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    Flächenbombardierungen, Napalm, chemische Waffen und Millionen von Opfern – der Vietnamkrieg gilt als einer der furchtbarsten im 20. Jahrhundert.

    Am 7. Februar 1965, vor 55 Jahren, begannen die USA mit der Luftoperation „Flaming Dart“ ihre Militärintervention in den Konflikt in Vietnam. Dem folgten drei blutige Jahre endloser Luftangriffen, Zerstörung und Hunderttausender Toten.

    Entfesselung des Kriegs

    Als offizieller Anlass für die Intervention gilt der Zwischenfall im Golf von Tonkin (Tonking), bei dem der Zerstörer „Maddox“ der US-Marine, der an einer elektronischen Aufklärungsmission beteiligt war, von Torpedobooten attackiert wurde.

    Zu diesem Zeitpunkt war die Situation in der Region ziemlich kompliziert. Der Einfluss Nordvietnams nahm täglich zu. Die Regierung des Südens hingegen verlor das Vertrauen des Volkes. Die Amerikaner, die die Ausbreitung kommunistischer Stimmungen in Südostasien nicht zulassen wollten, stärkten ihre militärische Präsenz erheblich und waren bereit, in den Konflikt einzugreifen. Einige Tage nach dem Tonkin-Zwischenfall erlaubte der Kongress dem Präsidenten einen Angriff auf Ziele in der Demokratischen Republik Vietnam.

    US-Soldaten verhören eine Dorfbewohnerin in Südvietnam, ca. 1966
    © Sputnik / Archiv
    US-Soldaten verhören eine Dorfbewohnerin in Südvietnam, ca. 1966

    Die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams – Vietcong – führte damals einen heftigen Guerillakrieg mit dem von den USA unterstützten Süden und unternahmen deswegen regelmäßig auch Einsätze gegen dort stationierte amerikanische Truppen. Im November 1964 wurde Bien Hoa, einer der größten US-Luftwaffenstützpunkte, einem gewaltigen Mörserfeuer ausgesetzt. Partisanen zerstörten mehrere Bomber, beschädigten etwa ein Dutzend Flugzeuge und Hubschrauber. Mehr als 70 US-Militärs wurden verletzt, acht wurden getötet.

    Das Pentagon begann daraufhin, Vergeltungsschläge vorzubereiten – nämlich die Operation „Flaming Dart“. Inzwischen verübte der Vietcong eine weitere Attacke – auf ein Hotel in Saigon, in dem US-Militärberater Weihnachten feierten. Infolge einer Autobomben-Explosion kamen mehrere US-Beamte ums Leben.

    Im Februar 1965 führten die US-Marine und Luftwaffe schwere Angriffe gegen den Vietcong. An der Operation beteiligten sich Kampfjets des Flugzeugträgers „USS Hancock“ sowie Flugzeuge der südvietnamesischen Armee. Nordvietnam reagierte mit einer Mörserattacke auf den Luftwaffenstützpunkt Da Nang. Die amerikanischen Bombenangriffe gingen weiter.

    In wenigen Tagen machten Flugzeuge der US-amerikanischen und der südvietnamesischen Luftwaffe rund 150 Einsätze. Das Ziel – den Konflikt innerhalb des Landes zu deeskalieren – konnte Washington jedoch nicht erreichen. Ihre Bombenangriffe fachten den Krieg nur weiter an.

    „Meer“ aus Napalm

    Anfang März 1965 begann die Bombardierungskampagne „Rolling Thunder“, in deren Rahmen eine Serie von Luftangriffen auf besonders wichtige vietnamesische Objekte geflogen wurde. Die Operation dauerte drei Jahre und wurde zum größten Einsatz der Vereinigten Staaten seit dem Zweiten Weltkrieg.

    „Rolling Thunder“ wurde durch die bewusste Vernichtung der Zivilbevölkerung, die Bombardierung von Städten und Dörfern und die Zerstörung ziviler Infrastruktur  berüchtigt. Amerikanische Piloten verbrannten absichtlich Reisfelder, um Ernteausfälle und Hungersnöte zu verursachen. Nach verschiedenen Schätzungen wurden zwischen 50.000 und 180.000 Vietnamesen bei Bombenangriffen getötet.

