20:15 03 Juli 2020
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    Nach Recherchen der Sendung „Strg_F“ ist vor kurzem herausgekommen, dass in den Shows von Joko Winterscheid und Klaas Heufer-Umlauf nicht alles so echt ist, wie es den Zuschauern verkauft wird.

    Als Student die gewohnt knappe Kasse damit aufbessern, dass man bei einer der vielen Gerichtsshows, die in den 90ern über die Bildschirme flimmerten, den Angeklagten, den Zeugen oder wahlweise auch das Opfer gab? Für so manchen heutigen Erwachsenen gehören Geschichten darüber zum Repertoire. Dass seither im Unterhaltungsfernsehen zwar viele neue Formate dazugekommen sind, sich an deren vorgeblicher Echtheit aber nicht wirklich viel verändert hat, beweist aktuell das Beispiel von ProSieben und den Shows von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Wie an verschiedenen Fallbeispielen in der Sendung „Strg_F“, einem Ableger des NDR-Magazins „Panorama“ nachgewiesen, wird nämlich auch bei „Duell um die Welt“ und „Late Night Berlin“ ganz schön viel gefaked.

    Ein angeblich auf frischer Tat ertappter Fahrraddieb entpuppt sich als Laiendarsteller, die Szene als in mehreren Takes gedreht. Der von heller Panik erfasste Protagonist in einem anderen Video, wo der Mann angeblich ganz allein einen Heißluftballon landen muss, ohne eine Ahnung von der Steuerung zu haben – tja, stellt sich heraus, der war gar nicht allein an Bord. Klar, Joko und Klaas und auch ihre Protagonisten wollten ihr Publikum glauben lassen, es sei alles echt. Und bestimmt gibt es auch den ein oder anderen Fan ihrer Shows, der das geglaubt hat und jetzt zu Recht enttäuscht ist. Doch so richtig überraschen kann es heutzutage doch nicht, dass im Fernsehen geflunkert wird, oder? Scripted Reality heißt das Ganze und funktioniert nach Drehbuch.

    Entsprechend haben auch viele Twitter-User auf die „Enthüllungen“ von „Strg_F“ reagiert.

    ​Andere haben sich für eine Kennzeichnungspflicht ausgesprochen, damit auch wirklich jedem Zuschauer klar ist, dass das, was er gezeigt bekommt, nicht echt ist:

    ​Es gab aber auch nachdenkliche Stimmen, die darauf hinwiesen, dass die nun untergrabene Glaubwürdigkeit der beiden TV-Stars auch ganz andere Folgen haben könnte, die sich in das „echte Leben“ erstrecken. Beispielsweise auf ihr Engagement für die Seenotrettung:

    ​Zu den als falsch entlarvten Folgen hat ProSieben Stellung genommen. In der Erklärung zum angeblichen Fahrraddiebstahl wiegelt der Sender ab und sagt, der „satirische Ansatz des Films“ hätte „womöglich deutlicher gemacht werden müssen“:

    „Ziel des Beitrags war die humoristische Sensibilisierung für das Thema Fahrraddiebstahl. [...] Nach erfolgreichem Abschluss eines Drehs mit versteckter Kamera werden aus produktionstechnischen Gründen häufig entweder mit Einverständnis des Protagonisten oder einem Ersatzprotagonisten sogenannte Schnittbilder nachgedreht. Selbstkritisch möchten wir anfügen, dass in diesem Fall der satirische Ansatz des Filmes womöglich deutlicher gemacht hätte werden müssen. Die Redaktion und die Produktion waren jedoch davon ausgegangen, dass ein Feuerschlucker, eine zirka vier Meter große Frau und ein Kirchenchor ausreichend Hinweis darauf liefern würden.“

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    Tags:
    Joko und Klaas, ProSieben