17:02 31 Oktober 2020
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    Die Menschheit verfällt schon bei einem Virus in Zustände, die Massenpanik ähneln. Auf Alienbesuche ist sie noch weit weniger vorbereitet. Dabei wären deren Folgen um vieles verheerender, so ein neues Buch, das den potentiellen Ersten Kontakt untersucht. Sputnik sprach mit einem der Autoren.

    „Sie sind da!“ – So beginnt der Titel eines neuen Buchs zweier Soziologen, in dem es um nichts weniger als den ersten Kontakt zwischen der Menschheit und einer außerirdischen Intelligenz geht. Es handelt sich ausdrücklich um ein Gedankenexperiment, das mit den Methoden der Zukunftsforschung unterschiedliche Szenarien durchspielt.

    „Wir waren der Meinung: Es ist jetzt höchste Zeit, sich mit der Frage nach außerirdischen Intelligenzen zu beschäftigen“, erklärt Michael Schetsche im Sputnik-Interview. Er ist einer der beiden Autoren und Soziologe an der Universität Freiburg.

    „Wir haben in den letzten Jahren unglaubliche Forschritte gemacht, was unser Wissen über das Universum angeht. Die neuen Erkenntnisse sprechen dafür, dass wir nicht allein sind.“

    Außerirdisches Leben wird immer wahrscheinlicher

    Es gibt laut Schetsche drei Gründe für eine solche Einstufung: Zum einen sei in den letzten 20 Jahren eine Vielzahl von Exoplaneten entdeckt worden, also Planeten, die außerhalb unseres Sonnensystems um andere Sterne kreisen. Allein in unserer Galaxis soll es Schätzungen zufolge 200 Milliarden von ihnen geben. Etliche Milliarden von diesen seien wahrscheinlich erdähnlich. Zum anderen sei das Weltall „angefüllt mit organischem Material“. Neben einzelnen Aminosäuren und Zuckern wurde erst kürzlich im Innern eines Meteoriten ein außerirdisches Protein entdeckt. Und schließlich ist bekannt:

    „Das Leben ist unendlich robust. Wenn es einmal entstanden ist, besiedelt es alle denkbaren Lebensräume, nutzt es jede Nische aus, setzt sich überall fest“, bemerkt Schetsche. An diese Frage nach Leben im Weltall schließt sich die nächste Frage an, ob irgendwo da draußen auch intelligentes, vielleicht der Menschheit überlegenes Leben existiert.

    Niemand ist zuständig, wenn die Aliens kommen

    Denn wenn es dieses außerirdische Leben wirklich gibt und es zum Kontakt kommt, hat die Menschheit ein – mindestens organisatorisches – Problem. „Unser Eindruck ist: Im Moment sind wir sehr schlecht vorbereitet“, sagt Schetsche. „Man sollte klären, wer ist denn auf der Erde für so einen Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation zuständig ist.“

    Als internationale Fragestellung würde dies wahrscheinlich Aufgabe der Vereinten Nationen sein. Da aber auf allen Ebenen schwere Auswirkungen möglich seien, falle das auch in den Aufgabenbereich der Regierungen einzelner Länder. Aber da gilt: „Es gibt ja nicht einmal eine kleinste Staatsstelle, die das bisher macht“, so Schetsche.

    Aus seiner Sicht ist es notwendig, dass wenigstens eine Reihe von Menschen auf der Welt sich im offiziellen Verbund um solche Dinge kümmern würden. Denn auch banale Fragen sind nicht beantwortet:

    „Wenn wir in Kontakt mit Außerirdischen kommen, ist im Moment überhaupt nicht geklärt: Wer spricht überhaupt für die Menschheit?“, so der Buchautor.

    Derzeit gebe es höchstens eine Reihe versprengter Wissenschaftler auf der Welt, die nach Gutdünken Signale ins Weltall schicken. Diese Praxis lehnt Schetsche ab, da ihre Folgen nicht abzusehen seien. Solche Aktionen gehören aus seiner Sicht sorgfältig vorbereitet und sollten ansonsten mit rechtlichen Maßnahmen unterbunden werden.

    Wenn Corona Panik auslöst – was passiert erst bei Aliens?

    Auch auf Katastrophenszenarien infolge eines solchen Kontakts ist die Menschheit nicht vorbereitet. Es gebe keine Katastrophenschutzpläne für einen solchen Fall. „Eine Forderung von uns ist, dass man in generellen Katastrophenplänen auch außerirdische Ereignisse einbezieht. Bisher ist das noch nichtmal für Meteoriteneinschläge gemacht, was auch jederzeit passieren kann“, so Schetsche. Dabei müssten die Außerirdischen für verheerende Folgen nicht einmal bösartig sein.

    „Es kann schon zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen der alltäglichen Abläufe kommen, indem die Menschen einfach in Panik verfallen. Und wenn ich höre, dass wir schon wegen eines kleinen irdisches Virus unsere ersten Hamsterkäufe von Toilettenpapier in Supermärkten durchführen, frage ich mich: Was wird dann erst passieren, wenn die Wissenschaft verkündet, dass wir in Kontakt mit Außerirdischen sind?“

    Wem gehört die Alientechnologie?

    Ein anderes wichtiges Szenario ist das Artefakt-Szenario, bei dem ein Bürger oder eine Institution eines Staates auf ein zurückgelassenes Erzeugnis einer Alien-Hochkultur, wie etwa eine Raumsonde, stößt. „Da gibt es überhaupt keine internationale Regelungen dafür, was denn mit so einem Artefakt geschieht. Wem gehört es überhaupt? Wer kann es sich aneignen? Wer kann es erforschen?“, bemängelt Schetsche und fügt hinzu: „Wenn es dann noch Technologien enthält, stellt sich die Frage: Wer kann es ausnutzen? Da haben wir bisher einen Zustand wie im Wilden Westen beim Goldrausch. Wer etwas findet, eignet sich das an und macht daraus, was er will. Das kann zu erheblichen Konflikten führen, gerade wenn so ein Artefakt verwertbare Technologien enthält.“

    Ob Radioempfang, Direktkontakt oder Artefaktfund – die beiden Buchautoren finden: „Wir denken, dass es jetzt Zeit ist, diese Fragen zu diskutieren und dass es jetzt Zeit ist, sich über bestimmte Maßnahmen Gedanken zu machen. Denn wenn so ein Kontakt zustande kommt, dann ist es zu spät, dann kann man nichts mehr vorbereiten. Die Vorbereitungen müssen wir jetzt machen, bevor dieser Erstkontakt stattgefunden hat.“

    Zu den Kontaktszenarien der beiden Autoren im Detail geht’s hier.

    Das Interview mit Michael Schetsche zum Nachhören:

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    Tags:
    extraterrestrische Intelligenz, UFO, Außerirdische, Aliens