13:45 05 Dezember 2020
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    Darf ein homöopathisches Arzneimittel mit dem Namen eines Wirkstoffs beworben werden, der wegen der starken Verdünnung gar nicht im Präparat nachweisbar ist? Ja, urteilte das Landgericht Darmstadt und wies damit eine Unterlassungsklage ab.

    Ein kurioses Urteil ist am Landgericht Darmstadt ergangen. Dieses hat die Unterlassungsklage eines Vereins, dem fast alle Industrie- und Handelskammern sowie zahlreiche Apothekerkammern und Pharmaunternehmen angehören, abgewiesen und einem Hersteller von homöopathischen Arzneimitteln rechtgegeben. Der Verein hatte versucht, gerichtlich ein Verbot zu erwirken, das Produkt "HCG C30 Globuli" unter dieser Bezeichnung zu bewerben oder in den Verkehr zu bringen.

    Was steckt hinter HCG C30 Globuli?

    Auf der Plattform stoffwechselkur-gesund.de werden das Präparat, seine Wirkungsweise und der Einsatzbereich wie folgt beschrieben:

    „Bei diesen handelt es sich um homöopathische Arzneimittel-Kügelchen, die die Information des Schwangerschaftshormons humanes Chloriongonadotropin – kurz HCG – enthalten. Dieses Hormon spielt normalerweise eine wichtige Rolle bei der Versorgung von Mutter und ungeborenem Kind, indem es dafür sorgt, dass der Körper in einer schlechten Ernährungssituation seine Fettdepots abbaut. Darüber hinaus soll das Hormon auch appetitzügelnd wirken.
    Diese Wirkungsweise soll dich bei der Diät dabei unterstützen, lästige Fettpölsterchen effektiv und nachhaltig loszuwerden – und das ohne die Nebenwirkungen vieler anderer Diäten wie Heißhungerattacken und Jo-Jo-Effekt.“

    Die Kügelchen sollen diätunterstützend wirken, indem sie Mangelerscheinungen vorbeugen und den Stoffwechsel anregen. Die Einnahme des Präparats habe demnach außerdem die Vorteile, dass das Absacken des Blutzuckerspiegels und Heißhungerattacken verhindert werden würden, der Appetit gezügelt, die Stimmung aufgehellt und die Elastizität der Haut unterstützt.

    Die Online-Bewertungen für HCG C30 Globuli fallen unterschiedlich aus – von „wirkt super, habe schon X Kilo abgenommen“ bis „wirkt bei mir nicht, bin schon wieder dicker geworden“. Und was sagt die Schulmedizin? Mit einer täglichen Energiezufuhr von maximal 500 Kilokalorien kann die HCG-Diät gesundheitsgefährdend sein. Es droht Mangelversorgung mit Nähr- und Mineralstoffen sowie Vitaminen. Außerdem können sich zum Beispiel Nierensteine bilden und Herzrhythmusstörungen auftreten. "Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie sowie die Deutsche Adipositas-Gesellschaft raten von der HCG-Diät ab", sagt Ernährungswissenschaftler Dr. Martin Hofmeister. Auch die Zufuhr des Hormons sei nicht unproblematisch. "Es ist nicht abzusehen, welche Folgen der Wirkstoff auf den Körper hat", warnt Hofmeister. Außerdem gebe es weder für eine gewichtsreduzierende, noch für eine stimmungsaufhellende oder appetitbremsende Wirkung von HCG wissenschaftliche Beweise.

    Nur, weil man es nicht nachweisen kann, heißt es nicht, dass es nicht da ist

    In dem vor dem Landgericht Darmstadt verhandelten Fall ging es um ein Präparat mit der Dosierung C30. Der Ausgangsstoff wird dabei 30-mal im Verhältnis 1:1000 verdünnt. Die Kläger argumentierten, dass sich somit kein HCG mehr im Präparat befinde und es ausschließlich aus Zucker bestehe. Deswegen sei der Name „HCG C30 Globuli“ irreführend für die Verbraucher. Klingt logisch? Nicht nach Auffassung des Landgerichts Darmstadt. Dieses entschied:

    Dass der Ausgangsstoff bei dieser Dosierung "aufgrund der extremen Verdünnung mit den bisher bekannten wissenschaftlichen Methoden nicht mehr nachweisbar ist, führt nicht dazu, dass angenommen werden kann, dass der Stoff tatsächlich nicht in dem homöopathischen Medikament enthalten ist".

    Will heißen: Nur, weil man keinen Wirkstoff nachweisen kann, heißt es noch lange nicht, dass er nicht da ist.

    Auch eine Irreführung der Verbraucher sah das Landgericht nicht. Die Anhänger der klassischen Schulmedizin gingen sowieso davon aus, dass Homöopathie nicht über den Placebo-Effekt hinauswirke, und würden von klar als homöopathische Arzneimittel beworbenen Produkten nicht angesprochen. Und bei dem Zielpublikum sei grundsätzlich davon auszugehen, "dass es sich um Personen handelt, die grundsätzlich der Homöopathie offen gegenüberstehen und denen bekannt ist, dass die Wirkstoffe bei homöopathischen Arzneimitteln geringer dosiert sind, als bei klassischen schulmedizinischen Produkten."

    Wenn man den Klägern in ihrer Auffassung folgte, in der Dosierung C30 sei kein Wirkstoff mehr enthalten, dürften viele andere homöopathische Arzneimittel auch nicht mehr vertrieben werden, so das Gericht.

    "Ein solches faktisches Verbot dürfte sicherlich nicht im Sinne der Verbraucher sein, die – aus welchen Gründen auch immer – von einer gewissen Möglichkeit der Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel, auch in der Verdünnung C30 ausgehen", hieß es im Urteil.

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    Tags:
    Globuli, Alternativmedizin, Medizin, Urteil