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    Die „USS Yorktown“ fährt weiter auf sowjetische Hoheitsgewässer zu. Matrosen und Offiziere stehen an Deck: lachen und grölen, zeigen den Sowjets, was sie von deren Vorhaben halten. Übermacht macht übermütig. Wenige Sekunden später kracht es.

    Es war einer dieser Tage im Kalten Krieg, an dem wieder mal der nächste Weltkrieg hätte ausbrechen können, sagen Historiker. Der 12. Februar 1988. Dass die Navy einen weiteren Einsatz im Schwarzen Meer in der Nähe sowjetischer Staatsgrenzen vorhat, hatte das Kommando der Schwarzmeerflotte rechtzeitig erfahren. Dass es dabei zu Grenzverletzungen kommen kann, war allen klar.

    Die 6. Flotte der US-Marine hatte die „USS Yorktown“ und die „USS Caron“ ins Schwarze Meer geschickt, einen Kreuzer und einen Zerstörer. Zwei Patrouillenschiffe fuhren denen entgegen: die „Bessawetnyj“ und die „SKR-6“, beide annähernd fregattengroß.

    Fregattenkapitän Nikolai Michejew hatte den Auftrag, die Navy-Schiffe vor dem Eindringen in sowjetische Hoheitsgewässer zu warnen. Bei Missachtung waren die Schiffe vom Kurs abzubringen – wenn nötig, durch Anprall.

    Die Amerikaner ließen es darauf ankommen. Auf die Warnung der Sowjets hin hieß es von den Navy-Kommandeuren, sie verletzten nichts, schon gar keine Grenze. Der Kurs werde beibehalten. Aber Michejew und seine Kollegen hatten einen Befehl. Teil A war schon ausgeführt, sie gingen zu Teil B über.

    Die „Bessawetnyj“ und die „SKR-6“ näherten sich der“ Yorktown“ und der „Caron“ erst auf vierzig, dann auf zehn Meter. 3000 und 1500 Tonnen Wasserverdrängung gegen 9200 und 7800 Tonnen. Technisch waren die Amerikaner überlegen, das wussten sie – und sie spielten damit: Lachend und grölend, die Mittelfinger hoch, standen sie an Deck ihrer Schiffe.

    Die „Bessawetnyj“ traf zuerst. Unter einem Winkel von circa 30 Grad schlug das sowjetische Patrouillenschiff backbords in die „Yorktown“ ein. Die Reibungskräfte waren so groß, dass der Tarnanstrich des Kreuzers Feuer fing. Der Schiffsanker riss die Bordwand auf. Die gerade noch lachende Mannschaft stürmte runter ins Rumpfinnere, der Kapitän lief hoch auf die Brücke.

    Die zweite Kollision war heftiger. Die „Bessawetnyj“ schlug ins Heck des Kreuzers ein, im Bereich des Hubschrauberdecks: Bordwand aufgerissen, Beiboot zerschlagen, die Startsilos für Tomahawk-Raketen beschädigt, die Sprengköpfe der Raketen abgerissen.

    Solchen Schaden hätte die „SKR-6“ nicht anrichten können. Das Patrouillenschiff unter dem Kommando von Kapitän Michejew setzte nicht zum Anprall an, sondern fuhr seine Raketenwerfer hoch, in Richtung der beiden Navy-Schiffe. Die drehten vom Kurs ab – machten aber die Bordhubschrauber startklar.

    Eine Warnung von Michejew, die Hubschrauber würden wegen Grenzverletzung abgeschossen, brachte nichts. Erst als eine Rotte vollbewaffneter Mi-24 nah am Wasser aufgetaucht war, brachen die Amerikaner den Start ihrer Helikopter ab. Ein Verband sowjetischer Kampfhubschrauber hielt sich unweit auf.

    Die „Yorktown“ und die „Caron“ zogen ab aus dem sowjetischen Gewässer. Über zwei Tage verhandelten die US-Kapitäne danach mit dem Oberkommando der 6. Flotte. Am dritten Tag durften sie das Schwarze Meer verlassen.

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    Tags:
    USA, Sowjetunion, Kalter Krieg, U.S. Navy, Schwarzmeerflotte, Schwarzes Meer