22:38 28 November 2020
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    Im niederländischen Amersfoort wurde genetisches Material von SARS-CoV-2 nachgewiesen, bevor erste Fälle aus der Stadt gemeldet wurden. Auch in anderen Klärwerken konnten im Rahmen einer Studie Virenreste nachgewiesen werden. Eignet sich die Kläranlage als Frühwarnsystem?

    Wer sich mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert, muss nicht unbedingt Symptome aufweisen. Es kursieren unterschiedliche Einschätzungen zur Zahl symptomfrei Infizierter, die US-amerikanische Seuchenschutzbehörde schätzt, dass etwa ein Viertel aller Infizierten die Krankheit nicht bemerkt.

    Aber ob mit oder ohne Symptome: Jeder Infizierte scheidet das verdaute Virus zu Teilen aus. Im Stuhl landen so beachtliche Mengen des Erbguts und von Hüllenfragmenten des Krankheitserregers – und wandern über die Kanalisation bis ins Klärwerk. Das hat Forscher in den Niederlanden dazu veranlasst in sieben Klärwerken des Landes Tests im Abwasser auf bestimmte Gene aus dem Virus zu verschiedenen Zeitpunkten seiner Ausbreitung durchzuführen.

    Während die ersten Fälle in den Niederlanden Ende Februar bekannt wurden, zeitigten Tests in fünf der sieben Klärwerke bereits am 5. März positive Ergebnisse. Im Fall der Stadt Amersfoort, die zu diesen fünf Treffern zählt, wurden sogar Spuren des Erregers nachgewiesen, bevor der erste Einwohner der Stadt positiv getestet worden war.

    Wenn also systematische Testverfahren der Bevölkerung noch nicht möglich sind, kann das Abwasser bereits als eine Art Frühwarnsystem für betroffene Gebiete fungieren. Cluster können auf eine solche Weise dagegen nicht ermittelt werden, denn in einem Klärwerk – besonders bei Großstädten – finden viele Haushalte und Gebiete zusammen.

    Eine Gefahr stellt das Virus für Klärwerkmitarbeiter dagegen aus zwei Gründen nicht dar: Zum einen sind Bakterien und Viren im Abwasser in den Betrieben Alltag und es herrschen strenge Arbeitsschutzvorschriften, wie die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) klargestellt hat, nachdem erste Artikel zu dem Thema Sorgen erregt hatten. Zum anderen ist das ausgeschiedene Virus laut dem Virologen der Berliner Charité, Christian Drosten, nicht infektiös.

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    Tags:
    Niederlande, Abwässer, Coronavirus