17:41 02 Juli 2020
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    Mehrere Passanten sollen dem Bericht eines Rechercheteams zufolge am Tag des Terroranschlags in Halle, dem 9. Oktober 2019, „ruhig, ja beinahe teilnahmslos“ am ersten Opfer vorbeigelaufen sein. Darüber schreiben WDR, NDR und „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf ein Video aus der Überwachungskamera in der angegriffenen Synagoge.

    „Mitten in einer deutschen Großstadt liegt eine Person niedergeschossen auf dem Asphalt, aber Passanten gehen weiter“, schrieb die SZ.

    Dem nun veröffentlichten Bericht des Rechercheteams zufolge traf die Polizei zehn Minuten nach dem Mord an der Passantin um 12.11 Uhr zunächst mit nur einem Streifenwagen ein. Das deckt sich mit Aussagen des Landesinnenministeriums, das kurz nach dem Anschlag ein Minutenprotokoll des Einsatzes veröffentlicht hat.

    Eine Beamtin steigt laut SZ im Video „ruhig“ aus dem Wagen, gehe einmal um das Opfer herum, leiste keine Erste Hilfe. In Ermittlerkreisen wird davon ausgegangen, das Opfer sei bereits tot gewesen - die Beamtin hätte die liegende Frau zudem „überprüft“.

    „Minutenlang“ habe die Polizistin laut SZ anschließend gewartet, weder Schutzausrüstung angelegt noch ihre Waffe in der Hand gehabt. Das Video geht nach Angaben der SZ bis 12.22 Uhr. Bis zu diesem Zeitpunkt sei kein Notarzt eingetroffen, der den Tod der 40-Jährigen hätte feststellen können.

    Kritik an der Polizei

    Kurz nach der Tat wurde unter anderem Kritik laut, weil die Polizei trotz des jüdischen Feiertags nicht an der Synagoge postiert war. Auch die Sicherheitsvorkehrungen und Einsatzkonzepte im Land sollen im U-Ausschuss auf den Prüfstand kommen.

    Die Polizei sei etwa zu spät am Tatort gewesen, hatte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle gesagt. Ein Untersuchungsausschuss im Landtag von Sachsen-Anhalt soll den Polizeieinsatz beleuchten.

    Anschlag auf Synagoge in Halle

    Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, in der Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, begingen. Als der Angreifer scheiterte, erschoss er in der Nähe eine 40-Jährige und einen 20-Jährigen. Auf der Flucht verletzte der Täter ein Paar schwer, bevor er festgenommen wurde. Der 27 Jahre alte Deutsche hat den Anschlag gestanden und rechtsextreme und antisemitische Motive eingeräumt.

    sm/gs/dpa

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    Tags:
    Opfer, Anschlag, Halle, Synagoge