    Die grausame Philosophie von „Rolling Thunder“ und der Wunsch, dem Land so viel Schaden wie möglich zuzufügen, wird auch durch die Aussagen einiger amerikanischer Militärführer bestätigt. Zum Beispiel sagte General Curtis LeMay, einer der leidenschaftlichen Befürworter der massiven Bombenangriffe:

    „Wir werden sie in die Steinzeit zurückbomben.“

    Die Amerikaner waren mit den Bomben generös – fast sieben Millionen Tonnen verschiedener Munition wurde auf Vietnam abgeworfen. Präzisionswaffen waren noch nicht in Sicht, weshalb das sogenannte Flächenbombardement praktiziert wurde, das Dutzende Hektar Land verbrannte. Darüber hinaus wurde Napalm weit verbreitet. 500.000 Tonnen klebrige und viskose Mischung aus Benzin und Verdickungsmitteln wurden auf die Vietnamesen gegossen.

    Obwohl Napalm für die Vernichtung von Partisanen gedacht war, wurden Informationen über die Aufenthalt von Vietcong-Soldaten in einem bestimmten Dorf oft nicht überprüft. Die Dörfer wurden zusammen mit den Einwohnern niedergebrannt.

    Besonders muss man die chemischen Waffen erwähnen, die für die Enttarnung von Partisanen genutzt wurden. Zum Beispiel, „Agent Orange“ konnte die Wälder vollständig entlauben. Das in diesem Mittel enthaltene Dioxin wirkt unter anderem fetotoxisch und verursacht bei Menschen genetische Mutationen. Darum sind die Folgen des Einsatzes chemischer Waffen in Vietnam noch immer zu spüren: auch heute werden Kinder mit entsprechenden Defekten geboren.

    Widerstand gegen die Luftangreifer

    Mit dem Beginn massiver Bombenangriffe kamen die UdSSR und China den Nordvietnamesen zu Hilfe. Das Luftverteidigungssystem Vietnams bestand zwar bereits hauptsächlich aus sowjetischer Technik, aber dem Land fehlte es kritisch an modernen Hochgeschwindigkeitskämpfern, um amerikanischen Bombern und Angriffsflugzeugen entgegenzuwirken. Die Sowjetunion begann Lieferungen der MiG-17 – es waren diese Jets, die in den folgenden Jahren der US-Luftwaffe die meisten Steine in den Weg legten.

    Von sowjetischen Fachleuten ausgebildete vietnamesische Kampfpiloten schossen etwa 150 feindliche Flugzeuge ab. Obwohl die MiG-17 den amerikanischen Konkurrenten in gewisser Hinsicht unterlegen war, war sie einfach zu bedienen, zuverlässig und wendig.

    US-Soldaten verbrennen ein vietnamesisches Dorf, ca. 1967
    © Sputnik / Archiv
    US-Soldaten verbrennen ein vietnamesisches Dorf, ca. 1967

    Später eigneten sich vietnamesische Piloten die noch modernere MiG-21 an. Diese Jäger waren mit einer 30-Milimeter-Kanone und zwei Lenkflugkörpern mit einem thermischen Zielsuchkopf bewaffnet.

    Ihre Aktionen führten dazu, dass die Amerikaner die Taktik ihrer Bombenangriffe überdenken mussten. Auch die Vietnamesen lernten aus ihren eigenen Fehlern und entwickelten anhand der Informationen der gefangen genommenen US-Piloten neue Bekämpfungsmethoden.

    Vom Boden erschwerten den Amerikanern ihren Kampf sowjetische Flugabwehrwaffen. Die UdSSR lieferte nach Vietnam etwa 100 FlaRak-Systeme SA-75M sowie tausende Flugabwehrraketen dafür, Flugabwehrartilleriesysteme S-60 und Fla-Maschinengewehre. In den Kriegsjahren schossen die Vietnamesen mithilfe sowjetischer Waffen und Fachleute rund 3.500 amerikanische Flugzeuge und Hubschrauber ab.

    Erst 1968 stimmte die US-Regierung Verhandlungen über eine friedliche Lösung des vietnamesischen Problems zu.

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    Tags:
    Vietnamkrieg