12:25 05 August 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    2344
    Abonnieren

    Angesichts der zunehmenden Welle an Klagen wegen sexuellen Missbrauchs und der sinkenden Mitgliederanzahl hat eine der größten Jugendorganisationen der Vereinigten Staaten, „Boy Scouts of America“ (BSA), den sogenannten Insolvenzschutz beantragt. Dies berichtet die Zeitung „Los Angeles Times“.

    Die Pfadfinderorganisation hat ihren Antrag bei dem Konkursgericht in Delaware gestellt und beruft sich dabei auf den Abschnitt 11 des US-Insolvenzrechts, der Sanierungs- und Reorganisierungsverfahren vorsieht. Das Einreichen des Antrages setzt automatisch alle Klagen gegen den Schuldner aus und unterbindet Inkassomaßnahmen und Verfahren, die auf sein Eigentum gerichtet sind.

    Zuvor hatten einige US-Bundesstaaten, darunter Kalifornien, New York und New Jersey, die rechtlichen Möglichkeiten für die Opfer von Kindesmissbrauch erweitert, Klagen einzureichen und somit einen Schadenersatz zu fordern. 

    „Die Insolvenz der Pfadfinder dürfte die örtlichen Pfadfinderaktivitäten nicht beeinträchtigen, jedoch werden laufende Gerichtsverfahren gestoppt, während die Vergleichsvereinbarungen ausgehandelt werden“, schreibt die Zeitung.

    Der Konkursantrag sehe unter anderem vor, dass neue Missbrauchsklagen am Gericht von Delaware, und nicht an Gerichten entsprechender US-Bundesstaaten behandelt werden müssten. In ihrem Konkursantrag habe der Verband Vermögenswerte im Wert von null bis 50.000 US-Dollar und Verbindlichkeiten im Wert von 100 bis 500 Millionen Dollar angegeben.

    Hunderte Klagen

    Mitarbeiter der Pfadfinderorganisation hätten nicht angegeben, wie viele Missbrauchsklagen in den letzten Jahren eingereicht oder wie viel Entschädigungsgelder im Einklang mit Gerichtsurteilen und Abfindungsvereinbarungen bereits ausgezahlt worden seien. Die Anwälte der Kläger sollen von Hunderten Klagen sprechen. Zudem seien viele andere Fälle mit vertraulichen Vereinbarungen geregelt worden, noch bevor Klagen eingereicht worden seien.

    „Wir wissen zwar, dass nichts den tragischen Missbrauch, den die Opfer erlitten haben, ungeschehen machen kann. Wir glauben jedoch, dass ein Verfahren entsprechend dem Chapter 11 – mit der vorgeschlagenen Trust-Struktur – allen Opfern eine gerechte Entschädigung bieten und gleichzeitig die wichtige Mission der BSA aufrechterhalten wird“, äußerte Roger Mosby, der Präsident und Vorstandsvorsitzende der Pfadfinder, in einer Erklärung.

    „Taktik wie bei katholischen Diözesen“

    Gilion Dumas, eine Anwältin, die an mehr als einem Dutzend Gerichtsverfahren gegen die Pfadfinder in Kalifornien teilnimmt, habe gegenüber der Zeitung geäußert, ihre Mandanten könnten nun jahrelang auf einen Beschluss in Bezug auf ihre Klagen warten.

    Laut der Zeitung verfügt die Pfadfinderorganisation über ein Vermögen von 1,4 Milliarden US-Dollar. Die sich abzeichnenden Verbindlichkeiten seien groß genug, dass die Mitarbeiter der Organisation etwa ein Jahr lang überlegt hätten, ob sie einen Konkursantrag stellen sollten.

    Die Zeitung verweist darauf, dass einige katholische Diözesen eine ähnliche Taktik während der Sexualmissbrauchsskandale verwendet hatten, um das Eigentum vor Ansprüchen zu schützen.

    Taten zwischen 1965 und 1985 publik gemacht

    Die deutsche Schauspielerin Natalia Wörner auf dem roten Teppeich Berliner Filmfestspiele (Archivbild)
    © Sputnik / Jekaterina Tschessnokowa (ARCHIVFOTO)
    2012 hatte der Oberste Gerichtshof des US-Bundesstaates Oregon nach einem langen Gerichtsverfahren angeordnet, Dokumente zu veröffentlichen, die von Fällen angeblichen Kinder- und Minderjährigen-Missbrauchs durch Gruppenleiter und andere Mitarbeiter des Verbands berichteten. Die Unterlagen enthielten Informationen über Handlungen, die in der Zeitperiode von 1965 bis 1985 verübt worden sein sollen. Die vermeintlichen Täter waren angesehene Personen, wie Polizisten, Militärs, Lehrer und Ärzte. Auch ein Bürgermeister und ein Kinderpsychologe waren verwickelt.

    Einige der Versicherer der Pfadfinder hätten sich geweigert, Auszahlungen von Entschädigungsgeldern in Fällen sexuellem Missbrauchs zu übernehmen, mit der Behauptung, die BSA hätte den Missbrauch verhindern können, schreibt die Zeitung unter Verweis auf die Gerichtsakten.

    Die Boy Scouts of America war 1910 gegründet worden. Die Gesamtzahl aller jemals angemeldeten Mitglieder hat 110 Millionen erreicht.

    asch/ae

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Beirut: Ammoniumnitrat könnte tödliche Detonation verursacht haben
    Merkel erschüttert über Explosion in Beirut – schnelle Hilfe geplant
    Chinesische Su-30-Jets auf spektakulärer Zehn-Stunden-Mission gefilmt – Video
    Explosion in Beirut: Russland hilft mit Krankenstation und Ärzten
    Tags:
    Konkurs, Insolvenz, Klage, Kindermissbrauch, sexueller Missbrauch, Missbrauch, Mißbrauch, Pfadfinder, Pfadfinder, USA