10:48 26 September 2020
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    Er ist einer der letzten Leinwandlegenden aus Hollywoods goldener Ära gewesen – mit 103 Jahren ist „Spartacus“-Held Kirk Douglas gestorben. Die Filmwelt trauert um einen rebellischen Star.

    Douglas kam als Sohn jüdisch-russischer Einwanderer im Armenviertel der Industriestadt Amsterdam im US-Bundesstaat New York auf die Welt. Issur Danielovitch Demsky, so sein Geburtsname, wuchs mit sechs Schwestern auf. Mit Jobs als Hausmeister und Ringer auf Jahrmärkten finanzierte er sein Studium an der Schauspielschule.

    Ein rebellischer Leinwandheld

    Nun trauern Familie und die Filmwelt um den rebellischen Leinwandhelden. Am Mittwoch (Ortszeit) starb Douglas im Alter von 103 Jahren, wie sein Sohn Michael Douglas (Wall Street) auf Facebook und Instagram „in tiefster Trauer“ mitteilte.

    • Kirk Douglas in „Spartacus“
      Kirk Douglas in „Spartacus“
    • Kirk Douglas (L) und Richard Harris im „Kennwort „Schweres Wasser“ 1965
      Kirk Douglas (L) und Richard Harris im „Kennwort „Schweres Wasser“ 1965
      © AP Photo /
    • Kirk Douglas mit seinem Sohn Michael im April 2003
      Kirk Douglas mit seinem Sohn Michael im April 2003
      © AP Photo / Chris Pizzello
    • Kirk Douglas (Archivbild)
      Kirk Douglas (Archivbild)
      © REUTERS / Phil Klein
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    Kirk Douglas in „Spartacus“

    Seinen 100. Geburtstag im Dezember 2016 hatte der „Spartacus“-Schauspieler Kirk Douglas noch groß gefeiert. Dazu lud der Patriarch der Schauspieler-Familie prominente Freunde zu einer Tee-Party ein. Sohn Michael richtete die Feier im Beverly Hills Hotel mit mehr als 130 Gästen aus. Zu den Gratulanten zählten bekannte Filmschaffende, darunter Regisseur Steven Spielberg und Produzent Arthur Cohn. Auch war die zweite Ehefrau Anne an der Seite des Jubilars. Die in Hannover geborene Produzentin hatte Douglas in Paris kennengelernt und 1954 geheiratet.

    Spätere Geburtstage feierte er dann nur noch in kleinem Kreis, öffentliche Auftritte wurden spärlicher. Im November 2018 saß er mit hellrosa Hemd und Sonnenbrille im Rollstuhl auf dem Hollywood Boulevard, als Sohn Michael dort mit einem Stern auf dem „Walk of Fame“ verewigt wurde, nahe an der Stelle, wo Kirk seit langem eine Plakette hat.

    Douglas warnte vor Donald Trump

    Mit Mitte 90 hatte der rüstige Darsteller am Thanksgiving-Feiertag noch tatkräftig mitgeholfen, Truthahn-Essen an Obdachlose in Los Angeles zu verteilen. Erst in den letzten Jahren waren seine Auftritte in der Öffentlichkeit seltener geworden, aber seine Meinung tat er auch noch mit fast 100 Jahren kund. So warnte der liberale Star mit dem markanten Grübchen im Kinn noch im Herbst 2016 vor den Folgen eines Wahlsieges von Donald Trump. In einem Blog-Eintrag bei der „Huffington Post“ zitierte er aus einer Wahlkampfrede des Republikaners, die sich gegen Einwanderer richtete.

    „Dies sind nicht die amerikanischen Werte, für deren Schutz wir im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben“, wetterte Douglas. Er selbst sei 16 Jahre alt gewesen, als 1933 ein Mann in Deutschland an die Macht kam, den zuerst niemand ernst genommen habe. „Er wurde als Clown angesehen, der unmöglich ein gebildetes, zivilisiertes Volk mit seinen nationalistischen, hasserfüllten Reden täuschen konnte“, führte Douglas weiter aus.

    Vorliebe für Bösewichte, Draufgänger und schmutzige Helden

    Nach dem Krieg hatte er Glück. Seine frühere Klassenkameradin Lauren Bacall, die Douglas schon kleinere Rollen am Broadway verschafft hatte, empfahl ihn bei den Studiobossen in Hollywood. Als Alkoholiker-Ehemann von Barbara Stanwyck debütierte er 1946 in dem Film „Die seltsame Liebe der Martha Ivers“ so überzeugend, dass rasch weitere Hauptrollen folgten, etwa in „Glasmenagerie“ und „Reporter des Satans“.

    Douglas spielte in mehr als 80 Filmen mit, oft unter großen Regisseuren wie Billy Wilder, Howard Hawks, Otto Preminger und Elia Kazan. Allein mit seinem Leinwandfreund Burt Lancaster stand er sieben Mal vor der Kamera – angefangen beim Gangsterdrama „14 Jahre Sing Sing“ bis hin zu der selbstironischen Gaunerkomödie „Archie & Harry – Sie können's nicht lassen“.

    In seinen Filmen hatte Douglas eine Vorliebe für Bösewichte, Draufgänger und schmutzige Helden. Drei Mal wurde er für den Oscar nominiert: für die Rolle des rücksichtslos-ehrgeizigen Boxers in „Zwischen Frauen und Seilen“, als machtbesessener Filmproduzent in „Stadt der Illusionen“ und für sein packendes Künstlerporträt „Vincent van Gogh – Ein Leben in Leidenschaft“. 1996 konnte er schließlich den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk in Empfang nehmen.

    „Ich dachte nie, dass ich über 100 werde, aber ich verkrafte es schon.“

    Wie viele seiner Helden hat auch Douglas sich nie dem Druck von oben gebeugt. Mit der Gründung einer Produktionsfirma wurde er in Hollywood sein eigener Herr. Er gab ihr den Namen seiner aus der Ukraine stammenden Mutter Bryna. Für die Großproduktion „Spartacus“ unter der Regie von Stanley Kubrick verpflichtete Douglas Dalton Trumbo als Drehbuchschreiber, obwohl dieser auf der schwarzen Liste der geächteten kommunistischen Künstler stand. Er selbst trumpfte in dem teuren Historienepos als der legendäre Sklavenanführer auf.

    Nach einem schweren Schlaganfall 1996 war Douglas zuletzt nur noch selten in der Öffentlichkeit gesehen geworden. In seinem achten Buch – „Ein Fall von Glück – Mein neues Leben nach dem Schlaganfall“ beschrieb er die schwierige Genesung. Die Frage, wie er sich mit 102 fühle und ob ihm das Alter zu schaffen mache, hakte er im vorigen Jahr mit wenigen Worten ab. „Ich dachte nie, dass ich über 100 werde, aber ich verkrafte es schon.“ Im Januar 2018 kam er bei der Golden-Globe-Gala im Rollstuhl auf die Bühne, um den Preis für das beste Drehbuch anzukündigen.

    bs/dpa

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    Tags:
    Hollywood, Kirk Douglas