02:50 02 April 2020
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    An deutschen Fahrschulen wird jede siebte theoretische Fahrprüfung auf Hocharabisch absolviert – nach Deutsch ist das somit die meist gewählte Prüfungssprache. Das ergab laut der „Welt am Sonntag“ eine Statistik von TÜV und Dekra.

    Demnach wurden seit dem Jahr 2016 mehr als 425.000 Prüfungen auf Hocharabisch absolviert. Im Jahr 2019 hätten solche Prüfungen rund die Hälfte aller fremdsprachigen Tests ausgemacht – 131.822 von insgesamt 273.206 Prüfungen. Im Hinblick auf alle Führerscheintests, also auch jene, die in Deutsch abgelegt worden seien, entspreche das 15 Prozent. In der Rangliste der Fremdsprachen würden Englisch (33.758), Türkisch (28.692) und Russisch (27.655) folgen.

    Diese Entwicklung sei vor allem auf das deutsche Verkehrsrecht und auf den Zuzug von Migranten zurückzuführen: Wer aus einem Nicht-EU-Land nach Deutschland zieht, muss in der Regel hier noch einmal die Fahrprüfungen ablegen, um seinen Führerschein zu nutzen. Eine Ausnahme bestehe, wenn es mit dem Ausstellerstaat ein entsprechendes Anerkennungsabkommen gebe. Allerdings treffe das nicht auf die typischen Herkunftsländer von Flüchtlingen zu.

    Jeder Zweite fällt durch

    Laut Dieter Quentin, dem Vorsitzenden der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, dürften die meisten Arabisch-Prüflinge aus dem Ausland somit keine Fahranfänger sein. Dennoch würden sich viele von ihnen mit Fahrstunden intensiv auf die Prüfung vorbereiten.

    Das sei auch nötig, denn „die Anforderungen an das komplexe Verkehrsverhalten in Deutschland sind andere als beispielsweise in Nordafrika“, so Quentin weiter. Anders als die Theorie stelle die praktische Prüfung eine hohe Hürde dar.

    „Fast jeder Zweite fällt in der praktischen Prüfung durch, auch weil die Prüfungssprache dann Deutsch ist und die Schüler die Anweisungen des Prüfers verstehen müssen.“

    Wichtiger Schritt in den Arbeitsmarkt

    Mathias Rüdel, der Chef der Arbeitsgemeinschaft Technische Prüfstelle von TÜV und Dekra, bezeichnete die Ergebnisse der Statistik „als einen Ausdruck der Integration fremdsprachiger Personen in unsere Gesellschaft“.

    Allerdings verwies er darauf, dass es im Straßenverkehr in erster Linie auf die Fahrkompetenz ankomme:  „Im Straßenverkehr geht es um die sichere Anwendung von Fahrkompetenz – die Sprache spielt dabei eine untergeordnete Rolle.“

    Auch die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt ist für Rüdel ein wichtiger Grund, weshalb viele Ausländer ihre Führerscheinprüfung machen. 

    „Die Fahrerlaubnis ist ein wichtiger Schritt in den Arbeitsmarkt – für viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist individuelle Mobilität erforderlich“, sagte Rüdel.

    Immerhin sollen 6200 Arabisch-Prüfungen für die Lkw-Führerscheinklasse C und rund 1600 in der Bus-Klasse D abgelegt worden sein. Somit habe Arabisch zumindest in den vergangenen beiden Jahren auch in diesen Klassen unter allen Fremdsprachen auf Platz eins gelegen.

    mka/gs

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    Tags:
    Statistik, Arabisch, Deutschland, Führerschein