19:31 30 März 2020
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    Coronavirus auf dem Vormarsch: Chronologie der Ausbreitung (116)
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    Ein weiterer Passagier von Bord des von der neuartigen Lungenkrankheit betroffenen Kreuzfahrtschiffes „Diamond Princess“ in Japan ist laut lokalen Medien gestorben. Die Gesundheitsminister aus Deutschland, Slowenien, Frankreich, der Schweiz und Österreich planen, sich am Dienstag in Rom mit ihrem italienischen Amtskollegen zur Lage zu beraten.

    Die betroffene über 80 Jahre alte Person von der „Diamond Princess“ war demnach in ein Krankenhaus eingeliefert worden, wo sie starb. Es ist bereits der vierte Todesfall unter den Passagieren des Schiffes. Insgesamt hatten sich mehr als 690 Passagiere und Crewmitglieder mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, darunter auch ein deutsches Ehepaar.

    Die von der Regierung in Tokio angeordnete, inzwischen aufgehobene zwei Wochen lange Quarantäne auf dem Schiff war von einigen Experten als unzureichend kritisiert worden. Ursprünglich hatten sich etwa 3700 Menschen auf dem Schiff befunden.

    Aktuelle Betroffenenzahl

    Die chinesische Gesundheitskommission berichtete in Peking von weiteren 150 Covid-19-Todesfällen. Inzwischen sind nun mehr als 77.000 Infektionen und über 2600 Todesfälle erfasst.

    In Südkorea zählten die Behörden insgesamt mehr als 890 Menschen, die sich nachweislich mit dem Erreger Sars-CoV-2 angesteckt haben. Zudem wurden bisher acht Todesfälle mit dem Virus in Verbindung gebracht.

    Aus etwa 30 Ländern und Regionen außerhalb Festlandchinas sind mehr als 2200 Infektionen und mehr als 25 Todesfälle berichtet worden. Im Iran stieg am Dienstag die Zahl der gemeldeten Todesopfer auf 14. Im Nachbarland Afghanistan wurde am Montag der erste Fall einer Erkrankung bestätigt. Auch die beiden Staaten Bahrain und Kuwait auf der Arabischen Halbinsel bestätigten erste Fälle.

    Lage in Italien

    In Italien sind nach Behördenangaben bis zum frühen Montagabend mindestens sieben Infizierte gestorben. Die Zahl der Infektionsnachweise stieg trotz drastischer Maßnahmen wie Sperrzonen auf mehr als 220, wie Zivilschutzchef Angelo Borrelli am Abend in Rom erklärte. Mehr als 25 Menschen seien auf der Intensivstation. Am Vorabend waren es noch circa 150 gemeldete Infizierte. Italien ist aktuell mit Abstand das Land mit den meisten erfassten Fällen in Europa.

    In der besonders schwer betroffenen Lombardei wurden zehn Gemeinden in der Provinz Lodi zu Sperrzonen erklärt. Dort kontrollieren Sicherheitskräfte, wer rein und raus darf.

    Spahn nimmt Stellung

    Mit dem Coronavirus-Ausbruch in Italien ist die Epidemie nah an Deutschland herangerückt. „Deshalb müssen wir damit rechnen, dass sie sich auch in Deutschland ausbreiten kann“, so Gesundheitsminister Jens Spahn. An diesem Dienstag wollten die Gesundheitsminister aus Deutschland, Slowenien, Frankreich, der Schweiz und Österreich in Rom die Lage mit ihrem italienischen Amtskollegen beraten, wie Spahn mitteilte. Ein Virus mache an Landesgrenzen nicht halt, sagte er.

    Spahn sagte auf die Frage, ob auch in Deutschland ganze Städte abgeriegelt werden könnten, theoretisch sei vieles denkbar. Notwendig sei so ein Schritt nicht.

    „Von der Absage von Großveranstaltungen (...) bis zum kompletten Abriegeln ganzer Städte gibt es ja auch noch viele Zwischenstufen.“

    WHO: Keine Pandemie

    Trotz steigender Fallzahlen in mehreren Ländern gibt sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) optimistisch. Es sei sehr ermutigend, dass die Fallzahlen in China zurückgingen, so WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag in Genf. Die Ausbreitung des Virus könne noch gestoppt werden. Die Zahlen aus Italien, dem Iran und Südkorea seien gleichwohl sehr beunruhigend, sagte er. Nach WHO-Einschätzung handele es sich bislang nicht um eine Pandemie, sondern Epidemien in einzelnen Ländern.

    Wirtschaftliche Folgen

    Die Ausbreitung der Krankheit wirkt sich auch auf die Wirtschaft aus. „Klar ist, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epidemie erheblich sein werden“, sagte Michael Bissinger, Experte bei der DZ Bank. Schäden durch Produktionsausfälle, gestörte Lieferketten, eingeschränkte Konsummöglichkeiten und die Ausfälle im Reiseverkehr seien vor allem für China und Anrainerstaaten schon jetzt beträchtlich.

    Aktienkurse brachen zum Wochenbeginn ein, die Ölpreise gaben nach. Gefragt waren hingegen Anlagen wie Gold und Staatsanleihen, die als „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten gelten.

    Neuartiges Coronavirus

    Ende Dezember hatte Peking die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über den Ausbruch einer Lungenentzündung unbekannter Ursache in der Stadt Wuhan in der Provinz Hubei informiert. Als Krankheitserreger wurde etwas später das Coronavirus 2019-nCoV identifiziert. Angesichts der fortschreitenden Verbreitung des Coronavirus hat die WHO einen weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen.

    ak/ae/dpa/sna

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    Tags:
    Jens Spahn, Lage, Todesopfer, Deutschland, Coronavirus, Europa, China