08:34 09 Juli 2020
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    Wer seine Wohnung auf der Plattform Airbnb anbietet, nimmt Gäste aus aller Welt auf. Dass diese sich daneben benehmen, ist ein Risiko, das der Gastgeber wohl einkalkulieren muss. Nun bewirbt Airbnb auf seiner Seite Überwachungssysteme, die dabei helfen sollen, ausufernde Partys & Co. Zu verhindern.

    Wilde Partys, Lärmbelästigung für die ganze Nachbarschaft oder handgreifliche Auseinandersetzungen, bei denen auch die Inneneinrichtung zu Bruch gehen kann? Sicher nichts, was man als Anbieter einer Airbnb-Wohnung haben möchte. Aber wer garantiert, dass sich die Gäste auch benehmen?

    Diese Risiken will die Vermietungs-Plattform nun ausräumen helfen und bewirbt auf ihrer Seite proaktiv Überwachungsgeräte, die sich jeder Gastgeber ganz leicht installieren kann. Ein schlechter Scherz in Zeiten der Massenüberwachung? Nein, tatsächlich legt Airbnb den Vermietern Geräte ans Herz, die ihnen mehr Kontrolle über das Geschehen in der angebotenen Wohnung ermöglichen sollen.

    „Wir wollen Ihnen dabei helfen, ihre Räume zu schützen, die Privatsphäre Ihrer Gäste sicherzustellen und die nachbarschaftlichen Beziehungen aufrechtzuerhalten“, heißt es auf der Webseite von Airbnb. Das bedeute, unliebsame Vorgänge in Echtzeit entdecken zu können.

    Das Angebot umfasst drei Überwachungsgeräte, die jeder leicht an Decke oder Wand anbringen kann zu einem Preis zwischen 100 und 150 US-Dollar und einem monatlichen Abschlag von 10 US-Dollar. Die kleinen Helfer überwachen Geräuschpegel, Temperatur, Feuchtigkeit und schlagen Alarm, wenn es beispielsweise anhaltenden Lärm gibt. Dabei sind sie aber nicht dazu ausgelegt, Audio- oder Videoaufzeichnungen zu machen.

    Doch auch wenn die Geräte aus datenschutzrechtlicher Sicht harmlos scheinen – wer sagt, dass deren Bewerbung durch Airbnb die Vermieter nicht auf den Gedanken bringt, auf eigene Faust andere, weniger „harmlose“ Überwachungsgeräte zu installieren?

    Und die Sorge ist nicht unbegründet. So machte im Januar 2019 beispielsweise die Geschichte von Jeffrey Bingham im Internet die Runde. Der Familienvater hatte zu Neujahr in der US-amerikanischen Stadt Seattle über Airbnb ein Apartment für sich und seine Familie angemietet. Dort entdeckte er eine Überwachungskamera, die nicht nur die Wohnräumlichkeiten erfasste, sondern sogar einen Blick ins Bad erlaubte. In der Beschreibung des Apartments auf Airbnb hatte es dazu keinerlei Angaben gegeben.

    Bingham deaktivierte die Kamera und schrieb eine Beschwerde an Airbnb. Die Plattform jedoch sah kein Problem mit der Überwachungskamera, schließlich hätte man beim genauen Hinsehen auf dem beigefügten Foto des Raumes die Kamera entdecken können und sei hiermit ausreichend vorgewarnt gewesen. Damit nicht genug – es traf auch sofort eine Nachricht des Besitzers der Wohnung ein, der sich beschwerte, dass Bigham die Kamera ausgestellt hatte, und fragte, was dieser an Neujahr „zu verbergen“ hatte. Der Vermieter gab Bigham eine schlechte Bewertung und soll jemanden beauftragt haben, zu prüfen, was die Familie in der Wohnung tut. Erst nachdem Bingham seine Erfahrungen öffentlich gemacht hatte, reagierte Airbnb mit einer Entschuldigung und der Erstattung der Kosten und forderte Gastgeber auf, Überwachungskameras schriftlich in den Angeboten kenntlich zu machen.

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    Tags:
    Überwachungskamera, Airbnb