    Unter anderem sei das Abstellen von Gegenständen in diesem Bereich verboten, da es aufgrund des Funkenflugs leicht zum Entzünden der Möbel kommen könnte. Die Möbel wurden deswegen laut dem „Tagesspiegel“ sofort aus dem Schacht entfernt, um unnötige Brandgefahr zu vermeiden.

    Fortsetzung einer alten Idee?

    An genau demselben Ort, wo nun das U-Bahn-Büro stand, hatte man im Jahr 2016 ein ganzes Schlafzimmer aufgebaut. In einer Aktion gegen den fehlenden Wohnraum hatten ebenfalls erstmal unbekannte Künstler ein ganzes Schlafzimmer eingerichtet in diesem U-Bahn-Schacht. Mit Tapete, Bett und einem Fernseher symbolisierte dieses Zimmer die herrschende Wohnungsnot in der Großstadt.

    Dazu bekannt hatte sich damals das Künstlerkollektiv „Rocco und seine Brüder“. In einem Video zeigen sie ihren Vorgang: Mit selbstbedruckten BVG-Sicherheitswesten transportierten sie die Möbel und Tapete vor den Augen der Öffentlichkeit über die U-Bahn-Station zum Schacht. Sie selbst haben das Video samt einer kleinen Beschreibung auf ihrer Webseite veröffentlicht.

    Auf die Anfrage des „Tagesspiegels“, ob nicht auch sie hinter der Büro-Aktion steckten, fiel ihre Antwort eher vage aus: Man solle sich an die „Vormieter“ wenden, da diese ja ebenfalls „verdrängt“ wurden. „Genau wie die CDU“. Genauere Angaben gab das Kollektiv nicht, nur die Anmerkung, dass es spannender sei, nicht alles auszusprechen und gleich zu „entromantisieren“. So zitiert sie der „Tagesspiegel“. Dennoch auffällig war, dass „Rocco und seine Brüder“ in der gleichen Nachricht auch Bilder vom Büro schickten. Bisher haben sich „Rocco und seine Brüder“ noch keine öffentliche Aussage im Zusammenhang mit dem U-Bahn-Büro getätigt.

    lm

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Schluss mit „Eure Armut kotzt uns an“ – Berlin zählt seine Obdachlosen
    Hackerangriff auf Kammergericht Berlin - Wer war’s? Genau…
    Rotes Rathaus statt Bundestag: Giffey soll Berliner SPD und Bürgermeisterposten retten
    Tags:
    Kunst, CDU/CSU, CDU, Büro, BVG, U-Bahn-Station, U-Bahn, Vandalismus