00:43 30 März 2020
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    Die Luxusimmobilie von Rapper Bushido und des mutmaßlichen Chefs des Berliner Abou-Chaker-Clans in Kleinmachnow steht vor der Zwangsversteigerung. Das teilte das zuständige Potsdamer Amtsgericht mit. Damit steuert ein bizarrer Rosenkrieg in Berlins Halb- und Unterwelt seinem vorläufigen Höhepunkt entgegen.

    Zwischen Arafat Abou-Chaker und Anis Ferchichi, besser bekannt als Bushido, passte früher kein Blatt Papier. Jedenfalls erweckten beide Männer diesen Eindruck oder bemühten sich, für die Öffentlichkeit diesen Eindruck zu erzeugen. Dass die Männerfreundschaft möglicherweise nur eine mehr oder weniger bizarre private Schrulle des als Kopf des gleichnamigen Clans geltenden 44-jährigen Arafat Abou-Chaker sein könnte, bei der jedenfalls ein Teil des Freundespaares nicht merkte oder nicht wahrhaben wollte, dass er vielleicht nur benutzt wurde, diese Spekulationen wurden schon relativ früh angestellt.

    ​Vor allem als der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Freiherr von Stetten im Juni 2012 Bushido als seinem Praktikanten Zugang zum Bundestag ermöglichte, wurde multimedial laut thematisiert, dass mit dem Rapper ein U-Boot des schwerstkriminellen Abou-Chaker-Clans exklusiven Zugang ins deutsche Parlament erhielt. Freiherr von Stetten hatte bislang Glück, dass sich kaum noch jemand an diesen Fauxpas erinnerte, der seinerzeit auch alte Geschäftskontakte von Stettens ans Licht brachte, die der smarte Unionsabgeordnete gerne vergessen beziehungsweise vergessen lassen möchte.

    Gemeinsamer Hauskauf in Kleinmachnow

    Ein Jahr vor dem Bundestagspraktikum von Bushido hatte dieser mit seinem Freund Arafat Abou-Chaker ein 16.000 Quadratmeter großes Grundstück in Kleinmachnow im südlichen Berliner Speckgürtel erworben und die darauf befindliche Villa aufwendig instandgesetzt und ein weiteres Wohnhaus errichtet. Auf dem Grundstück wurden Bäume gefällt. Ohne Genehmigung natürlich, denn die Familie Abou-Chaker fragt bekanntlich grundsätzlich nicht um Erlaubnis, was sie immer wieder mit den deutschen Justizbehörden in Konflikt und vor Gericht brachte.

    Gemeinsame Generalvollmachten

    Dass Bushido möglicherweise nur als Strohmann für Geldwäschegeschäfte der Abou-Chakers fungierte, auch darüber wurde in den Medien und in den Berliner Ermittlungsbehörden diskutiert und spekuliert. Grundlage für diese Gedankenspiele war eine Generalvollmacht, die Bushido seinem Freund 2010 erteilte und über die das Magazin „Stern“ im April 2013 erstmals berichtete. Im Juni 2013 erklärte Arafat Abou-Chaker in der „Zeit“, dass es eine zweite Generalvollmacht gäbe, in der er Bushido „dieselben Rechte“ einräume wie dieser ihm. Abou-Chakers Notar bestätigte der Hamburger Wochenzeitung seinerzeit die Existenz eines solchen Schriftstückes und der von Abou-Chaker gemachten Äußerungen.

    Gemeinsame Immobilieninvestitionen

    Die beiden Freunde sammelten Immobilien, wie andere Autos oder Uhren, beispielsweise 2010 die Wohnsiedlung „Bergmannsglück“ in Rüdersdorf bei Berlin. Das erregte schnell das Interesse von Spezialisten der Berliner Polizei, die sich mit der Organisierten Kriminalität befassen, weil großangelegte Immobiliengeschäfte typisch sind für Geldwäscheoperationen mafiöser Strukturen. 2019 sollte dieses Geschäft für ungewöhnliche Bilder im Berliner Landgericht am Tegeler Weg sorgen. Da hatten sich die einstigen engen Freunde schon längst entzweit. Im September 2018 hatte Bushido Arafat Abou-Chaker aus einer gemeinsamen Firma ausschließen lassen, weil Abou-Chaker Geld aus dem Unternehmen herausgezogen haben soll. Dagegen wehrte sich Abou-Chaker erwartungsgemäß, blieb aber dem entscheidenden Gerichtstermin am Landgericht Berlin zugunsten eines Urlaubs in Brasilien fern, während Bushido mit mehreren Bodyguards der Polizei mit Sturmhauben über den Gesichtern und höchstwahrscheinlich auch Schutzwesten unter den Jacken den Saal betrat und als Sieger wieder verließ.

    Gemeinsam nur noch vor Gericht

    Es war nicht die erste Demütigung für Arafat Abou-Chaker. Im Januar 2019 war er noch im Gerichtssaal des Amtsgerichtes Berlin-Tiergarten verhaftet und für kurze Zeit ins Gefängnis gebracht worden, weil ihm die Bedrohung der Familie von Bushido und die beabsichtigte Entführung von dessen Frau und Kindern zu Last gelegt wurde. Später folgten die Festnahme eines weiteren Abou-Chaker-Sprösslings, des jüngeren Bruders von Arafat, Yasser, Polizeidurchsuchungen auf dem gemeinsamen Grundstück von Abou-Chaker und Bushido in Kleinmachnow, Schlösserwechsel durch Bushidos Frau unter Polizeischutz und nun schließlich die richterlich eingeleitete Zwangsvollstreckung des noblen Anwesens. Beantragt von Bushido, im November 2019.

    Die dafür notwendige Schätzung soll nun ein Gutachter vornehmen, wogegen beide Seiten noch Beschwere einlegen können. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass Arafat Abou-Chaker von diesem Beschwerderecht Gebrauch machen wird, da er sich bereits seit den ersten juristischen Schritten Bushidos zur Auflösung der Zweckgemeinschaft vehement gewehrt hat. Immerhin haben wir jetzt gerichtsfeste Angaben über die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse des Grundstückes in Kleinmachnow, denn das Amtsgericht Potsdam erklärte, dass die Immobilie zu gleichen Teilen Arafat Abou-Chaker und Bushido gehört. Mit einer tatsächlichen Vollstreckung der Zwangsversteigerung wird nicht vor dem Sommer gerechnet.

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    Tags:
    Clans, Bushido