13:45 15 August 2020
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    Durch Schüsse sind im hessischen Hanau elf Menschen getötet worden. Die Polizei spricht von mehreren Verletzten und Schwerverletzten.

    Bei dem mutmaßlichen Täter aus Hanau handelt es sich um einen 43-jährigen Deutschen aus Hanau. Er sei ebenso wie seine 72 Jahre alte Mutter tot in seiner Wohnung gefunden worden, erklärte Innenminister Peter Beuth am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden. Der Generalbundesanwaltschaft stuft das Verbrechen als Verdacht auf eine terroristische Gewalttat ein.

    „Nach unseren jetzigen Erkenntnissen ist ein fremdenfeindliches Motiv durchaus gegeben“, so der CDU-Politiker.

    Darauf deute etwa eine Homepage hin, aus der sich ein mutmaßlicher rechter Hintergrund ergebe. Der Täter soll legal im Besitz einer Waffe und Sportschütze gewesen sein.

    Nach mehreren Gewalttaten mit vielen Toten in Hanau hat der Generalbundesanwalt bereits in der Nacht die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls übernommen. Das sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Donnerstag. Nach dpa-Informationen sind Hinweise auf eine ausländerfeindliche Motivation des mutmaßlichen Täters der Grund. 

    Der Landtag Hessens sagte wegen der Tat seine heutige Sitzung ab. Wie Landtagspräsident Boris Rhein erklärte, sei heute nicht „der Tag für politische Debatten, deswegen setzen wir die Sitzung des hessischen Landtages nicht fort”. 

    Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier rief die Bevölkerung dazu auf, sich nicht an Spekulationen zu beteiligen. Denn es sei für jegliche Schlussfolgerungen zu früh.

    Merkel sagt Termine ab

    Bundeskanzlerin Angela Merkel hat wegen der Bluttat von Hanau einen geplanten Besuch in Halle in Sachsen-Anhalt abgesagt.

    Nach den tödlichen Schüssen auf neun Menschen in Hanau ist der mutmaßliche Täter tot. Polizisten hätten am frühen Donnerstagmorgen in einer Wohnung zwei weitere Leichen gefunden. Unter diesen sei mit hoher Wahrscheinlichkeit der Täter, sagte ein Polizeisprecher. Es gebe keine Hinweise auf weitere Täter.

    Regierungssprecher Steffen Seibert sprach sein Beileid via Twitter aus:

    ​Die Polizei teilte später mit, dass der mutmaßliche Täter leblos aufgefunden worden sei.

    Nach Zeugenaussagen zu einem Fluchtfahrzeug seien Spezialkräfte der Polizei in eine Wohnung im Stadtteil Kesselstadt eingedrungen, sagte der Sprecher. Dort seien die beiden Toten entdeckt worden. Die Ermittlungen zu ihrer Identität seien noch nicht abgeschlossen. Angaben zu ihrer Nationalität wie zur Nationalität der neun zuvor erschossenen Menschen könnten noch nicht gemacht werden.

    Bekennerschreiben und Video

    Die Zeitung „Bild“ berichtet am Donnerstag, dass nach Informationen aus Sicherheitskreisen ein Bekennerschreiben und ein Video gefunden worden seien. Beides werde nun ausgewertet.

    Nach Informationen der Zeitung handelt es sich bei dem Schützen von Hanau um Tobias R. In seinem Bekenner-Schreiben soll R. wirre Ansichten geäußert haben, viele davon auch rechtsradikaler Natur.

    In diesem YouTube-Video spricht Medineberichten zufolge der Mann in fließendem Englisch von einer „persönlichen Botschaft an alle Amerikaner“. Der Clip, der am Donnerstagmorgen weiter im Netz zu sehen war, wurde offenbar in einer Privatwohnung aufgenommen, das Video wurde vor wenigen Tagen publik gemacht.

    Darin sagt der Mann, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort würde auch dem Teufel gehuldigt. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände „jetzt kämpfen“. Ein Hinweis auf eine bevorstehende eigene Gewalttat in Hanau ist in dem Video nicht enthalten.

    Dpa meldet, in einem knapp einstündigen Video behaupte der mutmaßliche Täter unter anderem, Deutschland werde von einem Geheimdienst mit weitreichenden Fähigkeiten gesteuert. Außerdem äußert er sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei. 

    Frührere Informationen

    Zuvor war berichtet worden, dass nach den Schüssen in Hanau die Polizei mit einem Großaufgebot nach den Tätern fahnde. An zwei verschiedenen Orten seien Schüsse gefallen, teilte die Polizei am Mittwochabend mit.

    ​„Nach aktuellsten Erkenntnissen kann die Polizei nun bestätigen, dass dabei acht Personen tödlich verletzt wurden. Die Fahndung nach den Tätern läuft auf Hochtouren“, hieß es in der Pressemitteilung der Polizei.

    Zu den Hintergründen gebe es noch keine gesicherten Kenntnisse.

    „Nach ersten Mitteilungen seien am Mittwochabend, gegen 22 Uhr, in Hanau an zwei verschiedenen Orten Schüsse gefallen. Im Bereich Heumarkt sei mindestens eine Person schwer verletzt worden - von dort sei ein dunkles Fahrzeug davongefahren. Ein weiterer Tatort wurde im Bereich des Kurt-Schumacher-Platzes gemeldet“, so die Polizei.

    Vor einem Döner-Imbiss in der Hanauer Krämerstraße haben Einsatzkräfte den Ort mehrerer Patronenhülsen mit Farbe auf dem Bürgersteig markiert. Der Fußweg vor dem Imbiss ist mit einem Flatterband der Polizei abgesperrt, wie ein dpa-Reporter in der Nacht auf Donnerstag berichtete. Die Polizei fordert neugierige Passanten auf, den Bereich zu verlassen und sich in ihre Wohnungen und die Lokalitäten vor Ort zu geben. Ein Polizeihubschrauber kreiste über der Stadt.

    ​Zuvor war berichtet worden, dass zunächst eine Sisha-Bar am Heumarkt in der Hanauer Innenstadt angegriffen wurde. Dies teilte der Hessische Rundfunk mit. Augenzeugen sollen demnach von acht bis neun Schüssen berichtet haben.

    Zweite Schießerei

    Danach sollen die Täter in die Karlsbader Straße im Stadtteil Kesselstadt gefahren sein. Dort soll dann erneut in einer Shisha-Bar geschossen worden sein. Auch hier soll es Tote gegeben haben. Die Polizei bestätigte die Angaben in dem Medienbericht zunächst nicht.

    Dritte Schießerei bestätigt sich nicht

    Eine mögliche dritte Schießerei in Lamboy bestätigte sich nicht. Die Polizei war zwar auch dort mit einem Großaufgebot vor Ort. Laut eines Sprechers der Staatsanwaltschaft sei dort aber niemand getötet worden.

    Die Polizei sperrte den Tatort am Heumarkt weiträumig ab. Polizisten mit Maschinenpistolen sicherten die Umgebung. Menschen standen in der Nähe der mit Flatterband abgesperrten Bereiche, einige weinten.

    Auf einem Foto aus dem Stadtteil Kesselstadt war ein mit Thermofolie abgedecktes Auto zu sehen. Neben dem Wagen lagen Glassplitter. Rettungskräfte waren im Einsatz.

    Hanau liegt im Main-Kinzig-Kreis etwa 20 Kilometer östlich von Frankfurt/Main und hat etwa 100.000 Einwohner.

    ai/ak/dpa/sna/sb

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    Hessen, Tote, Schießerei, Deutschland